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Schaufenster voll Kunst in Lübben

Erich und Karin Herms mit dem Aquamediale-Werk "Mahnendes Kind" von Holzbildhauer Eike Rothe.
Erich und Karin Herms mit dem Aquamediale-Werk "Mahnendes Kind" von Holzbildhauer Eike Rothe. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Lübben. Erich und Karin Herms sind Kunstliebhaber mit Leib und Seele. Ihr kleines Haus in der Gubener Straße in Lübben spiegelt das wider. Nun geben sie Eike Rothe die Möglichkeit, seine Werke in ihrem Schaufenster auszustellen. Michèle-Cathrin Zeidler

Noch versperrt eine Gardine die Sicht in das Schaufenster von Ehepaar Herms. Im Atelier türmen sich Kisten mit Büchern, und mittendrin parkt zurzeit der Wagen von Erich Herms, aber schon bald soll hier Kunst ausgestellt werden.

"Ende April soll es losgehen", verrät Erich Herms, "Wir richten jetzt das Atelier wieder her und wollen dann zum Tag des offenen Ateliers im Schaufenster Malerei und plastische Kunst zeigen." Die Figuren aus Holz hat der Kunst- und Deutschlehrer des Lübbener Gymnasiums bereits. "Die Kunstvitrine soll mit Werken von Eike Rothe bestückt werden", sagt der 62-Jährige, "Passanten in der Gasse können ihn dann auch bei der Arbeit im Atelier beobachten."

Bereits in der Vergangenheit konnten die Lübbener in der kleinen Gasse Kunst bewundern. "2002 haben ich das Kunstatelier ins Leben gerufen. Schüler von mir haben dort gearbeitet", erzählt der Kunstlehrer.

Auch sonst ist das kleine Haus in der Gubener Straße 3 in Lübben etwas ganz Besonderes. Am Anfang hat das Ehepaar nicht in dem Haus gewohnt. "Nach der Wende haben wir in der unteren Etage einen Buchhandel betrieben", sagt Karin Herms. Acht Jahre lang verkaufte das Lehrerehepaar dort, neben der Tätigkeit in der Schule, Bücher. "Wir waren die erste Buchhandlung hier in Lübben nach der Wende. Die Leute haben stapelweise Bücher gekauft", verrät sie. Belleristik war dabei der Schwerpunkt im Angebot. "Wir haben Werke von neuen Autoren geführt und Erhaltenswertes aus der DDR", fügt ihr Ehemann hinzu.

Zu dieser Zeit gründete er einen eigenen Verlag, den er bis heute als Hobby betreibt. "Ich wollte damit Büchern eine Chance geben, die es bis dahin so nicht gab, wie zum Beispiel Regionalgeschichte und Mundart", erklärt Erich Herms, "Aktuell mache ich gerade ein Projekt mit Schülern und das Ergebnis soll dann auch bald veröffentlicht werden."

1995 hat das Ehepaar das Haus gekauft. Davor mussten Herms' gegen die Treuhand klagen. Sie gewannen den Rechtsstreit. "Wir haben dann in Eigenregie viel neu gemacht", sagt Karin Herms. "Die Wohnung oben war am Anfang viel zu klein. Ein Anbau musste her", ergänzt ihr Ehemann.

Besonders stolz sind beide auf das Wandgemälde an einer Außenfassade. "Die Wand hat einfach nach Farbe gerufen", sagt der Kunstliebhaber und schmunzelt. Dieser Aufgabe hat sich schließlich 2002 ein Künstlerfreund von Erich Herms angenommen. "Dietrich Lusici hat sich hier verewigt. Er hat dabei Schweizer Farbe verwendet", sagt der Hausherr. Diese spezielle Farbe verliere mit der Zeit kaum an Pigmentierung. So strahlen die Farben auch heute noch fast wie am ersten Tag. An einer Stelle hat sich der Hauseigentümer auch selbst verewigt. "Zu sehen sind zum Beispiel Antizahlen, die jede Berechnung ab absurdum führen, der Fisch als Symbol für den Spreewald, Fruchtbarkeitssymbole und das biblische Motiv einmal anders umgesetzt", erklärt Erich Herms.