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| 19:30 Uhr

Es fehlt an Ehrenamtlern, Nachwuchs und Geld
Wenige Hoffnungssch(w)immer

Zwei Rettungsschwimmer halten Ausschau am Badestrand – man könnte aber auch meinen, sie suchen nach neuen Rettungsschwimmern.
Zwei Rettungsschwimmer halten Ausschau am Badestrand – man könnte aber auch meinen, sie suchen nach neuen Rettungsschwimmern. FOTO: ASB
Lübben. Brandenburg zählt so viele Badeunfälle wie lange nicht mehr. Währenddessen stagniert die Zahl der Rettungsschwimmer oder geht sogar weiter zurück. Auch in Lübben. Der Schwielochsee und der Briesener See sind seit Jahren unbewacht.

Die Spree-Lagune in Lübben gibt es seit nunmehr sechs Jahren. Über einen Rettungsschwimmer verfügt die Anlage zwar nicht, sondern nur über einen Sicherheitsdienst, der für Erste-Hilfe-Maßnahmen geschult ist. Größere Badeunfälle hat es hier in all den Jahren aber auch so noch nicht gegeben, wie die Pressesprecherin der Stadt, Dörthe Ziemer, mitteilt. Nun ist die kleine Plansch-Oase ohnehin kaum mit großen Bädern und Seen zu vergleichen, wo das Gefahrenpotenzial weit größer ist als auf dem ursprünglichen Wasserwanderrastplatz mit einer überwiegenden Tiefe von etwas mehr als einem Meter. Mancher Lübbener scherzt sogar, das größte Risiko in der Spree-Lagune bestehe darin, um etwaige Entenkacke herumzuschwimmen.

Doch so sicher wie hier in Lübben kann man sich eben nicht an allen Badestellen in der Region abkühlen. Laut dem Landesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat es in diesem Jahr bereits 2000 Wasserrettungseinsätze in ganz Brandenburg gegeben. 22 davon endeten tödlich – so viele wie im gesamten Jahr 2017.

Während die Unfallzahlen stetig steigen, sinken jedoch antiproportional dazu die Zahlen der aktiven Rettungsschwimmer oder stagnieren bestenfalls. „Das ist schon massiv zurückgegangen“, sagt Lutz Müller als Kreisleiter der Wasserwacht Fläming-Spreewald vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). „Es wird eigentlich jedes Jahr schlimmer. Das sieht man auch am Bädersterben.“

Zwar registriert das DRK seit 2013 ungefähr gleichbleibende Zahlen und nennt etwas mehr als 1000 Rettungsschwimmer in Brandenburg und circa 350 im Spreewald. Die zunehmende Einsatzhäufigkeit auf den Brandenburger Seen führt die Rettungskräfte aber zunehmend an Grenzen. Müller: „Es gibt immer weniger Ehrenamtliche und Jugendliche. Wo wir früher noch zehn bis zwölf Anwärter hatten, freuen wir uns heute schon über drei bis vier.“

Ein Problem, das die Wasserwacht nicht exklusiv hat. Feuerwehren und Sportvereine bestöhnen dieselbe Entwicklung. Doch Müller sieht auch die Politik in der Pflicht. „Kommunen wollen nichts bezahlen.“ Ralf Glathe, Leiter Rettungsdienste beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Mittelbrandenburg, haut in die gleiche Kerbe: „Von der politischen Seite kommt wenig. Es gibt keine Unterstützung von Land oder Kreis.“ Weder bei der Deckung von Ausbildungskosten noch bei der Beschaffung neuer Ausrüstung. „Wir haben uralte Technik und fahren mit 30 Jahre alten Booten rum. Es ist schön, dass wir da sind, aber keiner will wissen, was es kostet. Für die Zukunft kann man schwarzsehen.“

Und schon in der Gegenwart macht sich der Schwund bemerkbar, wie Carola Wildau von der DRK-Wasserwacht Lübben bestätigt: „Seit bald zehn Jahren können wir unsere Badestellen nicht mehr bewachen.“ Das betreffe die Strände am Schwielochsee in Jessern und Goyatz sowie den Briesener See. „Alle sehen das Problem, aber es fehlen die Lösungen.“ 20 Mitglieder halten die Wasserwacht noch am Leben – vor 15 Jahren waren es mehr als doppelt so viele. Wildau: „Ich kann nicht an jeden Teich x Leute setzen, das will keiner finanzieren.“

Aus diesem Grund ist vor zwei Jahren in Halbe auch eine bemerkenswerte Initiative entstanden: die „Briesener Bleienten“. Um das Dorfschwimmbad vor der Schließung zu bewahren, hat sich ein Dutzend Bewohner zum Rettungsschwimmer ausbilden lassen. Ein Hoffnungsschimmer. Drei junge Anwärter sind kürzlich dazugestoßen und haben ihre Prüfungen bestanden.  Susann Fischer aus dem 300-Einwohner-Ort sagt: „Prozentual gesehen, haben wir jetzt sogar mehr Rettungsschwimmer als Berlin.“