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Bildung
Religionsunterricht: Kirche will mehr Lehrkräfte

Finsterwalde/Lübben. Kreissynode hat in Finsterwalde getagt.

Jede Woche nehmen im Kirchenkreis Niederlausitz etwa 1700 Kinder und Jugendliche am freiwilligen evangelischen Religionsunterricht in den Schulen teil. Obwohl die Zahl kontinuierlich steigt, könnten es noch mehr sein. Das erfuhren die kirchlichen Abgeordneten bei ihrer ordentlichen Frühjahrstagung in Finsterwalde.

An 20 von insgesamt 46 Schulen auf dem Gebiet des Kirchenkreises Niederlausitz wird Religionsunterricht erteilt, entweder in allen Klassenstufen oder eingeschränkt. Warum es an manchen Schulen dieses Lehrangebot der evangelischen Kirche nicht gibt, liegt nicht nur an mangelndem Interesse. Man habe seit Langem mit einem massiven Lehrkräftemangel zu tun, erklärte Dieter Drabo, Leiter der Arbeitsstelle für Religionsunterricht in Cottbus. Während es im Süden, auf dem Gebiet des Altkreises Finsterwalde, nahezu flächendeckend Religionsunterricht gibt, ist die Situation in Calau und Lübbenau aus Sicht der Synodalen sehr unbefriedigend. In Calau gibt es keinen und in Lübbenau nur an einer von fünf Schulen eingeschränkten Religionsunterricht.

Weiße Flecken gibt es auch im Norden, etwa in Goyatz, Schönwalde und Gröditsch. Der Religionsunterricht ist in Brandenburg kein ordentliches Unterrichtsfach. Er ist ein Angebot, das zusätzlich in den Räumen der Schule unterrichtet werden kann. Schüler können sich vom Pflichtfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionslehre (LER) befreien lassen, wenn sie am Religionsunterricht teilnehmen. Unterrichtet werden sie entweder von Lehrkräften im staatlichen Dienst oder von kirchlichen Lehrkräften.

„Insbesondere der Rückgang bei den staatlich beauftragten Lehrkräften ist sehr deutlich zu spüren“, verdeutliche Drabo das Problem. Erschwerend käme hinzu, dass deren Tätigkeit generell auf maximal acht Wochenstunden Religionsunterricht beschränkt.

„Gäbe es die Einschränkung für die staatlich beauftragten Lehrkräfte nicht, könnte sich die Situation verbessern“, sagte Superintendent Thomas Köhler. Seinem Antrag, die evangelische Landeskirche aufzufordern, mit dem Bildungsministerium in der Sache in Verhandlung zu treten, folgten die Synodalen schließlich einstimmig.

„Es gibt hinsichtlich des Religionsunterrichtes Missverständnisse“, sagte Christoph Hanke fest. „Viele Eltern wissen nicht, dass die konfessionelle Bindung keine Rolle spielt. Die Inhalte beim Religionsunterricht sind konfessionsübergreifend. Die Kinder und Jugendlichen lernen die Weltreligionen kennen und beschäftigen sich mit ethischen Fragen. Damit ist der Religionsunterricht eine gleichwertige Alternative zum LER-Unterricht. Das wird in den Schulen oft nicht deutlich gemacht“, sagt Lothar Treder-Schmidt aus Zieckau regte an, Eltern die Möglichkeit zu geben, den Rahmenlehrplan des Religionsunterrichts einzusehen.

Die Christenlehre, in der DDR als Ersatz für fehlenden Religionsunterricht an den Schulen etabliert, gibt es in den hiesigen Kirchengemeinden noch immer. Dazu wird nachmittags in die Räume der Kirchengemeinden eingeladen. Dieses Nebeneinander zweier Bildungsangebote wird in ostdeutschen Kirchen immer wieder kontrovers diskutiert. Dass es durchaus einen Unterschied zum Religionsunterricht gebe und beide Formen der religiösen Bildung ihre Daseinsberechtigung hätten, machte Katechetin Sabine Wild deutlich. Sie gibt in Sonnewalde sowohl Religionsunterricht an der Schule als auch Christenlehre in der Gemeinde.