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| 01:04 Uhr

Sanatogen für alte Mauern

Lübben.. Der Spreewald wäre ohne Wasser undenkbar. Wasser bedeutet Leben. Die RUNDSCHAU blickt mit einer Serie auf bauliche und natürliche Denkmäler der Region. Anke Richter

Alle haben im engen oder weiteren Sinn etwas mit der Thematik Wasser zu tun und geben einen Einblick in die vielfältige Nutzung des nassen Elementes. Heute: das Groß Leuthener Schloss mit Brunnen.

Sanatogen - diesem der Stärkung dienenden Arzneimittel verdankt das Wasserschloss Groß Leuthen seine heutige Ansicht. Der Trunk wurde in den Berliner Fabriken von Johann Abraham von Wülfing (1854-1927), dem letzten „Freien Standesherrn auf Leu then und Groß Leine“ , hergestellt und begründete mit das Vermögen der von Wülfings. Mit diesem Geld wurde unter anderem das Schloss zwischen 1913 bis 1915 umgebaut.

Sommers schön, winters kalt
„Die Familie war nur an den Wochenenden hier“ , weiß Christine Exler, Vorsitzende des Vereins KulturArche, der sich um die kulturelle Nutzung des Schlosses kümmert. Heutiger Besitzer ist die Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ .
Der von weitem sichtbare Wohnturm am Ostflügel wurde während der Umbauphase errichtet. Eine vorgelagerte Seeterrasse, auf der im Sommer Veranstaltungen wie die Open-Air-Filmnächte stattfinden, entstand ebenfalls zu dieser Zeit. „Dem Architekten Bodo Ebhardt wurde die Aufgabe des Umbaus übertragen“ , sagt Christine Exler. Dieser habe die Räumlichkeiten auf den Seeblick ausgerichtet. „Das ist schön im Sommer, aber sehr kalt im Winter“ , spricht sie aus eigener Erfahrung.
Das um 1550 auf den Grundmauern einer festen Wasserburg aus dem 12./13. Jahrhundert errichtete Renaissanceschloss habe, wie die KulturArche-Chefin sagt, „zehnmal den privaten Besitzer gewechselt“ . Die erste Standesherrschaft im Schloss habe der Schenk zu Landsberg begründet. „Die heutige Bundesstraße 87 war früher ein bedeutender Handelsweg. Demzufolge war die Lage der Burg und die des späteren Schlosses nicht unwichtig.“ Durch den See auf der einen Seite und dem matschigen, unwegbaren Land auf der anderen sei die Burg so gut wie uneinnehmbar gewesen, schätzt Christine Exler ein.
Ein dunkles und ungeklärtes Kapitel in der Geschichte des Schlosses habe sich im 17. Jahrhundert ereignet. „Ein junger polnischer Adliger, Georg Wrapski, ertrank während seines Aufenthaltes hier im Schloss im See“ , erzählt Christine Exler. Unter welchen Umständen dies geschah, sei bis heute unklar. Nur ein Epitaph in der Groß Leuthener Kirche erinnere noch an den Vorfall. „Die Geschichte findet nur ganz kurz Erwähnung in der Chronik des Schlosses, die im Auftrag von Johann Abraham von Wülfing angefertigt wurde.“

Verse über den Luftkurort
Glücklichere Zeiten waren für das Schloss und die Umgebung die Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dazu die KulturArche-Chefin: „Um 1920 wurde Groß Leuthen Luftkurort. Vor allem Berliner brachen über die Region wie ein touristisches Phänomen herein. Die Leute zog es zum Wasser.“ Es seien Pensionen gebaut und der Ort bedichtet und stilisiert worden. Eines dieser kurzen Gedichte findet sich auf einer alten Postkarte mit einer Ansicht vom Groß Leuthener See und geht so: „Wie liegt Großleuthen so lieblich und schön / Am See umrandet von waldigen Höh'n / Wie eine Oase im märkischen Sand / Drum wird es die Perle der Lausitz genannt.“

Für Vergnügen und Fischerei
Von Wülfing ließ einen Seerundweg anlegen und auf der dem Schloss gegenüberliegenden Seite des Sees einen Ausflugspavillion errichten. „Dorthin wurden vom Schloss aus Fahrten mit dem Ruderboot unternommen“ , berichtet die Schloss-Expertin von den von Wülfingschen Freizeitunternehmungen. Doch nicht nur zum herrschaftlichen und Berliner Vergnügen wurde der See genutzt. „Der jeweilige Schlossbesitzer verpachtete den See oft an Fischer, die darin ihre Existenzgrundlage fanden.“
Nach dem zweiten Weltkrieg waren von 1946 bis 1949 Waisenkinder im Schloss untergebracht. Später diente das Gebäude als staatliches Kin der- und Jugendheim. Als solches ging es 1992 in den Besitz der Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ über, die bis zum Herbst 2004 Wohngruppen des Kinder- und Jugendheimes Rankenheim in Groß Köris im Schloss untergebracht hatte. In diesem Jahr sollen im Gebäude Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden, so dass Weiterbildungen und ähnliche Veranstaltungen im kleinen Umfang dort stattfinden können. Darüber hinaus wird das Groß Leuthener Schloss weiterhin für kulturelle Veranstaltungen wie das jährliche „Rohkunstbau“ -Festival genutzt.
Neben dem Schloss selbst gibt es ein weiteres Bauwerk, das eng mit dem Element Wasser und den von Wülfings verbunden ist: der Brunnen im Schlossinnenhof. Eingerahmt von zu DDR-Zeiten typischen türkisfarbenen Kacheln, steht er heute trocken da und lässt nur noch wenig von seiner früheren Schönheit erahnen. „Ursprünglich, beim Bau zwischen 1913 und 1915, war die Einfassung aus Sandstein“ , sagt Christine Exler. Doch diese Steinart sei sehr witterungsanfällig, und so wurden die Kacheln angebracht. Doch auch diese Einfassung sei seit einigen Jahren undicht, deswegen sei das Wasser im Brunnen abgestellt worden.
Dafür sind die vier Figuren am Brunnen - eine nackte männliche sowie weibliche Statue, eine stillende Mutter und eine Hermes-Figur, Schutzpatron der Handelsleute - gut erhalten. Die Chefin der KulturArche erklärt dazu: „Die Figuren sind sehr bedeutungsvoll und sollen auf das Leben von Johann Abraham von Wülfing hinweisen.“ So stünden die vital wirkenden Akte und die stillende Mutter für die kräftigende und vitalisierende Wirkung des Sanatogen-Arzneimittels.

Wülfing am Brunnen verewigt
Als Fabrikant und Händler habe sich von Wülfing außerdem Hermes als Schutzpatron verbunden gefühlt. So steckt eine durchdachte Absicht dahinter, dass auf einem Schild, welches die scheinbar in Gedanken versunkene Figur des Hermes dem Betrachter entgegen hält, das bärtige Antlitz des erfolgreichen Berliner Unternehmers als Relief zu sehen ist. Von Wülfing war stolz auf sein Lebenswerk, der Brunnen zeigt es den Besuchern.
Welcher Künstler den Brunnen entworfen und erschaffen habe, darüber habe sie bisher noch keine Angaben finden können, bedauert Christine Exler. „Wahrscheinlich war es jemand aus Berlin“ , so ihre Vermutung. Ob und wann der Brunnen restauriert werde, dazu könne sie nichts sagen. „Momentan bin ich noch dabei, die Geschichte zu erforschen.“