Von Katrin Kunipatz

Die schwarz-weißen Holstein-Friesian der Agrargenossenschaft Spreewiese sind entspannt. Mit langen Zungen angeln die Kühe nach dem bereitgelegten Futter, liegen auf den Kuhbetten oder laufen langsam zum Melken.

Feste Zeiten und einen vom Melker vorgegebenen Rhythmus gibt es bei der Agrargenossenschaft Spreewiese nicht mehr. „Die Kühe entscheiden selbst, wann Zeit fürs Melken ist“, erklärt Sylvia Zeidler, die Geschäftsführerin. Möglich wird diese durch den Einsatz von vier Melkrobotern.

Melkroboter im Kuhstahl in Neu Schadow

Tritt die Kuh in die Maschine, geschieht alles vollautomatisch. Massagebürsten reinigen das Euter der Kuh und bereiten es auf das Melken vor. Ein Laser tastet das Euter ab und setzt nacheinander die Melkbecher auf die Zitzen.

Der Computer erfasst in dieser Zeit die Milchmenge und analysiert die Milch. Währenddessen bekommt die Kuh in kleinen Portionen schmackhaftes Kraftfutter. Etwa acht Minuten dauert es, bis die Kuh fertig gemolken ist und wieder in den Stall entlassen wird, erklärt Sylvia Zeidler.

Insgesamt 320 Milchkühe stehen im neuen Stall, in dem noch viele andere Dinge vollautomatisch funktionieren. Das Futter wird von einem selbstfahrenden Automaten wieder in den Fressbereich der Kühe geschoben. Es gibt Kuhmassagebürsten und freien Zugang zum Außengehege. Durchsichtige Elemente im Dach und offene Seiten lassen viel Licht in den Stall.

2,5 Millionen Euro für Milchviehstall mit Melkrobotern

Etwa zehn Monate dauerte es vom Abriss des alten Stallgebäudes bis zur Inbetriebnahme. „Insgesamt 2,5 Millionen Euro investierte die Agrargenossenschaft Spreewiese in den neuen Milchviehstall mit vier Melkrobotern und das nach neuen Anforderungen nötige größere Güllesilo“, sagt Sylvia Zeidler.

Zuvor hatten die Genossenschaftsmitglieder drei Jahre lang gemeinsam überlegt, ob man die Milchkühe behalten und dafür die mehr als 25 Jahre alte Anlage erneuern wolle.

Keine Alternativen zur Milchkuhhaltung im Spreewald

Aber Alternativen für die Milchkuhhaltung gäbe es nicht, erläutert die Geschäftsführerin. Alle Flächen der Agrargenossenschaft Spreewiese befinden sich im Biosphärenreservat Spreewald in den Zonen zwei und drei.

Die Wiesen können nicht in Acker­land umgewandelt werden, Schädlingsbekämpfungsmittel sind verboten, und das Düngen mit Gülle und Stalldung ist nur in geringen Mengen erlaubt. Deshalb produziert die Genossenschaft schon seit der Gründung 1991 nach ökologischen Vorgaben Milch in Bio-Qualität, so Zeidler.

Melkroboter tuen den Kühen gut

Den Kühen tuen die Melkroboter gut. „Die Tiere gehen statt zweimal im Durchschnitt 2,5 Mal pro Tag zum Melken, und jede Kuh gibt rund 2,5 Liter mehr Milch pro Tag“, berichtet die Geschäftsführerin. Den 30 Mitarbeitern erleichtert die Technik die Arbeit. Auch könnten Arbeitszeiten flexibler eingeteilt werden. Nach dieser großen Investition soll noch ins Sanitärgebäude am Stall in Neu Schadow investiert sowie der Jungtier- und Abkalbestall umgebaut werden.