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Schneebedeckte Spreewälder Heuschober aus Österreich geholt

Lübben.. 13 Heuschober dicht an dicht an einem Fließ – doch, beteuert Lübbens Museumsleiterin Christina Orphal, derartige Anhäufungen habe es früher im Spreewald gegeben. Roland Hottas

Noch während ihrer Kindheit hätten beispielsweise rund um den Lübbener Burglehn viele Schober gestanden, „und der Schoberweg in Steinkirchen hat seinen Namen auch nicht ohne Grund“ , sagt sie.
Allerdings ist sich Christina Orphal sicher, dass diese Zeiten nicht wiederkehren können. Das sei eines ihrer Motive gewesen, weshalb sie für Lübbens Museum unbedingt ein Bild haben wollte, das Marie Moritz im Jahr 1905 malte. Ein weiterer Grund für das Interesse war, dass die am 10. November 1860 in Lübben geborene Künstlerin viele Motive der Fließlandschaft mit Pinsel und Farbe festhielt. Deshalb unternahm Christina Orphal mit ihrem Mitarbeiter Karsten Steinberg einen Kurztrip in das oberösterreichische Weyer. Sie brachten die von Marie Moritz gemalte Winter-Spreewaldlandschaft mit besagten 13 Heuschobern mit.
Ein Rätsel ist, wie das Bild nach Österreich gekommen ist, erzählt Christina Orphal, aber nicht, wie es in den Besitz von Familie Schmölz gelangte. Die Mutter von Erna Schmölz hatte den Haushalt von zwei Familien besorgt, um sich und ihre Kinder in den Nachkriegsjahren ernähren zu können. Da offenbar auch jene Familien Geldnöte hatten, bezahlten sie manchmal mit Naturalien - auch dem Bild von Marie Moritz. Dieses wollte Familie Schmölz nun verkaufen, war irgendwie auf das Lübbener Museum aufmerksam geworden und bot es ihm an.
Das Bild muss zu seiner Zeit beliebt gewesen sein. Mindestens drei Varianten gebe es, verweist Christina Orphal auf ein Gemälde im Besitz der Pückler-Stiftung, eines, das als Künstlerpostkarte Verwendung fand „und eines haben wir jetzt“ .
An diesem ist übrigens auch die Rückseite interessant. Denn in der Originalhandschrift seiner Schöpferin ist auf ihr zu lesen: „Lausitzer Heuschober Spreewald M. Moritz Lübben Friedenau“ . Denn die Tochter des Lehrers Friedrich Moritz und Charlotte Moritz - sie war mit der Familie Uschner verwandt, zu der der Lübbener Maler Julius Uschner (1805 bis 1885) gehört - war nach Berlin gezogen. Wann sie starb, ist Christina Orphal zufolge nicht bekannt. Aber im Lübbener Kreisblatt vom 19. März 1925 wird über den überraschenden Tod der Künstlerin informiert.
Dort heißt es, dass Marie Moritz zu den ersten Künstlern gehört habe, „die die Schönheit und den eigenartigen Reiz unserer Heimat mit Pinsel und Palette aufsuchten und sie immer wieder mit Hingebung und feinem Einfühlen schilderten. Gewisse Motive, die sie zuerst gesehen und gemalt hat, sind später Allgemeingut geworden und heute in allen Kunsthandlungen gleichsam als landschaftliche Formel des Spreewaldes anzutreffen.“ Weiter heißt es in diesem Beitrag des Kreisblattes, Marie Moritz „konnte unmutig werden, wenn einer sie in das Fach der Spreewaldmalerei einschachteln wollte“ . Sie habe auch Bilder der Lüneburger Heide, von Landschaften in Pommern und auf Rügen, Stadtansichten und „Blumenstücke von zartem Duft und Tau“ geschaffen.
Ihr Bild der Heuschober im schneebedeckten Spreewald, das jahrelang eine österreichische Wohnung schmückte, soll nun gereinigt werden und dann seinen Platz in der Dauerausstellung „Winter im Spreewald“ im Museum finden, kündigt Christina Orphal an. Eine Marie Moritz gewidmete Sonderausstellung in den nächsten Jahren sei geplant. (dh)