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Schönwalder reden über Flüchtlinge

Auf Einladung von Jugend.Familie.Zukunft in Schönwalde referierte Sozialdezernent Carsten Saß (r.) über die Flüchtlingsunterbringung im Landkreis.
Auf Einladung von Jugend.Familie.Zukunft in Schönwalde referierte Sozialdezernent Carsten Saß (r.) über die Flüchtlingsunterbringung im Landkreis. FOTO: Ingvil Schirling
Zützen/Schönwalde. In Schönwalde haben sich die Einwohner am Dienstagabend vorsorglich zum Thema Flüchtlinge informiert, obwohl es dort derzeit keine Unterbringungspläne gibt. In Zützen, wo der Landkreis für Juni die Belegung von 26 Wohnungen angekündigt hat, beklagen die Bürger mangelnde Transparenz. Carmen Berg und Ingvil Schirling

Knapp 50 Schönwalder haben sich auf Einladung der Grünen-Intiative Jugend.Familie.Zukunft schon einmal vorsorglich zum Thema Flüchtlinge und Asylbewerber informiert. In der Gemeinde ist keine Flüchtlingsunterbringung in Größenordnungen geplant; dort leben aber Bürgermeister Roland Gefreiter zufolge bereits einige Russen, Kubaner, Brasilianer und Samoaner.

Im Haus Kulick referierte zunächst Sozialdezernent und Landratskandidat Carsten Saß (CDU), ehe die Einwohner ihre Fragen stellten. Saß, von 2000 bis 2004 Amtsdirektor im Unterspreewald, freute sich "sehr, mal wieder in Schönwalde zu sein" und außerdem "auch außerhalb einer aktuellen Situation über das Thema ins Gespräch zu kommen. Wobei die Situation jederzeit sehr aktuell werden kann", wies er auf die brisante Entwicklung der Flüchtlingszahlen hin.

Trotz derzeit prognostizierter 570 Menschen, die in LDS dieses Jahr aufgenommen werden müssen, geht er von einer steigenden Zahl bis zu 700 Asylbewerbern im Landkreis aus. Gab es vor genau einem Jahr nur das dringend sanierungsbedürftige Flüchtlingsheim in Waßmannsdorf, illustrierte er die rasante Entwicklung, ist die Verwaltung nun dabei, mit Massow und Zützen den fünften und sechsten Standort vorzubereiten. Zum Ende des Jahres soll die umgebaute Förderschule Luckau als siebter noch dazukommen.

"Wie verzweifelt muss ein Landkreis sein, um einen Standort wie Massow anzubieten?", fragte Michael Bartz von der Zützener Bürgerinitiative und brachte auch in Schönwalde die Sorgen der Einwohner des Orts bei Golßen auf den Punkt: "Mehr als 100 Flüchtlinge auf 350 Einwohner - wie soll da Integration stattfinden?" In Zützen mietet der Landkreis insgesamt 26 Wohnungen an, um ab Juni Asylbewerber unterzubringen.

Saß gab offen zu, dass das künftige Massower Heim sich keineswegs damit hervorgetan hätte, "dass es infrastrukturell exzellent wäre", sondern "daraus geboren wurde, dass wir eine Unterbringungspflicht haben und es dort ein leeres Objekt gibt". Eingerichtet werde eine Buslinie nach Halbe und Groß Köris mit Umstieg in die Bahn sowie Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Zützen "liegt im Vergleich zu Massow nahezu zentral", sagte Saß mit Augenzwinkern. "Aus unserer Sicht gibt es eine engagierte Bevölkerung. Die Unterschriftenliste sagt ja sehr deutlich, dass dieser an einem friedlichen Miteinander gelegen ist. Das können wir nur begrüßen und unterstützen." Die Nähe zu Golßen sei für die Verwaltung ein Argument.

Magrit Steinbach erinnerte sich unterdessen als Leiterin der Grundschule Schönwalde an die Zeit, als Kinder aus dem Flüchtlingsheim auf dem Brand, 1999 geschlossen, dort unterrichtet wurden. "Die Zeit möchte ich nicht missen. Es waren tolle Erlebnisse, die zeigten, wie stolz man sein konnte auf die Schönwalder." Allerdings hatte sie damals kleine Klassen. "Heute, mit 28 Kindern, wäre das so gar nicht mehr machbar", sagte sie in aller Deutlichkeit.

Nadja Saborowski vom Behandlungszentrum für Folteropfer in Berlin machte die Vielfalt des komplexen Asylrechts deutlich. Gefragt wurde weiter, wann Flüchtlinge aus Heimen in eigene Wohnungen ziehen können (mit positiv abgeschlossenem Verfahren oder bei guten Aussichten ab sechs Monaten).

Kritisiert wurde der aktuelle Schlüssel von Sozialarbeitern in den Heimen. Wiewohl er in Dahme-Spreewald auf Kreistagsbeschluss etwas günstiger liegt (zwei pro Heim) als in der Landesvorgabe (1:120 Personen), wurde er von mehreren Rednern als unzureichend beurteilt. Alles, was über den Landesschlüssel hinausgehe, müsse vom Landkreis bezahlt werden, so Saß.

Während sich die Schönwalder Dienstagabend vorsorglich informierten, beklagten die Zützener, dass mit ihnen direkt bislang niemand geredet habe. Die neu gegründete Bürgerinitiative "Pro Zützen - Gemeinsam für ein friedliches Zützen" fordert in einem Schreiben an Landrat Stephan Loge (SPD), das knapp 300 Unterschriften trägt, ein Abrücken von den Unterbringungsplänen. "Zützen ist zu klein, um eine so große Zahl von Asylbewerbern aufzunehmen", heißt es darin.

Vor den Golßener Stadtverordneten kündigte Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU) für den gestrigen Mittwochabend eine Zusammenkunft mit den Sprechern der Bürgerinitiative an, an der Dahme-Spreewalds Sozialdezernent Carsten Saß (CDU) teilnehmen werde. Eine Einwohnerversammlung, ursprünglich bereits vor Ostern avisiert, soll zu Beginn der kommenden Woche stattfinden.

Der Amtsdirektor verwies darauf, dass die Amtsverwaltung die Fraktionsvorsitzenden sowie den Zützener Ortsbeirat in Kenntnis gesetzt habe. Zudem habe "unter Begleitung des Landkreises" ein erster Austausch mit Verantwortungsträgern von Kitas, Schule, Kirche und weiteren Partnern stattgefunden. Mit einer Bürgerversammlung sei bis zur Neuwahl des Bürgermeisters der Stadt Golßen gewartet worden, deren Ortsteil Zützen ist.