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Schilder von Ziemainz sind bekannt

Die Brüder Mario und Jörg Ziemainz (r.) bringen nicht nur die eigene Werbung auf den neusten Stand. Schilder-Service Ziemainz ist ein Traditionsunternehmen, das über Lübben hinaus bekannt ist.
Die Brüder Mario und Jörg Ziemainz (r.) bringen nicht nur die eigene Werbung auf den neusten Stand. Schilder-Service Ziemainz ist ein Traditionsunternehmen, das über Lübben hinaus bekannt ist. FOTO: I. Hoberg
Lübben. Seit drei Generationen gibt es in Lübben die Firma Ziemainz. Vor 80 Jahren als Malerbetrieb gegründet, gab es in den vergangenen Jahrzehnten manchen wirtschaftlichen und politischen Wandel, aber immer familiäre Kontinuität. Ingrid Hoberg

Gerhard Ziemainz sen. hatte 1935 den Familienbetrieb als Malerfirma gegründet. Doch dann kam der Krieg und erst danach konnte er die Firma weiterführen. Sein Sohn Gerhard arbeitete ab 1948 in dem Familienunternehmen mit, machte seinen Meister als Maler und 1975 auch als Lackierer. "Damals waren das noch zwei Meisterberufe", erinnert sich Inge Ziemainz. Sie war die helfende Ehefrau, wie es zu DDR-Zeiten im privaten Handwerk hieß. Die 77-Jährige unterstützt ihren Sohn Mario, der im Jahr 2002 die Firma übernommen hat, immer noch im Büro.

"Zu DDR-Zeiten war der Betrieb hauptsächlich auf die Renovierung von Kirchen in Lübben und Umgebung spezialisiert", erzählt Mario Ziemainz. Material war damals bekanntermaßen Mangelware, da musste ein privater Handwerker erfinderisch sein. Die Spezialisierung auf die Arbeit in den Kirchen war nicht nur interessant und anspruchsvoll, sie wurde auch als Restauratorentätigkeit bezahlt, wie sich Inge Ziemainz erinnert. In den Wintermonaten, wenn es in den Kirchen zu kalt war, gab es Malerarbeiten im Kreiskrankenhaus.

Fahrzeuge wurden lackiert

In den 1970er Jahren wurde der Betrieb dann auf die Lackierung von Fahrzeugen umgestellt, doch als die Spritzlackierung aufkam, war in den 1980er Jahren wieder Zeit für eine Neuorientierung. "Die Nachfrage nach Schildern war groß - für die Forst, für die LPG, für Straßenmeistereien", sagt Mario Ziemainz. Zwei, drei Gesellen seien damals beschäftigt worden. "Die Wartezeiten bei staatlichen Betrieben war lang, sie betrug bis zu zehn Jahre. Da wurden dann Schilder fertig, die schon nicht mehr gebraucht wurden", ergänzt er. "Das war alles eine Frage des Materials. Mein Vater hat sich darum gekümmert." So sollte Ziemainz aus Lübben 1988 die innerdeutsche Grenze der Wasserwege rund um Berlin mit großen Schildern ausstatten. Geliefert wurde bis in das Sperrgebiet. "Das war der letzte große Auftrag zu DDR-Zeiten, der dann nicht mehr abgearbeitet werden konnte, weil die Wende kam und die Schilder irgendwo auf Lagerplätzen liegen geblieben sind", erzählt Mario Ziemainz.

Und dann gab es ein großes, tiefes Loch, denn VEB und LPG gab es so nicht mehr - die Auftraggeber waren weg und mussten quasi neu akquiriert werden. "Also machten wir einen Neuanfang und investierten in komplett neue Technik", sagt Mario Ziemainz. 1990 wurde die damals modernste Prägeeinrichtung zur Herstellung von Autoschildern angeschafft, das Geld vorgestreckt von der Siegener Firma Utsch, da es in der noch existierenden DDR noch kein Westgeld gab. Für Utsch war es der Einstieg in den ostdeutschen Markt. Während Mario Ziemainz für die Fertigung der Autoschilder vor Ort zuständig war, haben Gerhard Ziemainz und sein Sohn Jörg den Verkauf der Technik übernommen und lieferten als erste ostdeutsche Firma Utsch Prägeeinrichtungen und Material in weite Teile der ehemaligen DDR. "Die Westfirmen hatten hier keine Logistik", erklärt Mario Ziemainz.

Verkehrsschilder umgerüstet

"Auch der Bedarf an Verkehrszeichen nach DIN-Norm war groß und so durften wir einen Großteil der Verkehrsbeschilderung in Lübben und Umgebung umrüsten und bis heute warten und pflegen." Es waren wilde Zeiten - auch bei den Schildermachern. Kurz darauf wurde in die neuste Computertechnik zur Herstellung von Beschriftungen investiert. "Damit können wir zum Beispiel von der Großflächenwerbung über Firmenschilder und Werbeplanen bis zu Fahrzeugbeschriftungen alles selbst anfertigen", sagt er. Doch es gibt auch eine gute Zusammenarbeit mit Druckereien und zahlreichen Zulieferern wie beispielsweise für Verkehrszeichen oder die Lichtwerbung.

Inzwischen hat die Firma Ziemainz drei Standbeine: Werbetechnik, Verkehrstechnik und Autoschilder. Neben dem Hauptsitz an der Spielbergstraße gibt es eine Außenstelle für die Anfertigung der Kfz-Kennzeichen direkt neben der Kfz-Zulassungsbehörde an der Weinbergstraße. Mit dem Kfz-Schilderdienst wird eine Tradition weitergeführt, die Gerhard Ziemainz sen. begründet hatte. Schon in den 1930er Jahren malte er Autoschilder - damals noch mit dem Pinsel.