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Rinderstall-Pläne sorgen für Wirbel

Ob der Rinderstall in Klein Leuthen gebaut und das Vieh wie auf dem Foto unter Dach Gras bekommt, ist umstritten. Foto: Uwe Zucchi
Ob der Rinderstall in Klein Leuthen gebaut und das Vieh wie auf dem Foto unter Dach Gras bekommt, ist umstritten. Foto: Uwe Zucchi FOTO: Uwe Zucchi
Klein Leuthen. Ein Rinderstall für 200 Tiere soll in Klein Leuthen (Märkische Heide) gebaut werden. Doch gegen die Pläne regt sich Widerstand: Eine Bürgerinitiative will den Bau in Nähe des Dorfes mitten im Landschaftsschutzgebiet verhindern. Andreas Staindl / asd1

Der ansässige Landwirt Karl Materne plant das Rindestall-Projekt, wie der Bürgermeister Dieter Freihoff (SPD) während der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend erklärte. Gegen das Vorhaben gibt es allerdings heftigen Widerstand. "Wir befürchten, dass mit einer so großen Anlage das historische Dorfbild zerstört, das Landschaftsschutzgebiet schwer geschädigt, der Charakter der Landschaft erheblich verändert und deren Erholungswert vernichtet würden", sagt Peter Müller.

"Zudem würden das Grund- und Oberflächenwasser belastet und die Immobilien in der Ortslage an Wert verlieren." Müller engagiert sich in der Interessengemeinschaft (IG) "Klein Leuthen bewahren", die sich mit sachlichen Argumenten wehrt. "Wir sind nicht gegen Landwirtschaft, allerdings gegen das Vorhaben am geplanten Standort", erklärt er. Ihm zufolge soll der geplante Stall weniger als hundert Meter vom nächsten Wohnhaus und hundert Meter vom angrenzenden See sowie dem Ferien- und Freizeitzentrum (FFZ) entfernt gebaut werden.

Ein Viertel aller Einwohner ist gegen den Plan des Landwirts wie Peter Müller erklärt: "Von 17 betroffenen Grundstücken haben sich 13 Eigentümer mit den Zielen unserer Bürgerinitiative identifiziert." Mit einer Unterschriftenaktion hätten sich 343 Bürger gegen den Stallneubau und für eine Verschiebung des Bauvorhabens an einen geeigneten Ort außerhalb des Landschaftsschutzgebiets Groß Leuthener See/Dollgensee ausgesprochen.

"Es darf nicht sein, dass Tiere mehr wert sind als Menschen", sagt Michael Heinze von der IG. "Zahlreiche junge Familien sind extra wegen der Ruhe und der Natur nach Klein Leuthen gezogen." Jane Penschke aus Glietz befürchtet, "dass das FFZ nicht mehr so intensiv wie bisher genutzt wird, wenn der Stall in unmittelbarer Nähe gebaut wird". Wird er auch nicht, zumindest wenn es nach dem Willen des Bürgermeisters geht. "Ich bin mit dem geplanten Standort nicht glücklich und sehe das Vorhaben - gerade mit Blick auf das FFZ und den Naturschutz - sehr kritisch", sagt Dieter Freihoff. "Wir werden als Gemeinde alle Möglichkeiten nutzen, das Projekt in unserem Sinne zu steuern." Die Kommune ist allerdings nicht die Genehmigungsbehörde, sondern darf lediglich Stellung beziehen, wie die Bauamtschefin Annett Lehmann erklärt. "Wir werden uns die Entscheidung nicht leicht machen und die Interessen unserer Bürger vertreten", sagt Freihoff.

Wie die Bauamtsleiterin sagt, wird es am 1. November dieses Jahres eine Einwohnerversammlung zum geplanten Rinderstall geben. Die Versammlung beginnt um 18 Uhr und findet im Sitzungssaal der Gemeindeverwaltung in Groß Leuthen statt.

Ilona Materne wird "auf keinen Fall anwesend sein". Die Mutter des Landwirts kümmert sich um das Projekt. Sie ist sauer auf die Bürgerinitiative. "Nicht die Landwirtschaft bedroht das Idyll von Klein Leuthen, sondern der zunehmende Tourismus. Viehhaltung hat schließlich Tradition im Ort."

Ilona Materne versichert, anders als vermutet keine Milchviehhaltung, sondern reine Rinderhaltung im neuen Stall machen und auch keine Biogasanlage bauen zu wollen. Ein anderer Standort komme nicht infrage, "weil die geplante Fläche unser Eigentum ist und wir nur dort freie Entscheidungen treffen können. Wenn die Bürgerinitiative noch lange Stunk macht", ergänzt Ilona Materne, "erweitern wir unseren Stall im Dorf."