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Schicksale Cottbuser Denkmalskunst

Mehrfach beschädigt, hat die restaurierte Plastik Kinder am Klettergerüst vor der Lausitzer Sportschule einen neuen Platz gefunden.Abgerissen: Stadtbrunnen auf dem Platz am Stadttor.Von der Sonne in Brand gesetzt: Energetische Reflexionen .Gestohlen und bis heute verschwunden: Skulptur Mutter und Kind von Ernst Sauer.Reste des Rechteckbrunnens wurden im Januar 2007 bei Arbeiten fürs Blechen-Carré beseitigt.
Mehrfach beschädigt, hat die restaurierte Plastik Kinder am Klettergerüst vor der Lausitzer Sportschule einen neuen Platz gefunden.Abgerissen: Stadtbrunnen auf dem Platz am Stadttor.Von der Sonne in Brand gesetzt: Energetische Reflexionen .Gestohlen und bis heute verschwunden: Skulptur Mutter und Kind von Ernst Sauer.Reste des Rechteckbrunnens wurden im Januar 2007 bei Arbeiten fürs Blechen-Carré beseitigt. FOTO: RA/Jürgen KaffkaFoto: RAFoto: RAFoto: RAFoto: RA
In Cottbus sind in den vergangenen zehn Tagen drei künstlerisch und ideell nicht ersetzbare Plastiken gestohlen worden. Kunst ist aber auch aus politischen und ideologischen Gründen versteckt, veräußert und vernichtet worden. Beispiele für verschwundene und verschandelte Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt es in Cottbus viele. Von Hans-Hermann Krönert

Besprühte Gesichter, nackte Damen mit zwei von Vandalen rot gefärbten Brustwarzen, männliche Skulpturen, denen nachts ein Bart angemalt worden ist - Künstler und Kulturverantwortliche in Cottbus können von alledem Klagelieder singen.
Einer der wohl größten Verluste ist der jüngste Diebstahl der Plastiken „Carl Blechen“ im Blechenpark und „Zwei weibliche Akte“ in der Stadtpromenade des im Jahr 2002 in Dresden gestorbenen Künstlers Jürgen von Woyski (die RUNDSCHAU berichtete).
Der im Jahr 1969 auf dem heutigen Platz am Stadttor aufgestellte Stadt- oder Krebsbrunnen mit emaillierten Kupferplatten und zwölf kleinen Fontänen an Glaskugeln (Rudolf Graf und Gerhard Guder) wurde im Jahr 2002 „wegen Verfalls“ abgerissen und im Jahr 2004 durch das „Wassertor“ von Heidemarie Dreßel ersetzt.
Der im gleichen Jahr entstandene Rechteckbrunnen mit 20 gegenüberliegenden Fontänen wurde im Volksmund „Nimeri-Brunnen“ genannt. Er sprudelte erstmals im Juli 1970, als der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht mit seinem Gast Nimeri, Präsident der Republik Sudan, das neue Stadtzentrum besuchte. Die Reste des Brunnens wurden im Januar 2007 bei Erdarbeiten fürs Blechen-Carré ersatzlos beseitigt.
Ebenfalls im Jahr 1969 wurde an der Stadtmauer die Plastik „Kinder am Klettergerüst“ von Jürgen von Woyski aufgestellt. Sie wurde allerdings später ins Neubaugebiet San dow versetzt und durch „kräftigere“ Sandsteinfiguren des Tschechen Zdenek Jilek ersetzt. Begründung von damals: „Die Kinder sind zu dünn, sehen verhungert aus.“ Später, nach Beschädigungen, wurde Woyskis „Klettergerüst“ ans Kleine Spreewehr versetzt, wo die Plastik 1999 umgerissen und an sechs Stellen gebrochen wurde. Sie wurde mühevoll restauriert und steht heute in der „Lausitz-Arena“ .
Ebenfalls schwer beschädigt wurde im Jahr 1989 die Skulptur „Stelzenläufer“ von Ernst Sauer in einer Grünanlage des Jacques-Duclos-Platzes. Sie ist ebenfalls ein Beispiel dafür, dass feingliedrige Bronzefiguren nicht geeignet sind für öffentliche Plätze mit spielenden Kindern, sondern an geschützte Orte gehören. Die Stelzenläufer stehen heute nach aufwändiger Erneuerung ebenfalls im oberen Foyer der Lausitz-Arena.
Die Keramik „Spreewaldkahn“ von Vinzenz Wanitschke, im Jahr 1969 an der Stadtmauer postiert, wurde im Jahr 1976 Opfer von Vandalen. Nachdem fehlende Teile ergänzt wurden, konnte sie dann während der Ausstellung „KottbusKunst“ im Jahr 2006 erstmals wieder im Cottbuser Rathaus gezeigt werden.
Bei der Neugestaltung der Anlagen am Amtsteich wurde Anfang der 70er-Jahre auf einem Spielplatz die Bronzeplastik „Spielende Kinder“ (Junge und kleines Mädchen) von Dorothea von Philipsborn aufgestellt. Mit Gewalt riss später jemand dem Jungen einen Arm ab. Der Frankfurter Künstler Horst Engelhardt konnte den fehlenden Arm nachmodellieren, der in Lauchhammer wieder angegossen wurde. Heute steht die kleine Bronzegruppe in der Grünanlage gegenüber der Stadtbibliothek.
Mehrere Tierfiguren vom Dresdener Bildhauer Johannes Peschel an der Brücke über den Amtsteich wurden Opfer von Randalierern, die einer Ente und einem Marder die Köpfe abschlugen. Immer wieder mussten Kulturamtsverantwortliche für Ersatz sorgen.
Die im Jahr 1974 von Ernst Sauer geschaffene Skulptur „Mutter mit Kind“ auf dem Fontaneplatz wurde im Jahr 1994 gestohlen und blieb bis heute verschwunden.
Ein Zweitguss der „Kaffeetante“ , vom Dresdener Bildhauer Karl Schönherr geschaffen, wurde im Jahr 1988 angekauft, blieb aber im Rathauskeller. Dort wurde die zwei Zentner schwere Plastik während der Bauarbeiten im Februar 1998 entwendet und in einem Baumüllcontainer abtransportiert. Nach einer Anzeige wurde die Figur zurückgegeben. Seit dem Jahr 2000 ziert sie als Dauerleihgabe ein Glasfenster des Cafés Lauterbach in der Spremberger Straße.
Die von Gerhard Thieme geschaffene Gruppe „Gestählte Kämpfer“ vor dem Haus der Armee (heute Lehrgebäude 9 der Brandenburgischen Technischen Universität) wurde im Jahr 1993 nach einem Stadtverordnetenbeschluss entfernt und dem Armeemuseum in Dresden übereignet.
Im April 1988 schwelte die Stele „Energetische Reflexionen“ der Künstler Manfred Vollmert und Heinz Gardzella. Das vorm Bahnhof aufgestellte Kunstwerk bestand aus zwei Mooreichen aus einem Kohlflöz bei Leipzig, Grundlage der Braunkohlenindustrie, und einer konkaven Edelstahlrückwand. Die Sonne hatte im Brennpunkt der spiegelnden Stahlwand die Mooreiche angekokelt, und die Feuerwehr musste zweimal löschen, ehe die tertiären Bäume mit unbrennbarem Überzug aus eingefärbtem Beton präpariert wurden.
Im Januar 1989 wurden vier Re lief-Keramiken in der Scharrengasse angebracht, die den Handwerkern als früheren Nutzern dieser Gasse gewidmet sind. Entworfen wurden sie von der Gubener Künstlerin Sigrid Noack. Narrenhände versuchten mehrmals, den Handwerkern ins Handwerk zu pfuschen und beschädigten mehrere der Kunstwerke.
Im Sommer 2005 wurde eine der drei Grazien des Hoyerswerdaer Bildhauers Jürgen von Woyski in der Sprem aus ihrer Verankerung gerissen.