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| 17:35 Uhr

Frust sitzt tief
Schönwalder streiten weiter für Sparkasse

 Der Sparkassenbus soll ab November in Schönwalde halten. Die Geschäftsstelle wird geschlossen.
Der Sparkassenbus soll ab November in Schönwalde halten. Die Geschäftsstelle wird geschlossen. FOTO: Mittelbrandenburgische Sparkasse / MBS
Schönwalde. Der Ärger ist groß in Schönwalde. Obwohl die Sparkassen-Filiale gut frequentiert ist, schließt diese. Die Sparkasse nennt Gründe und verweist auf eine mobile Alternative. Trotzdem bleibt viel Frust bei Gemeindevertretern. Von Katrin Kunipatz

Gegensätzlicher konnten die Positionen im Dorfgemeinschaftshaus Waldow am Montag nicht sein: auf der einen Seite Bürgermeister Roland Gefreiter (parteilos), die Gemeindevertreter, Einwohner sowie Amtsdirektor Henri Urchs (parteilos) und auf der anderen Seite die Mitteldeutsche Sparkasse (MBS) vertreten durch Pressesprecher Robert Heiduck und Dahme-Spree-Marktdirektor Henri Längert. Thema der nächsten 90 Minuten ist die für den 31. Oktober angekündigte Schließung der Sparkasse in Schönwalde.

Seit Anfang Juni wissen Bürgermeister, Amtsdirektor und Sparkassenkunden Bescheid. Seitdem kämpfen die Schönwalder für ihre Sparkasse. Eine Petition könnte noch im August im Petitionsausschuss des Landtags behandelt werden, so Gefreiter. Außerdem übergibt der Bürgermeister eine Liste mit 544 Unterschriften für den Erhalt der Filiale an Pressesprecher Heiduck. Die Geschäftsstelle ist nicht nur für Schönwalde wichtig. Amtsdirektor Urchs rechnet vor, dass der Ort gerade mal 870 Einwohner habe, die Filiale aber rund 1000 Kunden betreue, die aus den umliegenden Dörfern kommen. Er verweist auf den öffentlichen Auftrag der Sparkasse, „das flache Land mit Finanzdienstleistungen zu versorgen“.

1000 Kunden genügen nicht für Sparkassen-Filiale

Die Basis von 1000 Kunden reiche nicht aus, um eine Geschäftsstelle wirtschaftlich zu betreiben, so Längert. Eher sei ein Vielfaches davon nötig. Heiduck ergänzt, dass die Sparkasse zwar einen öffentlichen Auftrag habe, ihren Geschäftsbetrieb aber nach wirtschaftlichen Grundsätzen ausrichte und deshalb unrentable Filialen schließen müsse.

Die Gemeindevertreter bohren nach. Wurden alternative Schließzeiten geprüft, will Mario Zierus (SPD) wissen. „Ja, es wurde geprüft“, antwortet Längert. Aber die Rahmenbedingungen seien im Vergleich zu Groß Leuthen und Straupitz nicht gegeben. Selbst für einen Geldautomaten sei die Nutzungsfrequenz zu gering, so Heiduck. „Zur Bargeldversorgung soll einmal pro Woche der Sparkassenbus nach Schönwalde fahren“, sichert der Pressesprecher zu. Bei Bedarf könne die Frequenz erhöht werden, so Längert. Außerdem sei die Sparkasse im Gespräch mit dem Konsum. Dort könnten ebenfalls kleinere Geldbeträge ausgezahlt werden.

Alternativen zum Geldautomaten werden geprüft

Amtsdirektor Urchs und Gemeindevertreter Guido Mietke kritisieren, dass die MBS nicht im Vorfeld über ihre Pläne gesprochen habe, sondern Schönwalde vor vollendete Tatsachen gestellt habe. „Es entstehe der Eindruck, dass aus Potsdamer Sicht die Region egal ist“, sagt Urchs. Bei der Beurteilung würden Potsdamer Maßstäbe angelegt, ohne zu berücksichtigen, dass hier keine Infrastruktur vorhanden sei, um als Alternative zur Filiale Online-Angebote nutzen zu können.

Gemeindevertreter Guido Mietke (WG Dorfgemeinschaft) und Bürgermeister Gefreiter verweisen auf den Zuwachs, den Schönwalde erfährt. Die Kita soll bald 300 Kinder fassen, auch die Schule werde erweitert. „Junge Familien ziehen in den Ort, die sie mit der Schließung verprellen und ein Stück Infrastruktur kaputtmachen“, so Mietke. Heiduck zeigt Verständnis für den Frust, jedoch sei es für die Region ebenfalls wichtig, dass die Sparkasse ökonomisch gut da stehe, um als Kreditgeber, Arbeitgeber oder Ausbilder etwas zu bewirken.