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| 17:17 Uhr

Abfischen
Schaufischen mit Festcharakter

Blitzschnell sortieren die Männer die Fische. Zahlreiche Besucher schauen ihnen zu. Das Schaufischen am Samstag hat hunderte Interessierte nach Schlepzig gelockt.
Blitzschnell sortieren die Männer die Fische. Zahlreiche Besucher schauen ihnen zu. Das Schaufischen am Samstag hat hunderte Interessierte nach Schlepzig gelockt. FOTO: Andreas Staindl
Schlepzig. Hunderte Zuschauer in Teichwirtschaft Petkampsberg in Schlepzig Von Andreas Staindl

Das ist schon ein Phänomen. Da gehen Fischer ihrer Arbeit nach, und hunderte Leute schauen ihnen dabei auf die Finger. Das Schaufischen der Teichgut Peitz GmbH in der Teichwirtschaft Petkampsberg in Schlepzig (Unterspreewald) ist ein Renner, und das seit Jahren. Auch am vergangenen Samstag sind wieder zahlreiche Besucher an den Inselteich gepilgert.

„Der Ausflug hierher ist für uns schon Tradition“, sagt Kevin Krause. „Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie die Fischer die Fische aus dem Wasser holen und diese sortieren.“ Er war längst nicht der Einzige, der aus Berlin und dem Umland der Hauptstadt am Samstag in den Unterspreewald gekommen war. Das Schaufischen zieht traditionell Besucher auch aus entfernteren Regionen dort hin.

Man kann den Fischern bei ihrer Arbeit nicht nur auf die Finger schauen, sondern sich auch kulinarisch verwöhnen und musikalisch unterhalten lassen. Blasmusik im Festzelt. Leckeres für den Gaumen – nicht nur Fisch, sondern auch frische Backwaren beispielsweise. Gespräche über die besten Fischrezepte, die eine oder andere Anekdote gibt es  inklusive.

Und immer wieder der Blick zu den Fischern. Schaufischen mit Volksfestcharakter halt. „Die Mischung stimmt, das Wetter diesmal auch“, sagt Heinz Lehmann. „Der Spreewald ist ohnehin in jeder Jahreszeit reizvoll.“ Der Randberliner war mit seiner Familie an den Inselteich gekommen.

Rund 30 Tonnen Speisefisch wurden am Samstag aus dem Wasser geholt– jeder Fisch war durchschnittlich etwa 1,8 Kilogramm schwer. Michael Zesch geht von einer Jahresproduktion von etwa 175 Tonnen in der Teichwirtschaft Petkampsberg aus. Der Betriebsleiter schätzt das Jahr 2018 als „normale Saison“ ein. Geholfen habe der Teichwirtschaft dabei, dass Wasser der benachbarten Spree in die Teiche eingeleitet wurde und so trotz langer Trockenperiode immer ausreichend Wasser zur Verfügung stand. Die Fischernte ist für die Mitarbeiter harte Arbeit, das Schaufischen jedoch auch ein Spektakel – zumindest für die Zuschauer.

Männer in Wathosen stehen im hüfthohen Wasser. Sie stützen sich auf lange Holzstangen, mit denen sie das Netz auf den Grund drücken. Karpfen, Wels und Co. haben so kaum noch eine Chance, zu entweichen. Fischer und Helfer ziehen das Netz langsam durch das Wasser. Die Fische zappeln schließlich im Netz. Sie werden mit Hilfe einer Krananlage auf das Sortierband befördert. Fische, die nicht mindestens 1,5 Kilogramm wiegen, werden aussortiert. Die Männer am Band haben einen geübten Blick. Sie entscheiden blitzschnell.

Mehr Gelassenheit herrscht am Rande der Anlage. Dort holen Kinder mit Keschern kleine Fische aus dem Wasser. Sie legen die Tiere in die mit Wasser gefüllten Eimer, fachsimpeln schon fast so wie die Großen. Dass die Knirpse tief im Schlamm stehen, stört nicht. Sie haben fast alle Gummistiefel an. Fischen macht hungrig. Ein Problem war das nicht, denn zum Schaufischen gabe es Fisch in allen Variationen.

Zahleiche Besucher haben sich aber auch schon für das bevorstehende Weihnachtsfest und das Silvestermahl eingedeckt. „Frischer als hier bekommen wir den Fisch nirgends“, sagt Anne Wagner aus Cottbus. „Schon dafür lohnt es sich, hierher zu kommen.“ Für Michael Zesch und seine Leute ist das Schaufischen vor allem Arbeit. „Die Veranstaltung kostet mich im Vorfeld jedes Mal so einige schlaflose Nächte“, sagt der Betriebsleiter. „Doch das große Interesse der vielen Besucher entschädigt dann.“

Und in der Tat. So viele Autos wie diesmal wurden wohl noch nie im Umfeld des Inselteichs gesehen. Eine zweite Wiese musste zum Parken freigegeben werden. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr des Orts im Unterspreewald sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Fast ganztägig pilgerten Besucher zwischen dem Parkplatz und dem Inselteich. Viele hatte auf dem Rückweg Beutel mit frischem Fisch dabei. Speisefische der Teichwirtschaft Petkampsberg kommen jetzt ohnehin in den Handel.