Von Andreas Staindl

Das Thema Kitaplätze schwelt in Lübben weiter. Am Montagabend hat die Verwaltung im Bildungsausschuss deutlicher als bisher Alarm geschlagen. Sie geht davon aus, dass in sieben Jahren 225 Kita- und Krippenplätze fehlen.

Aktuell fehlen 24 Plätze in diesem Bereich. Die Situation wird sich weiter verschärfen. Das lässt sich aus Hochrechnungen, aber auch aus der veränderten Bevölkerungsstruktur ableiten wie die zuständige Fachbereichsleiterin Petra Streiber sagte: „Wir haben inzwischen Familien mit mehr Kindern als bisher. Zudem wohnen mehr Frauen zwischen 15 und 45 Jahren in Lübben.“

Im Hortbereich, in dem es derzeit noch exakt 43 freie Kapazitäten gibt, wird mit Blick auf den prognostizierten Stand in sieben Jahren von 87 fehlenden Plätzen ausgegangen. Petra Streiber wurde deutlich: „Die Kinderzahl wird weiter steigen. Wir müssen Kitas sanieren und erweitern oder neu bauen.“

Doch wo soll gebaut werden? Wer baut? Und in welcher Größe? Darum ging es im Fachausschuss. Gesucht werden eine schnelle Lösung mit mindestens 60 Plätzen und eine mittelfristige Lösung mit bis zu 160 Plätzen. „Wir gehen vorerst davon aus, dass das kommunale Einrichtungen werden“, sagt Lars Kolan. „Vielleicht finden sich aber auch Investoren, die eine neue Kita in unserer Stadt bauen wollen. Wir sind offen für Ideen.“ Mit einem „großen Investor“ gebe es demnächst Gespräche. Namen nannte er nicht.

Bekannt ist allerdings, dass die Arbeiterwohlfahrt (Awo) für ihre Kita in der Logenstraße einen Ersatzneubau anstrebt. Genauso wichtig wie das Bauen und Betreiben ist der Standort. Henry Beyer vom Bereich Stadtplanung in der Verwaltung hat mögliche Standorte im Stadtgebiet analysiert. Er zeigte die Vor- und Nachteile von zwölf Flächen auf.

Seine Empfehlung: Das Areal „Spreewaldkonserve/Blumenstraße“ würde sich kurzfristig eignen. Mittelfristig, also in einem Zeitraum von drei bis sechs Jahren, würden sich Grundstücke an der Majoransheide und am Briesener Zergoweg anbieten. Auch „Am kleinen Hain“ in der Innenstadt und in der Radensdorfer Hauptstraße gebe es geeignete Optionen.

Am Eichengrund – als möglicher Standort schon im Gespräch (die LR berichtete unter dem Stichwort „Arbeitstitel Eichengrund“) – gebe es Henry Beyer zufolge ebenfalls gute Bedingungen. Allerdings würde eine neue Kita zum „Überangebot in Lübben-Nord führen“. Mit der „Guten Laune“ und der „Spreewaldkita“ gibt es dort schon zwei Betreuungseinrichtungen. Der Verwaltungsmitarbeiter befürchtet, dass mit einer dritten Kita „noch mehr Familien mit Kindern dort hinziehen und ältere Menschen aus dieser Wohngegend verdrängen“.

Sinnvoll sei es, dort zu bauen, wo der größte Bedarf bestehe, sagte Henry Beyer weiter. Ihm zufolge soll die Majoransheide als Wohngebiet entwickelt werden. Eine Kita dort wäre daher sinnvoll.

Jens Richter (CDU/Grüne) könnte „mit diesem Standort leben“. Der Ausschussvorsitzende regte jedoch auch an, über eine Mehrfachnutzung von Gebäuden für Wohnungen und Kita nachzudenken. „Wir sollten darüber ernsthafte Gespräche mit der Lübbener Wohnungsbaugesellschaft führen.“

Sein Fraktionskollege Marco Sell war „froh“, umfangreiches Material und mögliche Standorte präsentiert bekommen zu haben: „So eine Übersicht hatten wir uns gewünscht. Jetzt haben wir eine gute Grundlage für Entscheidungen, dürfen aber die vielen Ideen nicht zerreden, auch wenn die Zeit drängt.“

Elke Lubotta von der Stadtverwaltung bestätigt das: „Ständig rufen Leute an, die in Lübben bauen wollen und Kita-Plätze in der Stadt suchen. Wir können den Bedarf schon heute nicht decken. Wenn Lübben attraktiv sein will, brauchen wir zusätzliche Kita-Plätze.“

Nicht nur das. „225 neue Kita-Plätze bis 2025 bedeuten die Größe einer zweizügigen Grundschule“, sagt Peter Rogalla (Die Linke). „Auch das müssen wir bedenken.“ Lars Kolan kann sich vorstellen, in der Majoransheide nicht nur Wohnbebauung, sondern auch Kita und Schule zu entwickeln. „Das wäre durchaus sinnvoll.“

Er wünscht sich ein Signal von den Stadtverordneten, in welche Richtung es gehen soll. „Ein Grundsatzbeschluss während der Stadtverordnetenversammlung Anfang des nächsten Jahres wäre hilfreich.“ Jens Richter regte an, dass sich die Fraktionen bis dahin eine Position dazu erarbeiten.