Schon seit Wochen war in der Unterspreewald-Gemeinde hinter geschlossenen Scheunen- und Hoftoren wieder Hämmern und Werkeln angesagt gewesen, als die Ideen für die Gestaltung des Korsos umgesetzt wurden. „Spaß und Freude, aber auch manche Tüftelei gehören dazu“, sagte Christoph Haase, der mit Freunden Opas alte Landtechnik wieder funktionstüchtig gemacht hatte. So tuckerte der „erste“ Traktor von Schlepzig statt über die Felder diesmal über die Fließe der Spree.

Summende kleine Geister
„Die kleinen (Plage)Geister“ summten gleich auf dem Eröffnungskahn an den Zuschauern vorbei. Die jüngsten Schlepziger aus der Kita „Libelle“ waren als Biene, Hummel, Käfer und natürlich als Mücke verkleidet. Manche Wünsche der vergangenen Wochen wurden beim Kahnkorso wahr. So träumen die Fußballer vom ortsansässigen Verein Grün-Weiß vom Aufstieg und versprühten einen Hauch von Fanmeile links und rechts an den Ufern.
Aber auch „Scheich Abdu Abdulaha“ war mit seinen Haremsdamen und dem „stakenden Eunuchen“ auf Kahntour im Unterspreewald unterwegs. Dass es dabei nicht einfach war, den Kahn durch das enge Fließlabyrinth zu bewegen, erkannte der „gut betuchte Scheich“ spätestens beim Rudelbruch seines Fährmanns. Jedoch wird das Miteinander in Schlepzig groß geschrieben und so dauerte es keine Minute, bis vom Gastkahn aus Lübben, der „Liebe(s)Grüße“ überbrachte, Ersatz gereicht wurde.
Auf dem Kahn der Muesumsküche wurden auf einem alten Kanonenofen Plinse gebacken und Brotteig geknetet. Frischen Blechkuchen aus dem Lehmbackofen gab es zu verkosten, während die Dorfkapelle „Klimbim“ den richtigen Takt vorgab.
Bürgermeisterin Heike Noah winkte vom Kahn der „Taufgesellschaft der ewig jungen Schlepzigerin Heulinde“, die in Urgroßmutters Kinderwagen lag. „Der Schlepziger Kahnkorso ist seit Jahren eine Augenweide, denn jeder bemüht sich, liebevoll seinen Kahn auszuschmücken“, sagte Heike Noah.
Dem stimmte die 79-jährige Elisabeth Wagner aus Berlin zu. „Ich hatte mit Freunden den Unterspreewald für das Wochenende als Ziel gewählt und jetzt sitze ich auf dem Kahn mittendrin. Eigentlich sollten auf dem Kahn die Schlepziger Jungfrauen posieren, aber der Fährmann hat wohl keine gefunden, so dass ein paar ältere Damen den ansonsten leeren Kahn schmückten. Einfach eine tolle Atmosphäre.“
Ob das Hinterbackofenballett oder die Tischlerei Sauer mit „Einblicken in die Natur“ – die zahlreichen Gäste, die oftmals mit dem eigenen Kahn aus Lübben gekommen waren, lobten alle Teilnehmer. „Von Kahn 1 bis 23 war jeder für mich der Schönste, weil die Ideen so verschieden waren und liebevoll umgesetzt wurden. Vor allem aber warb keiner für irgendein neumodisches Produkt. Es war die fast vergessene dörfliche Idylle“, so Matthias Luban.

Rotkäppchen im Wasser
Dass am Ende so mancher Teilnehmer baden ging, gehört zum Schlepziger Kahnkorso beim großen Finale dazu. So schwammen nicht nur Rotkäppchen und der Wolf unter den strengen Blicken von „Großmutter“ Christiane Petigk durch die Spree, weil sie von den Unterspreewälder Piraten geentert worden waren.
Heiß ging es her, und die Herren des Neu Lübbenauer Männerballetts sonnten sich unter den staunenden Blicken der Damenwelt am Ufer, während die Männer vom Kahn der „Spreewälderin Michaela“ ein kühles Blondes gereicht bekamen. „Die Kolonne der Schlepziger Kahnwaschstraße“ hatte nach dem Finale alle Hände voll zu tun, denn nicht nur die Kähne mussten wieder gereinigt werden, sondern auch die Ufer. Denn das Papier oder die Becher der beliebten Gaben für die Gäste hatten diese allzu oft vergessen, umweltgerecht zu entsorgen.