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| 18:58 Uhr

Schließung der Sparkasse beschlossen
Petition der Gemeinde erfolglos

 Jens Schiemann ist mit dem Sparkassenbus unterwegs. An November dieses Jahrs steuert er auch den Ort Schönwalde an.
Jens Schiemann ist mit dem Sparkassenbus unterwegs. An November dieses Jahrs steuert er auch den Ort Schönwalde an. FOTO: Andreas Staindl
Schönwalde. Mittelbrandenburgische Sparkasse wird Filiale in Schönwalde zum 30. Oktober schließen. Sparkassenbus soll dann Ersatz sein. Fahrer berichtet was funktioniert und was nicht. Von Andreas Staindl

Die Schließung der Sparkasse in Schönwalde (Unterspreewald) lässt sich wohl kaum noch verhindern. Der Petitionsausschuss des Landtags Brandenburg zumindest kann nicht helfen. Das hat die Vorsitzende Kristy Augustin (CDU) Schönwalds Bürgermeister Roland Gefreiter (parteilos) jetzt schriftlich mitgeteilt.

Der Ausschuss sieht demnach keine Möglichkeit, die Gemeinde in ihrem Anliegen zu unterstützen. Begründet wird das damit, dass Schließungen von Filialen wirtschaftliche Entscheidungen der Sparkassen seien. Das Ministerium für Finanzen, das vom Petitionsausschuss gehört wurde, sei nicht befugt, sich über die Eigenverantwortlichkeit der Sparkassen hinwegzusetzen. Die Vorsitzende versichert jedoch, dass der Ausschuss Verständnis für das Anliegen der Gemeindevertretung hat, im Interesse ihrer Bürger und Geschäftstreibenden auf eine Rückgängigmachung der von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) beschlossenen Schließung der Filiale in Schönwalde hinzuwirken. Nach der Ankündigung der MBS, die Filiale Ende Oktober dieses Jahrs zu schließen, hatte sich die Gemeinde Schönwald unter anderem an den Petitionsausschuss des Landtags Brandenburg gewandt (die RUNDSCHAU berichtete).

Für Roland Gefreiter sind mit der Antwort des Petitionsausschusses „alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft“. Auch wenn der Petitionsausschuss laut Schreiben keine Handlungsoptionen sieht, die Filiale in Schönwalde zu erhalten, habe er Kristy Augustin zufolge beschlossen, in der Sache ein Schreiben an den Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald zu richten. Darin soll zum einen ausdrücklich das festgestellte Informationsdefizit kritisiert, und zum anderen nachdrücklich für eine wohlwollende Prüfung im Hinblick auf bestehende Möglichkeiten zur Aufstellung eines Geldautomaten, Kontoauszugdruckers und Überweisungsterminals geworben werden.

Angekündigt hat die MBS, dass ab November eine rollende Geschäftsstelle mindestens einmal pro Woche nach Schönwalde kommen soll. Der Sparkassenbus der MBS fährt schon jetzt Orte auch im Spreewald an, in denen es keine Filiale mehr gibt. Die rollende Bank bringt Geld ins Dorf. Aus- und Einzahlungen sind möglich, wenn gewünscht, auch der Blick auf den Konto-Stand. Auch Überweisungen nimmt der Mitarbeiter des Finanzinstituts entgegen. Viel mehr aber geht nicht.

Für Beratungen oder Konto-Eröffnungen müssen die Kunden in eine Filiale der MBS, wie Jens Schiemann sagt. Er fährt den Sparkassenbus und steuert ab November dieses Jahres auch Schönwalde an. Für maximal 45 Minuten und ein Mal pro Woche kommt die rollende Filiale ins Dorf – seit Langem auch nach Alt Zauche im Amt Lieberose-Oberspreewald. Brigitte Funda nutzt dieses Angebot regelmäßig. „Für einfache Geldgeschäfte reicht der Bus“, sagt sie. „Geld abholen oder einzahlen, auch mal eine Überweisung abgeben – das klappt. Alles andere erledige ich in der Filiale im benachbarten Straupitz.“ Sie arrangiert sich mit der Situation. Dass die MBS künftig auch in Schönwalde nur noch mit dem Sparkassenbus präsent sein will, findet Brigitte Funda „nicht in Ordnung. Besser wäre es, die Filiale dort wenigstens für ein paar Tage in der Woche zu öffnen. Denn der Ort entwickelt sich doch prächtig, hat erheblichen Zuzug.“

Doch die Entscheidung zur Schließung der Sparkasse in Schönwalde steht. Kunden der MBS werden sich dann mit dem Sparkassenbus arrangieren müssen, wenn sie für einfache Bankgeschäfte keine weiten Wege in Kauf nehmen wollen. Die rollende Bank ist so etwas wie eine Filiale, nur in Kleinformat. Jeweils nur ein Kunde hat im kleinen Raum im Inneren des Busses Platz. Warten auf dem Bürgersteig ist angesagt.

Drinnen sitzt Jens Schiemann hinter einer Glasscheibe, die Kunden sitzen davor. Ein Schalterraum in Miniatur. Die Stufe in den Bus hinein ist auch für Menschen mit Gehbehinderung zu meistern. Ob allerdings Bankgeschäfte möglich sind, hängt von der Leistungsfähigkeit des lokalen Funknetzes in dem jeweiligen Ort ab. „Es gibt Dörfer, da bekomme ich nur schwer ein Netz oder gar keins“, sagt Jens Schiemann. „Ich brauche aber ein Netz, um Geld ein- und auszahlen zu können.“

 Jens Schiemann ist mit dem Sparkassenbus in verschiedenen Orten im Oberspreewald unterwegs. Ab November dieses Jahres wird er auch Schönwalde ansteuern, wo die Filiale am 30. Oktober schließt.
Jens Schiemann ist mit dem Sparkassenbus in verschiedenen Orten im Oberspreewald unterwegs. Ab November dieses Jahres wird er auch Schönwalde ansteuern, wo die Filiale am 30. Oktober schließt. FOTO: Andreas Staindl