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| 17:25 Uhr

"LR vor Ort": Das Trachtenfest wirft seine Schatten voraus
Schmachten nach Trachten

Hatten nicht nur gut lachen bei der "LR vor Ort"-Veranstaltung im Haus Burglehn, sondern auch das Wort: Dörthe Ziemer als Pressesprecherin der Stadt Lübben, Ines Mularczyk als stellvertretende Sachgebietsleiterin Kultur in der Stadtverwaltung und RUNDSCHAU-Redakteurin Ingvil Schirling (v.l.).
Hatten nicht nur gut lachen bei der "LR vor Ort"-Veranstaltung im Haus Burglehn, sondern auch das Wort: Dörthe Ziemer als Pressesprecherin der Stadt Lübben, Ines Mularczyk als stellvertretende Sachgebietsleiterin Kultur in der Stadtverwaltung und RUNDSCHAU-Redakteurin Ingvil Schirling (v.l.). FOTO: LR / Steven Wiesner
Lübben. „LR vor Ort“: Das Deutsche Trachtenfest 2019 kommt mit großen Schritten auf Lübben zu. So manches Problem hat die Stadt aber noch zu lösen, bevor im Mai auch ein Weltrekord geknackt werden soll. Von Steven Wiesner

Eine Tracht ist Heimat auf der Haut. Diesen sinnlichen Spruch werden Sie im Vorfeld des Deutschen Trachtenfestes noch öfter zu hören und lesen bekommen. Er ist gewissermaßen das Dogma der Traditions- und Trachtenbewegung. Und auch Ines Mularczyk zitierte eben jenen bei der „LR vor Ort“-Veranstaltung am Mittwoch im Haus Burglehn. Denn im nächsten Jahr wird Lübben das Mekka aller deutschen Trachtenträger sein. Und bis dahin hat die stellvertretende Sachgebietsleiterin Kultur in der Stadtverwaltung noch einiges zu tun.

Zum nunmehr neunten Mal seit 1994 wird das Deutsche Trachtenfest zur Austragung kommen. Zum ersten Mal hat Lübben dafür den Zuschlag vom Deutschen Trachtenverband bekommen und darf sich nun einreihen in eine Riege von Städten wie Marburg, München oder Altenburg. Auf die Kreisstadt von Dahme-Spreewald kommt damit ein Riesenevent zu, das verspricht, bis zu 5000 Trachtenträger und Schaulustige „anzuziehen“. Für ein ganzes Wochenende wird Lübben nach Trachten aus ganz Deutschland und Europa schmachten  und sogar versuchen, einen Weltrekord beim Annemarie-Polka-Tanzen zu knacken. „Dieses Fest macht Lübben bundesweit noch bekannter, es hilft der Tourismuswirtschaft und auch Menschen von außerhalb, den Spreewald neu zu entdecken“, formuliert Dörthe Ziemer als Pressesprecherin der Stadt die Beweggründe für die Bewerbung.

Als die Stadt Anfang 2016 erste Überlegungen unternahm, sich für die Ausrichtung zu bewerben, ahnte jedoch noch niemand, dass sich Lübben gleichzeitig mit einer Großbaustelle herumärgern muss. Denn der Ausbau der B87 am Houwald-Damm hält durchaus logistische Herausforderungen für die Organisatoren bereit. „Ein Problem, das ich mir nicht gewünscht hätte“, wie Projektleiterin Mularczyk sagt. Doch nun ist es da und es wird die Stadt mehr oder weniger in zwei Hälften teilen. Um dennoch eine reibungslose Verbindung während des Festivals gewährleisten zu können, „werden wir zwei Shuttles einrichten, die die Menschen auf beiden Seiten von Veranstaltung zu Veranstaltung bringen“, so Mularczyk.

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR

Spannende Gedankenspiele werden Ines Mularczyk auch von der Schlossinsel aufgezwungen. Neben der Breiten Straße und dem Marktplatz ist sie als größte der drei Bühnen vorgesehen und so nichts anderes als das Herzstück des Trachtenfestes. Doch um Sicherheitsauflagen zu erfüllen und eine Entfluchtung von 5000 Menschen garantieren zu können, „müssen wir eine weitere Brücke bauen“, so Mularczyk. Um die dafür notwendigen 20 000 Euro zu sparen, brachten Bürger ein paar Alternativvorschläge mit: Wie wäre es zum Beispiel damit, die Lücke zwischen Insel und Innenstadt mit Schlamm aufzufüllen? Oder eine Gangway-Brücke vom Flughafen auszuleihen? Diese und weitere Anregungen wurden gehört und auf Postkarten in einer Kiste gesammelt, die das Organisationsteam auswerten wird.

Gehört wurde auch Gabriele Orbanz vom Traditionsverein Alt Zauche, die zu Sinn und Bedeutung von Trachten referierte: „Eine Tracht ist nicht einfach nur ein Kostüm für einen Tag. Man sollte sie mit einer gewissen Ehrwürdigkeit tragen."

Der Lübbener Stadtverordnete Peter Rogalla (Die Linke) sowie der ehemalige Landrat und jetzige Kreistagsvorsitzende Martin Wille (SPD) ordneten die Veranstaltung zusätzlich noch von politischer Seite ein. Denn ein 200 000-Euro-Ereignis bedarf immer auch der Unterstützung und Zustimmung der Kommunen. „Auch wenn wir noch große Unbekannte haben, ist das Trachtenfest eine Bereicherung und in keiner Weise in Frage zu stellen", sagt Rogalla. Natürlich aber wäre auch der "eine oder andere harte Taler" hilfreich, zwinkerte er Martin Wille zu. Der nahm den Ball auf und sagte der Stadt Unterstützung vom Landkreis zu. Auch Wille befürwortet das Deutsche Trachtenfest im Spreewald und sagt: "Das kann Identität schaffen. Wir brauchen keinen Minister auf Bundesebene, um etwas für das Heimatgefühl zu tun." Nur bei einer Angelegenheit sei er skeptisch: "Ob es mir auch gelingt, eine passende Tracht zu tragen."

In diese Kiste konnten die Lübbener Ideen und Anregungen rund um das Trachtenfest einwerfen. Projektleiterin Ines Mularczyk sammelt nun die Ergebnisse.
In diese Kiste konnten die Lübbener Ideen und Anregungen rund um das Trachtenfest einwerfen. Projektleiterin Ines Mularczyk sammelt nun die Ergebnisse. FOTO: LR / Steven Wiesner
Gabriele Orbanz vom Traditionsverein Alt Zauche kam als Gast zu Wort.
Gabriele Orbanz vom Traditionsverein Alt Zauche kam als Gast zu Wort. FOTO: LR / Steven Wiesner