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Rinderstall sorgt für Zoff in Märkische Heide

In Klein Leuthen plant Landwirt Karl Materne junior einen neuen Rinderstall für 200 Tiere. Die Naturschutzbehörde hat zugestimmt, die Gemeinde lehnt ab. Doch die Zeit drängt. Will der Landwirt Fördermittel, muss der Antrag des Landwirts bis zum 30. Juni vorliegen.
In Klein Leuthen plant Landwirt Karl Materne junior einen neuen Rinderstall für 200 Tiere. Die Naturschutzbehörde hat zugestimmt, die Gemeinde lehnt ab. Doch die Zeit drängt. Will der Landwirt Fördermittel, muss der Antrag des Landwirts bis zum 30. Juni vorliegen. FOTO: Fotolia
Groß Leuthen. Ein Rinderstall sorgt für Zoff in Märkisch Heide. Landwirt Karl Materne junior plant den Neubau für 200 Tiere in Klein Leuthen. Dagegen regt sich heftiger Widerstand. Eine Bürgerinitiative will den dorfnahen Bau inmitten eines Landschaftsschutzgebietes (LSG) verhindern. Der Gemeinderat hat auf seiner jüngsten Sitzung eine negative Stellungnahme zum Vorhaben abgegeben. Andreas Staindl / asd1

Die Karre ist festgefahren. Alle Beteiligten stecken in einem großen Dilemma. Karl Materne plant den Rinderstall seit fast einem Jahr. Ebenso lange weht ihm Gegenwind ins Gesicht. Die Bürgerinitiative (BI) "Klein Leuthen bewahren" will das Vorhaben verhindern. "Wir sind nicht gegen den Stall, allerdings gegen den Standort", sagt Sprecher Peter Müller. "400 Bürger haben sich per Unterschrift dafür ausgesprochen, dass der Stall außerhalb des Landschaftsschutzgebiets Groß Leuthener See/Dollgensee errichtet wird."

Müller, ein Zugezogener, sagt zudem: "Wir sind auch wegen des Landschaftsschutzgebiets hergezogen." Müller zufolge dürfe Materne nicht im LSG bauen.

Das sieht die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Dahme-Spreewald anders. "Die UNB hat eine Befreiung vom LSG erteilt", erklärt Annett Lehmann. "Er muss den Eingriff allerdings kompensieren."

Für die Bauamtsleiterin ist der Standort jedoch "das Hauptproblem". Deshalb habe die Verwaltung dem Gemeinderat eine negative Stellungnahme empfohlen.

Steffen Gündel wundert das. "Laut Umweltgutachten sind durch den Rinderstall keine negativen Auswirkungen zu erwarten. Das Landesumweltamt hat grünes Licht gegeben." Der Geschäftsführer der Landplan GmbH berät den Landwirt bei seinem Vorhaben.

Sylvia Lehmann unterstützt Karl Materne. Die SPD-Landtagsabgeordnete findet es "gut, dass ein junger Mann den Familienbetrieb in dritter Generation weiterführt und nicht die Region verlässt." Sie appellierte an die Gemeindevertreter, das Vorhaben zu unterstützen. Peter Müller ist "schockiert, dass Sylvia Lehmann politischen Einfluss auf die Gemeindevertretung nimmt und diese zu einer unrechtsmäßigen Entscheidung motiviert". Lehmann sagt, dass sie sich nicht als Mitglied des Landtags, sondern als Einwohnerin der Märkischen Heide für das Projekt stark macht. "Warum erst jetzt und nicht schon seit einem Jahr?", kritisiert Michael Heinze von der BI.

Roland Exler befürchtet, dass der Stall-Neubau zum Nachteil für das Ferien- und Freizeitzentrum (FFZ) in Klein Leuthen werden könnte. "Das FFZ könnte daran kaputt gehen", sagt der ehrenamtliche Vorsitzende des Trägervereins des FFZ. Die Idylle in Klein Leuthen werde negativ beeinträchtigt, so Exler. Auch Dieter Freihoff (SPD) räumt ein, dass der geplante Standort "nicht attraktiv für den Ort ist. Die Idee des Landwirts ist aber toll." Der Bürgermeister der Gemeinde Märkische Heide habe lange nach einer alternativen Lösung gesucht, sei damit aber gescheitert. Für Reinhard Schulz (Pro Spree und Wald) ist es "ein erhebliches Problem, dass die große Mehrheit der Klein Leuthener das Projekt ablehnt.

Karl Materne verfolgte kürzlich die Sitzung der Gemeindevertreter, ohne sich zu äußern, nicht einmal, als er konkret angesprochen wurde. Lediglich seine Mutter Ilona Materne machte ihrem Ärger hin und wieder Luft.

Schließlich lehnten vier Gemeindevertreter den Neubau des Rinderstalls ab, zwei waren dafür und fünf enthielten sich ihrer Stimme. Damit liegt dem Bauordnungsamt Dahme-Spreewald eine negative Stellungnahme der Märkischen Heide vor. Wie die Kreisbehörde damit umgeht, ist noch offen.