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| 01:03 Uhr

Schmankerl im Wappensaal

Lübben.. Was wäre, wenn Johann Strauß junior auf seinen Papa gehört hätte und nicht wie sein alter Herr Musiker geworden wäre? Die Welt wäre um 168 Walzer, 117 Polkas, 73 Quadrillen, 43 Märsche, 31 Mazurkas, 31 Galoppe und 16 Operetten ärmer. Und es hätte kein Konzert wie das am Sonnabend im Wappensaal gegeben. „Volles Haus und jede Menge guter Laune“ , so die Bilanz der Veranstalter. Foto: A. Traube

Das Salonorchester des Brandenburgischen Konzertorchesters Eberswalde unter Leitung von Holger Schella und die Sopranistin Marion Koch boten eine musikalische Wiener Melange aus dem Hause Strauß der Extra-Klasse.
Die „schöne blaue Donau“ floss zumindest musikalisch am Sonnabend parallel zur Spree direkt am Schlossturm vorbei - damit begann das musikalische Sextett aus fünf Streichern und dem Orchesterleiter am Flügel seinen Ausflug in die Welt der Walzer-Seligkeit. „An der schönen blauen Donau“ , 1867 komponiert und seitdem eines der „Wiener Schmankerl“ in jedem Konzertsaal dieser Welt, erklang als erstes Musikstück in diesem Jahr im Wappensaal.
Das Eberswalder Orchester, in diesem Jahr 60 Jahre bestehend, ist auf klassischem Terrain ebenso zu Hause wie in der Oper, Musical oder Operette. Beweise dafür waren in diesem heiteren Konzert durchgängig hörbar - so gingen die Musiker mit ihrem Publikum und Strauß' Hilfe „Auf die Jagd“ , die Polka erklang rasant und quicklebendig. Natürlich durfte die Schnellpolka „Donner und Blitz“ nicht fehlen - das sonst so eindrucksvolle orchestrale Grummeln des Donners musste Pianist Schella auf dem Flügel versuchen, da wurde es eben ein „Salon-Donner“ der verhaltenen Sorte.
Beim Walzer „Rosen aus dem Süden“ gerieten so manche ins Schwärmen, und weil zum Tanzen im gut besuchten Wappensaal kein Platz zu finden war, wiegten viele ihre Köpfe andächtig im Takt mit.
Melodien aus der „Fledermaus“ , 1874 von Johann Strauß (Sohn) komponiert, begeistern heute wie damals. Die Musiker wissen das, und die Sopranistin Marion Koch konnte die klangvoll-schwierigen Partien ins Publikum bringen. Sie steht als „Rosalinde“ selbst oft auf der Bühne, und da war der gesanglich anspruchsvolle Csardas „Klänge der Heimat“ ein „Heimspiel“ für sie, mit Koloraturen voller Temperament und gesanglicher Sauberkeit. Schon ihre Interpretation der Arie des Prinzen Orlofsky „Ich lade gern mir Gäste ein“ ließ wegen des warmen Soprans aufmerken. Der gesungene „Frühlingsstimmenwalzer“ schließlich war einer der Glanzpunkte des Abends. Natürlich durfte auch der „Ra detzky-Marsch“ , eine der drei Zugaben, nicht fehlen. Da wurde beim musikalischen Refrain kräftig mitgeklatscht. Wiederum mit dem Eingangsstück, der „Schönen blauen Donau“ , verabschiedeten sich die Eberswalder aus dem Neujahrskonzert, das in vielen lange nachklingen wird. (-ds)