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| 17:13 Uhr

Lübben
Museum 2020: Ein Blick in die Zukunft

Museumschefin Corinna Junker führte die Sommertour-Gäste durch die Räume und erläuterte dabei die Hauptpunkte des neuen Konzepts, mit dem das Museum moderner, attraktiver und – fast zwei Jahrzehnte nach seiner Eröffnung – wieder neu zukunftsfähig gemacht werden soll.
Museumschefin Corinna Junker führte die Sommertour-Gäste durch die Räume und erläuterte dabei die Hauptpunkte des neuen Konzepts, mit dem das Museum moderner, attraktiver und – fast zwei Jahrzehnte nach seiner Eröffnung – wieder neu zukunftsfähig gemacht werden soll. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Museumschefin Corinna Junker erklärt Sommertour-Gästen das Konzept für die künftige Entwicklung des Hauses. Von Ingvil Schirling

„Museum 2020“ – das hört sich geheimnisvoll an. Hinter dem Stichwort verbirgt sich ein Konzept, mit dessen Hilfe das Stadt- und Regionalmuseum Lübben noch interessanter, zeitgemäßer und attraktiver werden soll. Entstanden ist es unter Federführung von Corinna Junker, die als Museumschefin Christina Orphal nachgefolgt ist, gemeinsam mit ihrem Team und mit Michael Hase, dem zuständigen Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung. Was genau dahinter steckt, das erkundete ein Dutzend RUNDSCHAU-Leser während der Sommertour am Dienstagvormittag. Die teils noch kühlen  Räume waren eine Wohltat, und im Anschluss wurde das Konzept bei Wasser und vom Föderverein geschmierten Schmalzstullen noch heiß diskutiert.

Zuvor hatte Corinna Junker an einem einfachen Beispiel verdeutlicht, worum es geht. Die Runde steht in einem der beliebtesten Räume zum Thema Stände und später Landräte. Nimmt man einen Telefonhörer ab, hört man Geschichten aus diesen Zeiten. Zwei Schreibmaschinen laden zum Tippen ein, Gegenstände können in die Hand genommen werden. Der ganze Raum strahlt karges, aber akkurates Verwaltungshandeln aus mit einer Reihe von Entdeckungs- und Interaktionsmöglichkeiten. Auch die Sommertour-Gäste machen davon regen Gebrauch. Genau das war das innovative Konzept des Museums, als es 2001 eröffnet wurde. „2001 war das der Hammer“, sagt Corinna Junker, also der neueste Schrei. „Heute zieht man so eine Schublade auf und denkt: ,Oh, noch mehr Scherben.’“

So zugespitzt auf den Punkt gebracht wurde klar, dass das Museum nach fast zwei Jahrzehnten dringend eine gründliche Überarbeitung braucht. Die Lübbener Stadtverordneten haben für das Ausarbeiten der technischen Details Unterstützung durch eine Fachfirma bewilligt.

Die Inhalte der angedachten Veränderungen hatte Corinna Junker für die RUNDCHAU-Sommertour-Gäste zur Verdeutlichung auf laminierten kleinen Tafeln skizziert. Gleich im Erdgeschoss würde demnach die größte Veränderung stattfinden: Das ehemalige Restaurant, dessen Betreiber-Suche sich schwierig gestaltet, könnte zum Museum dazugehören, ein kleines Café werden. Einer der Räume würde für die Museumspädagogik, die deutlich ausgebaut werden soll, genutzt. Auch die Toiletten, die jetzt noch zum Restaurant gehören und verschlossen sind, würden dann von Museumsgästen genutzt werden können. Es sei peinlich, sie bei dringenden Bedürfnissen immer erst in die Bibliothek schicken zu müssen, gestand Corinna Junker ein.

Bei den Sommertourgästen traf diese Idee, das ganze Haus ohne die bisher externe Gastronomie als Museum zu begreifen, auf einhellige Zustimmung: „Das ist doch eins!“, sagte eine Teilnehmerin.

Für weitere Veränderungen wird allein schon der Brandschutz sorgen. Der jetzige Eingangsbereich wird nach einer Begehung voraussichtlich als Sammelraum gesehen. Das bedeutet, dass nur noch Wand- und Bodenvitrinen mehr darin sein dürfen, keine Einbauten. Die Kasse müsste also ohnehin umziehen und bekäme ebenfalls im Erdgeschoss ein neues Zuhause.

In der Folge würde die Archäologie verkleinert und nach vorne gezogen mit dem gefundenen Knüppeldamm als Hingucker. Generell geht es dem Museumsteam, von dem auch Philip Kardel die Sommertour mit vielen fachlichen Hinweisen begleitete, darum, bestimmte seltene, aussagekräftige und schöne Stücke ins Rampenlicht zu stellen. Das Richtschwert könnte daher einen neuen Platz erhalten. Zwei goldene Leuchter, eine Silberdose und anderes könnten stellvertretend für die Silber- und Goldschmiedekunst einen eigenen Auftritt in einer „Schatzkammer“ bekommen. Statt eines eigenen Raumes für Paul Gerhardt, der ohnehin in dem ihm gewidmeten Zentrum nahe des Rathauses sehr gut dargestellt und den Besuchern nahegebracht wird, könnte eine Präsentation mehrerer berühmter Persönlichkeiten aus Lübben gezeigt werden – so, dass sie mit den heutigen digitalen Möglichkeiten ihre Geschichte erzählen.

Dies und vieles mehr erfuhren die Sommertour-Gäste bei einem reichhaltigen Rundgang – und wünschten dem Konzept einhellig viel Erfolg. Entschieden werden könnte darüber von den Stadtverordneten im nächsten Frühjahr.

Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian
Der Lübbener Knüppeldamm soll einen Sonderplatz im bisherigen Eingangsbereich bekommen.
Der Lübbener Knüppeldamm soll einen Sonderplatz im bisherigen Eingangsbereich bekommen. FOTO: LR / Ingvil Schirling