Von Katrin Kunipatz

Warm angezogen spazieren am Dienstag einzelne Besucher über die Schlossinsel zum Lübbener Hafen. Noch zehn Tage sind es bis zur offiziellen Saisoneröffnung. Doch die ersten Busse waren bereits am vergangenen Wochenende angemeldet. „Deshalb hatten wir unseren Verkaufsstand schon geöffnet“, sagt Norbert Paul. Zum Glück habe mit dem Wetter auch alles gepasst. Und natürlich wird bei Gurkenpaule am kommenden Wochenende wieder geöffnet sein. Auch einige andere Geschäfte rund um die beiden Kahnabfahrtstellen und der Bootsverleih machen auf.

Und selbst für den Fährmannsverein „Flottes Rudel“ ist die Saison-
eröffnung eher symbolischer Startschuss. „Seit vielen Jahren bieten wir ganzjährig Kahnfahrten an“, sagt Burkhard Herzke, Vorsitzender des Vereins. Das „Anstaken“ sei jedoch aus touristischer Sicht ein wichtiger Termin. Nur könne der Verein nicht in jedem Jahr einen Frühlingsmarkt mit Live-Musik organisieren. In diesem Jahr ist deshalb ein kleiner Rahmen geplant. Der traditionelle Ablauf bleibt: Die wendische Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Liuba überreicht ein geschmücktes Rudel an die Kahnfährleute und ein Paddel an die Bootsverleiher. Anschließend seien die Besucher zu einer kleinen Kahnfahrt um die Inseln herum eingeladen, so Herzke.

Passiert ist rund um die Kahnabfahrtstelle am großen Hafen in diesem Winter einiges. Nachdem im vergangenen Jahr der linke Steg erneuert wurde, ist vor dem Saisonstart auch die rechte Seite fertig. Das verwendete Recyclingmaterial habe sich bereits im Hafen 2 bewährt, versichert Herzke. Außerdem sei es leicht zu reinigen, und im Winter taue der Schnee schnell wieder ab. „Wir freuen uns sehr, dass alles in Ordnung gebracht wird und vernünftig funktioniert“, lobt der Vereinschef die Stadt, in deren Eigentum sich der Hafen befindet.

Noch im Bau ist die kleine Brücke am Bootsverleih. Vier Mitarbeiter des Baubetriebshofs, angeleitet von Meister Gunter Hellwig, sägen und schrauben dort aus Bongossi-Holz eine neue Brücke zusammen. Das Holz sei sehr fest und besonders haltbar, so Hellwig. Er schätzt die Lebensdauer der Brücke auf 70 oder 75 Jahre. Ein Grund mehr, das Baujahr und etwas versteckt Namen und Initialen der Erbauer ins Holz zu schnitzen. „Wer stolz auf seine Arbeit ist, der verewigt sich“, erklärt Gunter Hellwig eine Tradition der Handwerker. In der Woche vor Ostern soll alles fertig sein. Dann nämlich erwarten die Lübbener den ersten Besucheransturm.

Das Angebot der Kahnfahrten gleicht dem im vergangenen Jahr. Ein Schwerpunkt seien kurzweilige Kahnfahrten für Familien, so Herzke. Holzfiguren entlang der Strecke oder kleine, nur vom Kahn aus lesbare Tafeln mit Wissenswertem über den Spreewald sorgen für Abwechslung. Ansonsten variiert die Dauer der Kahnfahrt zwischen zwei und sechs Stunden, je nach Ziel und Inter-
esse der Gäste. Die im vergangenen Jahr neu etablierte Rundfahrt „Fährmanns Abendgruߓ, bei der Musikschüler im Hafen 2 musizierten, während die Kähne entlang fahren, wird es 2019 wieder geben. „Die Anfänge waren vielversprechend“, sagt Herzke.Insgesamt 35 Kahnfährleute sind im Lübbener Verein zusammengeschlossen. „Und im Moment schaffen wir es noch, die Fahrten in der Saison abzudecken“, so der Vereinschef. Jedoch finde man kaum Nachwuchs, der bereit ist, zwischen März und Oktober von Montag bis Sonntag im Einsatz zu sein. Aber in dieser Zeit müsse man als selbstständiger Fährmann das Geld verdienen, um im Winter über die Runden zu kommen, erklärt Herzke, der selbst seit 1992 hauptberuflich in dem Geschäft tätig ist. Nun wünscht er sich für die bevorstehende Saison: „schönes Wetter, wenig Regen, nette Gäste und kein Hochwasser“. Im vergangenen Jahr gab durch das Wetter rund acht Prozent mehr Besucher.