Auffällig sind die vielen abgeschnittenen Äste, die sich zwischen den Bäumen entlang der Straße zwischen Krausnick und Groß Wasserburg in Haufen stapeln. Beim Blick nach oben fallen viele frische Schnittstellen an den teils armdicken Ästen auf. Wobei nicht jeder Baum gleichfalls Äste eingebüßt hat. Einige scheinen fast unberührt, während andere auf den Stamm und größere Äste reduziert wurden.

Der Schlepziger Baumpfleger Dirk Henschelchen ist nicht der Einzige, dem diese extrem zurückgeschnitten Bäume aufgefallen sind. Thomas Fischer, Stadtverordneter für die Bündnis 90/ Die Grünen in Lübben und Nabu-Vertreter, berichtet von einem Nabu-Mitglied aus Krausnick, das sich bereits an die Naturschutzbehörde des Landkreises gewandt hat. Einig sind sich alle: „Es sieht furchtbar aus“, so Henschelchen. Auch die Worte „Baumfrevel“ und „Verstümmelung“ seien gefallen, so Fischer.

Baumpilze machen die Alleebäume mürbe

Eine Beschwerde bei der Naturschutzbehörde Dahme-Spreewald war die logische Konsequenz. Diese hatte bereits Mitte März den ersten Hinweis bekommen und sich an den Landesbetrieb Straßenwesen gewandt, der für die Landesstraße 71 verantwortlich ist. Als Straßenbaulastträger obliegt es ihm, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Darin eingeschlossen ist auch die Obhut über die Alleebäume. Der Landesbetrieb bestätigt, dass die Roteichen dringend zurückgeschnitten werden mussten.

Von den Kontrolleuren seien an vielen Eichen „parasitäre Baumpilzarten“ festgestellt worden. Konkret benennt der Landesbetrieb den Eichenfeuerschwamm und den Eichenwirrling. Beide zersetzten das Holz der Bäume, Weißfäule entsteht. Behandeln lasse sich dieser Pilzbefall nicht, so der Landesbetrieb. Er habe aber zur Folge, dass sich die Bruchgefahr stark erhöht. Verstärkt werde das Problem, weil an vielen Bäumen der Pilz den Stammkopf – also den Bereich, an dem sich der Stamm erstmals teilt – befallen habe. Setzt der Pilz seine Arbeit fort, werden die Bäume instabil. Durch die weit ausladenden Äste und den entsprechenden Hebel am Stamm steigt die Gefahr von Astabbrüchen.

Als Alternative zum Einkürzen bliebe nur Fällen

Statt der ebenfalls möglichen Fällung der Bäume habe der Landesbetrieb nach einer Möglichkeit gesucht, um die schätzungsweise 80 bis 120 Jahre alten Roteichen zu erhalten. Einerseits wegen ihrer Position in der Allee und andererseits, weil die Bäume für andere Tier- und Vogelarten einen wichtigen Lebensraum darstellen. „Jeder Baum wurde mit einer Hebebühne begutachtet“, heißt es im Schreiben des Landesbetriebs an den Landkreis. „Und für jeden Baum wurden Maßnahmen individuell festgelegt, um diesen verkehrssicher zu schneiden und gleichzeitig möglichst lange erhalten zu können.“ Außerdem habe die ausführende Firma die Auflage bekommen, die Bäume entsprechend den Vorgaben der zusätzlichen technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien (ZTV) für Baumpflege von 2017 einzukürzen. Diese zielt darauf ab, bei Schnittarbeiten möglichst viel Blatt- und Astmasse zu erhalten.

Alle festgelegten Maßnahmen stimmte der Landesbetrieb bei der Baumschau auch mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises ab. In Dahme-Spreewald teilt man die Sicht des Landesbetriebs. Zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit an der L 71 seien die Ausführungen notwendig und würden fachlich nicht in Frage gestellt, schreibt die Pressestelle des Landkreises.

Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet die Zeit

Das Ergebnis der Baumpflegearbeiten kann jeder jetzt an der Ortsverbindungsstraße zwischen Krausnick und Groß Wasserburg besichtigen. Dabei räumt der Landesbetrieb ein, dass für die alten Bäume „solch große Schnittmaßnahmen der Anfang vom Ende“ sind. Dessen sei man sich bewusst, aber es sei die einzige Alternative zum sofortigen Fällen. Steffen Streu, Pressesprecher des Landesbetriebs hofft, dass die Bäume noch mindestens acht Jahre leben. „Es wäre aber auch eine deutlich höher Zahl möglich, das ist schwer vorherzusagen“, so Streu. „Jetzt muss abgewartet werden, wie sie jeder einzelne Baum entwickelt.“

Die sprießenden grünen Blätter scheinen zumindest für dieses Jahr eine gute Botschaft zu sein. Weniger schön ist dagegen das liegen gebliebene Schnittgut zwischen den Bäumen. „So würde ich keine Baustelle verlassen“, ärgert sich Baumpfleger Dirk Henschelchen.

Roteichen in Gefahr


Eine Allee Roteichen, wie an der Landesstraße 71 zwischen Krausnick und Groß Wasserburg ist eindrucksvoll. Vor allem im Herbst wird die Allee dank der Laubfärbung zum Hingucker.

Der Baum stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist im Gegensatz zu den einheimischen Stiel- und Traubeneichen anfälliger für Holzzersetzung durch Pilze, erläutert der Landesbetrieb. Die Baumpilze können sich ungehindert in den Gefäßen des Baumes (Tracheen) ausbreiten, die bei heimischen Arten verschlossen werden, wenn sie nicht mehr genutzt werden.

Roteichen können bis zu 200 Jahre alt werden. Ein Pilzbefall im Alter sei normal, so der Landesbetrieb. Eine Heilung befallener Bäume gibt es nicht. Erkrankte Äste abschneiden oder den Baum fälle seine die einzigen Möglichkeiten, wenn es im Fall eines Straßenbaums auf die Standsicherheit ankommt.