ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:18 Uhr

Tradition erhalten
Robert Lies ist der neue Erntekönig

 Noch fehlen Madlin Schulisch ein paar Zentimeter. Später greift sie sich einen Flügel des Hahns und wird Dritte des Hahnrupfens in Byhleguhre.
Noch fehlen Madlin Schulisch ein paar Zentimeter. Später greift sie sich einen Flügel des Hahns und wird Dritte des Hahnrupfens in Byhleguhre. FOTO: Andreas Staindl
Byhleguhre. Beim traditionellen Hahnrupfen in Byhleguhre geht nur eine Frau an den Start und wird Dritte. Von Andreas Staindl

Robert Lies hat das Hahnrupfen in Byhleguhre (Lieberose-Oberspreewald) gewonnen. Er setzte sich vor Bernd Lehmann und Madlin Schulisch durch. Der Sieger ist damit während des großen Finals – dem Superkokot – Ende September in Heinersbrück dabei. Dort starten die Sieger des Hahnrupfens der jeweiligen Orte. Wer diesen Wettkampf gewinnt, ist der Superkral – der König des Hahnrupfens.

 Sechs Reiter hatten sich am Samstag um die Teilnahme dort beworben. Madlin Schulisch war die einzige Frau. Dass sie es während ihrer Premiere auf Anhieb auf den dritten Platz schaffte, ist für Monika Schernikau vom Dorfverein Byhleguhre „eine kleine Sensation. Sie tritt offenbar in die Fußstapfen ihres Vaters.“

Das Hahnrupfen in Byhleguhre hat eine jahrzehntelange Tradition. „Ich bin stolz darauf, dass es uns erneut gelungen ist, diesen Brauch weiterzuführen“, sagt Anna Lehmann vom Vorstand des Traditionsvereins, der das Hahnrupfen durchführte. „Es ist nicht leicht, Teilnehmer zu finden.“ Um den Nachwuchs für dieses Spektakel zu begeistern, darf dieser sich an einer abgespeckten Variante probieren. Seit zwei, drei Jahren sind die ganz jungen Reiter mit ihren Ponys auch während des Umzugs der Teilnehmer dabei.

Das Hahnrupfen selbst erfordert eine gehörige Portion Mut und ganz viel Geschick. Die Teilnehmer reiten nacheinander durch die geschmückte Pforte, an deren Querbalken ein toter Hahn kopfüber angehangen ist. Sie versuchen, den Kopf des Hahns abzureißen. Gar nicht so leicht. Immer wieder hatten Teilnehmer ihre Hand am Kopf des Hahns, bekamen ihn aber nicht richtig zu fassen. Um überhaupt eine Chance zu haben, mussten die Reiter ihre Steigbügel extrem kurz stellen, um fast auf dem Rücken des Pferds zu stehen. Über mehrere Trostrunden tasteten sich die Teilnehmer an den Hahn heran. Robert Lies hatte schließlich den Kopf des Tiers in der Hand. Bernd Lehmann und Madlin Schulisch griffen sich die Flügel, was Platz zwei und drei bedeutete.

Zahlreiche Besucher verfolgten den alten Erntebrauch, der in zahlreichen Orten der Niederlausitz noch immer gelebt wird. Zudem gab es am Samstag in Byhleguhre auch Spaßwettbewerbe wie Hahngreifen, Junggesellenkarren und Stelzenlauf. „Wir versuchen, möglichst viel Traditionelles zu erhalten“, sagt Anna Lehmann. Dazu gehört auch, dass junge Damen in Trachten das Hahnrupfen mit Tänzen und Liedern begleiten. Das Sextett war am Samstag nicht zu überhören und auch optisch ein Hingucker, ein begehrtes Foto-Motiv ohnehin. Auch das Rahmenprogramm des Hahnrupfens, das in das Dorffest integriert war, konnte sich sehen lassen. Anna Lehmann dankte allen Helfern für ihr Engagement, darunter auch der freiwilligen Feuerwehr des Dorfs.

 Der nächste Höhepunkt wirft schon seine Schatten voraus. 2020 feiert Byhleguhre die 130. Fastnacht. Und vielleicht, wenn Robert Lies den Superkokot in diesem Jahr in Heinersbrück gewinnt, ist der kleine Ort im Oberspreewald dann erneut Gastgeber des großen Finals der Besten im Hahnrupfen.