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| 13:22 Uhr

Arbeitsmarkt
Saisonarbeit: Die Konkurrenz schläft nicht

Boris Müller von der Agentur für Arbeit zeigt das Plakat für die Jobbörse „Chance 2018“ am Samstag. Sie ist eine gute Gelegenheit für Unternehmen und mögliche Mitarbeiter, sich kennenzulernen.
Boris Müller von der Agentur für Arbeit zeigt das Plakat für die Jobbörse „Chance 2018“ am Samstag. Sie ist eine gute Gelegenheit für Unternehmen und mögliche Mitarbeiter, sich kennenzulernen. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Lübben/Luckau. Arbeitsagentur sieht Winterkündigung kritisch. Die Jobbörse am Samstag bietet neue Möglichkeiten. Von Ingvil Schirling

Der Arbeitsmarkt in der Region hat sich zwar in den vergangenen Jahren ganz grundsätzlich geändert – weg von hoher Arbeitslosigkeit hin zu regional annähernder Vollbeschäftigung –, doch eine Erscheinung gibt es nach wie vor: saisonbedingte Kündigungen. Lag der Anteil der Arbeitslosen in Luckau im Dezember noch bei vier Prozent (zählt als Vollbeschäftigung), waren es im Januar 4,7 Prozent. In Lübben stieg er von 5,6 auf 6,2 Prozent, im Landkreis von 4,5 auf fünf Prozent.

„Ich würde mir das überlegen“, warnt Boris Müller als Bereichsleiter des Geschäftsstellenverbundes Dahme-Spreewald, „ob ich es mir leisten kann, jemanden über den Winter freizusetzen. Die Konkurrenz unter den Arbeitsgebern wächst.“

Er sieht dieses Vorgehen „hoch kritisch“. Das Unternehmen verlasse sich darauf, die Arbeitnehmer wieder einstellen zu können - obwohl diese theoretisch in der Zeit dem Markt zur Verfügung stünden (müssen) und angesichts der aktuell begehrten Fachkräfte durchaus mit Angeboten rechnen könnten. „Letztlich ist das ja keine Arbeitslosigkeit“, so Boris Müller. Denn in der Regel finde keine Neuvermittlung, Bewerbung oder Weiterqualifizierung statt. „Eigentlich wird das auf dem Rücken der Solidargemeinschaft ausgetragen“, vertritt er die kritische Position der Arbeitsagentur.

Ganz unproblematisch ist das ebensowenig für den Arbeitnehmer selbst. Zwar werden Rentenbeiträge abgeführt, aber nicht in der Höhe wie während der Anstellung.

Angesichts des veränderten Marktes kommen die Nachteile dieser Praxis immer mehr ins Bewusstsein, sagt Boris Müller. „Der Druck auf die Unternehmen wächst.“ Einige würden sich bereits mit Alternativen beschäftigen. Andere, beispielsweise das Baugewerbe, setzen laut Müller weniger Mitarbeiter über den Winter frei als früher.

In der Tourismusbranche nutzen nicht wenige Arbeitnehmer die erzwungene „Pause“ in der Winterzeit, sich nach Österreich oder in die Schweiz zu bewerben – in die Wintersporthochburgen, in denen in diesen Monaten dringend gute Fachkräfte gesucht werden. Der Verdienst ist oft besser und die Rückkehr nicht selbstverständlich.

„Wir wollen genau den umgekehrten Weg gehen“, verweist Boris Müller auf die Rückkehrer-Initiative der Agentur für Arbeit. Sie will Menschen, die die Lausitz und den Spreewald aus beruflichen Gründen verlassen haben und hier gerne wieder arbeiten würden, zusammenbringen mit Arbeitgebern, die gut ausgebildete Mitarbeiter suchen.

Eine Jobbörse steht kommenden Samstag ins Haus. In Königs Wusterhausen werden 63 Arbeitgeber und rund 1500 Besucher erwartet, die die Chance nutzen, spontan mit Personalern ins Gespräch zu kommen, einen positiven Eindruck und eine Bewerbungsmappe zu hinterlassen. Mit dabei sind der Landkreis Dahme-Spreewald als Arbeitgeber, Handwerksbetriebe, Hotel- und Gaststättengewerbe, Industrie, Logistik, Zeitarbeit, Erziehung und Pflege. Jeder Stand ist besetzt.

Die Jobbörse „Chance 2018“ findet am 24. Februar von 10 bis 13 Uhr im OSZ an der Königs Wusterhausener Brückenstraße statt.