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Schauplatz Schloss Groß Leuthen

Ein Szenenfoto wird aufgenommen: Schauspielerin Kirsten Block als Emmy Göring und Jonas Hien in der Rolle als Interviewer.
Ein Szenenfoto wird aufgenommen: Schauspielerin Kirsten Block als Emmy Göring und Jonas Hien in der Rolle als Interviewer. FOTO: Ingrid Hoberg
Groß Leuthen. Aufwendig inszenierte Spielszenen sind ein Markenzeichen der Fernseh-Dokumentation "Geschichte Mitteldeutschlands". Für die 17. Staffel ist im Groß Leuthener Schloss gedreht worden. Schauspielerin Kirsten Block spielt Emmy Göring in einer fiktiven Interviewsituation. Im August wird diese Folge zu sehen sein. Ingrid Hoberg

Draußen im Schlosspark zerrt der Sturm an Bäumen und Sträuchern, der See schlägt hohe Wellen - fast wie ein Meer. Im Salon des Groß Leuthener Wasserschlosses ist davon nur wenig zu spüren. Alles konzentriert sich auf die Szenerie im Salon. In hochgeschlossenem Kleid sitzt Kirsten Block kerzengerade auf dem Ledersofa. Sie formuliert die Antworten, die sie in der Rolle der Emmy Göring einem Interviewer (Jonas Hien) gibt. Es entsteht das Porträt über die Frau von Hitlers Reichsmarschall Hermann Göring, die als "First Lady der Bewegung" im Nazistaat galt. Es ist der erste Film im Fernsehen über Emmy Göring (1893 bis 1973) und beschäftigt sich mit der Frage, was sie von den Machenschaften ihres Mannes wusste - von den Kunstdiebstählen in unvorstellbaren Dimensionen, von den Raubzügen durch Europa, von der Verfolgung der Juden.

Es gibt nur diese eine Spielszene, in der ein Interviewer der Frau gegenübersteht, die mit Göring auf ihrem Landsitz in Carinhall umgeben von Pomp und Protz lebte, während Millionen Menschen starben. Ob sie sich gefragt hat, woher all die Kunstgegenstände kamen? Für die Antworten sind Originalzitate aus der Nachkriegszeit verwendet worden: Verhörprotokolle aus einem Spruchkammerverfahren von 1947, Auszüge aus ihrer Autobiografie, Zitate aus ihrem einzigen großen Interview im Jahr 1951 für die Zeitschrift "Revue". Kirsten Block zeigt diese Frau, die sich ungerecht behandelt sieht und kein Unrechtsbewusstsein hat. Emmy Göring nahm die Position ein, auf die sich viele Deutsche nach dem Krieg zurückgezogen. "In diesem Gerichtsverfahren hatte sie das Publikum auf ihrer Seite, denn so wie Emmy Göring sagten viele, dass sie nichts gewusst und nichts getan hätten", stellt Frank Kutter, Redakteur beim MDR, fest.

Es ist ein Kammerspiel mit zwei Schauspielern und einer Komparsin. Marcella Oskia (20), angehende Rechtanwalts-Fachangestellte aus Königs Wusterhausen reicht den Kaffee. Der Salon des Schlosses ist die Kulisse für ein Hotel in München Anfang der 1950er Jahre. Regisseur Pepe Pippig ist angetan von der Stimmung in dem Raum: Im Kamin brennt ein Feuer, durch die großen Fenster fällt das Licht der Frühlingssonne auf die schwere Ledergarnitur. "Die Patina an den Wänden ist einmalig. Diese Stimmung ist sonst nur schwer herzustellen", sagt er. 16 Folgen hat er für die Dokumentationsreihe schon gedreht. In dieser Staffel betreut er außerdem den Teil mit Hollywoodstar Gert Fröbe und Lotte Ulbricht, der Frau des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht. Insgesamt wird der Bogen vom Mittelalter (Mystikerin Mechthild von Magdeburg) über die Renaissance (Maler Lucas Cranach d. J.) bis in die Gegenwart geschlagen. Der in der DDR aufgewachsene Regisseur erzählt, dass er besonders die Zeitabschnitte mag, über die seine Eltern und Großeltern Geschichten erzählen können.

Die Szene am Kamin wird noch einmal gedreht, der Interviewer steckt sich eine filterlose Zigarette an. (Dass es eine Karo ist, damals ein DDR-Produkt, ist im Bild nicht zu sehen.) Kirsten Block ist noch einmal hoch konzentriert. Dann ist Mittagspause. "Es handelt sich um ein komplexes Thema, zu dem man erst Zugang finden muss", sagt die Schauspielerin. Die Vorbereitungen seien für sie umfangreich gewesen. "Der Aufwand entspricht einer Hauptrolle", sagt sie.

Die 17. Staffel "Geschichte Mitteldeutschlands" wird ab 2. August immer sonntags, 20.15 Uhr, im MDR Fernsehen ausgestrahlt. Darüber hinaus berichtet auch das Magazin zu dieser Sendereihe dienstags 14-täglich über die neuen Folgen. Außerdem gibt es Internet-Dokumentationen unter www.mdr.de/geschichte .