ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:28 Uhr

Sanierung der Schlepziger Kirche
„Es ist mehr kaputt, als erwartet“

 Der Baubeauftragte des Kirchenkreises Christian-Matthias Rosenow zeigt auf schlechte Stellen.
Der Baubeauftragte des Kirchenkreises Christian-Matthias Rosenow zeigt auf schlechte Stellen. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Schlepzig. An der Schlepziger Kirche wird der Kirchturm saniert – mit einigen teuren Überraschungen. Von Katrin Kunipatz

Bis ganz nach oben steigt Christian-Matthias Rosenow auf dem Gerüst am Schlepziger Kirchturm. Unterwegs zeigt der Baubeauftragte des Kirchenkreises im bereits frei gelegten Fachwerk des Turms auf viele kaputte Holzbalken. Wirklich zählen kann man sie nicht. „Es ist mehr kaputt, als wir erwartet haben“, sagt er.

Mit der Sanierung der über 230 Jahre alten Dorfkirche war 2017 begonnen worden. Das Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierung (IBS) entwickelte ein Konzept. Den Anfang machte das Kirchenschiff. 2018, kurz bevor die Hochzeitssaison begann, war innen wie außen das Fachwerk denkmalgerecht und soweit wie nötig erneuert.

Im Juli dieses Jahres folgte mit der Sanierung des Turms der zweite Schritt. Um die Standsicherheit in den nächsten Jahrzehnten zu gewährleisten, muss auch hier das Holz des Fachwerks erneuert werden. 157 000 Euro hatte das Planungsbüro IBS dafür veranschlagt. Das Geld dafür stellen das Land Brandenburg, die evangelische Landeskirche, der Kirchenkreis Niederlausitz, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zur Verfügung, so Rosenow. Außerdem habe die Kirchgemeinde, wie schon bei der Sanierung des Kirchenschiffs Spendenaufrufe gestartet, berichtet Bianka Lottra vom Gemeindekirchenrat.

Die böse Überraschung tat sich auf, als die hölzerne Verkleidung des Kirchenturms abgenommen war. „Besonders an der Westseite war das Holz des Fachwerks schlechter als erwartet“, sagt der Baubeauftragte. Trotz Probennahmen wurde das Ausmaß der Schäden erst sichtbar, nachdem das Mauerwerk aus den Gefachen entfernt war. Bei der Bestandsaufnahme wurde auch festgestellt, dass das direkt unter dem Dach verlaufende hölzerne Gesims Anfang der 90er Jahre schlecht repariert wurde. Zusätzlich waren die Fenster im Turm undicht. Die einzelnen vom Sturm herausgerissenen Schieferschindeln des Dachs fallen dagegen kaum ins Gewicht. Dachdecker können sie in den nächsten Wochen vom Hubsteiger aus leicht ersetzen.

Aber die zusätzlichen Schäden am Sims und dem Fachwerk machen die Sanierung teurer. Über 27 000 Euro sind zusätzlich nötig, sagt Rosenow. Den größten Teil der Mehrkosten trägt das Land. Den Rest teilen sich Kirchenkreis und Kirchgemeinde. „Ob es das Ende ist, wissen wir noch nicht“, sagt Bianka Lottra. Im Moment habe die Kirchgemeinde die nötige Summe zusammen. Trotzdem freue man sich weiterhin über jede Spende, so Lottra.

Begonnen haben die Zimmerer mit der Reparatur in der oberen Ebene, wo sich die Glocken befinden, erläutert Bauleiter Ronny Behrendt. Auch die Ebene darunter ist bereits freigelegt. Damit der Turm weiterhin stabil bleibt, wurde im Inneren eine stützende Holzkonstruktion eingebaut. In den nächsten Wochen und Monaten sollen Schritt für Schritt auch die beiden unteren Ebenen freigelegt und das schadhafte Holz erneuert werden. Erst danach können die Gefache wieder ausgemauert werden. Zum Schluss wird zur besseren Belüftung mit einem geringen Abstand zum Turm wieder eine hölzerne Verkleidung angebracht. Das Lärchenholz werde anfangs hell sein und später silbergrau nachdunkeln, erklärt Rosenow. Auf einen Anstrich wolle man verzichten. Wunsch aller ist es, dass bis zum Jahresende der Kirchturm fertig ist und die Kirchenglocken wieder läuten. Bauleiter Behrendt will es nicht zusichern, zu viele Unbekannte gäbe es noch. Auch der Baubeauftragte des Kirchenkreises nennt einige Tücken: So könne der bei Denkmalen verwendet Kalkmörtel nur bei Temperaturen bis fünf Grad Celsius verarbeitet werden. Aber wenn alles fertig ist, soll es in jedem Fall eine kleine Einweihung geben, verspricht Pfarrer Benjamin Liedtke.

 Bis zum Dach ist der Schlepziger Kirchturm eingerüstet. Er wird im Moment saniert.
Bis zum Dach ist der Schlepziger Kirchturm eingerüstet. Er wird im Moment saniert. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
 Der Baubeauftragte des Kirchenkreises Christian-Matthias Rosenow zeigt auf schlechte Stellen.
Der Baubeauftragte des Kirchenkreises Christian-Matthias Rosenow zeigt auf schlechte Stellen. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
 Bis zum Dach ist der Schlepziger Kirchturm eingerüstet. Er wird im Moment saniert.
Bis zum Dach ist der Schlepziger Kirchturm eingerüstet. Er wird im Moment saniert. FOTO: LR / Katrin Kunipatz