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| 01:00 Uhr

Roter Teppich vor Neuhaus ausgerollt

Medikamente gegen Vogelgrippe enthalte dieses Ei, sagte Wolsztyns Bürgermeister Andrzej Rogozinski als er es seinem Lübbener Amtskollegen Lothar Bretterbauer beim Neuhaustag schenkte.
Medikamente gegen Vogelgrippe enthalte dieses Ei, sagte Wolsztyns Bürgermeister Andrzej Rogozinski als er es seinem Lübbener Amtskollegen Lothar Bretterbauer beim Neuhaustag schenkte. FOTO: Fotos/2: Roland Hottas
Stammgäste des Neuhaustages haben bei dessen zehnter Auflage vorgestern Abend gestaunt: Ein roter Teppich war vor dem Schlösschen in Steinkirchen ausgerollt worden. Über ihn schritten die Gäste, die Bürgermeister Lothar Bretterbauer zu seinem Empfang eingeladen hatte. In den Reden und Grußworten spielten die Themen eine Rolle, die in diesen Tage auch in ganz normalen Gesprächen im Mittelpunkt stehen: das Wetter und die Fußball-WM. Von Dörte Hellwig

Rein rhetorisch fragte Bürgermeister Lothar Bretterbauer, warum er eigentlich nicht schon vor zwei Wochen zum Neuhaustag eingeladen habe. Denn zu seinem Empfang zum Frühlingsanfang hatte sich vorgestern endlich die Sonne eingestellt. Ihr zeitigeres Erscheinen sei mit Blick auf Lübbens Etat wünschenswert gewesen. „So bleibt es unumgänglich, bereits zu Beginn des Jahres über Auswirkungen des langen und extremen Winters auf den diesjährigen Haushalt nachzudenken“ , sagte Bretterbauer. „Weit mehr als geplant entstanden Kosten für den Winterdienst“ und bei mancher Straße werde Ausflicken nicht mehr genügen.
Der Bürgermeister ging auch auf die „unangenehmen Entscheidungen“ zu Jahresbeginn über Schul- und Kitaschließungen ein. Sie seien Ausdruck des permanenten Rückgangs der Bevölkerungszahl. Diese Entwicklung werde auch künftig Prozesse und Strukturen beeinflussen.
Bei den „angenehmen Dingen“ , die mit der Umsetzung des aktuellen Haushalts verbunden seien, führte Bretterbauer die Entwicklung südlich der Schlossinsel mit der Flussbadelandschaft auf. Er nannte auch die Verringerung der Verkehrsbelastung in der Stadt durch die Verlängerung der Parkstraße, den Parkplatzbau am Burglehn und Installation eines Verkehrsleitsystems. Von „herausragender Bedeutung“ seien die Baumaßnahmen in der Innenstadt, so Bretterbauer. In diesem Zusammenhang verwies Bretterbauer auf die Veranstaltung auf dem Marktplatz anlässlich der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft. Dort werden dann Lübbener und Gäste auf einer Großleinwand das erste Spiel der deutschen Mannschaft verfolgen können.
Auf die Fußball-WM ging auch Andrzej Rogozinski, Bürgermeister der polnischen Partnerstadt Wolsztyn, ein: Er hoffe, dass die deutsche und die polnische Mannschaft die Vorrunde überstehen und „dass sich unabhängig vom Ergebnis ihres Spiels unsere Städtepartnerschaft weiter so gut entwickelt“ . Bretterbauer gestand später: „Wir haben bei der Planung der Veranstaltungen diesen Termin völlig vergessen. Wir sollten unbedingt eine Möglichkeit finden, dieses Spiel gemeinsam zu erleben.“
Wie die Lübbener würden die Wolsztyner auf das Ende dieses Winters warten, so Rogozinski, „weil wir ebenfalls sehr viel vorhaben“ . Er verwies unter anderem auf den Bau einer Schwimmhalle, das Gestalten einer Grünanlage als Ort für die Erholung und die Feier zum 100-jährigen Bestehen des Bahnbetriebswerks. Sie soll das größte Ereignis in diesem Jahr in Wolsztyn werden.
Rogozinski hatte noch ein weiteres gemeinsames Problem der Städtepartner ausgemacht - die Vogelgrippe. Deshalb schenkte er seinem Lübbener Amtskollegen ein überdimensionales Ei mit den Worten: „Keine Angst, das ist nicht infiziert. In ihm finden Sie im Gegenteil Medikamente gegen die Vogelgrippe.“
Derart schaffte Rogozinski den Übergang zum lockereren Teil des Neuhaustages. Die Gäste unterhielten sich bei Sekt, Saft, Schnittchen und Gürkchen noch lange, bevor sie wieder beim Verlassen des Neuhauses über den roten Teppich schritten. Für den gab Jürgen Höhn, Chef der Tourismus, Kultur und Stadtmarketing GmbH, die den Empfang mitorganisiert hatte, eine ganz pragmatische Erklärung: das Wetter. „Wir hatten hier einen derartigen Modder, dass wir uns etwas einfallen lassen mussten, wie die Gäste mit einigermaßen sauberen Schuhen ins Neuhaus hinein kommen.“

Info zum Thema Höchste Auszeichnung Lübbens nicht verliehen
 Bislang hat Lübbens Bürgermeister beim Neuhaustag die Neuhausmedaille vergeben. „In diesem Jahr gibt es keine“ , sagte er vorgestern bei seinem Empfang. Dazu habe er sich mit den Vorsitzenden der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung entschieden. Seit Jahren würden sie diskutieren, „ob es angemessen ist, diese höchste Auszeichnung der Stadt alljährlich zu verleihen“ und sie dadurch nicht ihre Besonderheit verliere.