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| 15:44 Uhr

Schlepzig
Wenn die Grützwurst zur Praline wird

Rund 40 Vertreter mittelständischer Unternehmen folgten der Einladung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ins Spreewald-Resort Seinerzeit nach Schlepzig.
Rund 40 Vertreter mittelständischer Unternehmen folgten der Einladung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ins Spreewald-Resort Seinerzeit nach Schlepzig. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Schlepzig. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald hat zum Thema Regionalität ins „Seinerzeit“ nach Schlepzig eingeladen. Rund 40 mittelständische Unternehmen lauschten Vorträgen mit vielfältigen Aspekten – und kosteten. Von Ingvil Schirling

„Tischlein deck dich – so schmeckt Regionalität“. Unter diesem Titel veranstaltete die Regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald kürzlich gemeinsam mit der Lausitzer Rundschau und anderen Veranstaltern ein „Forum Mittelstand“ im Schlepziger Resort „Seinerzeit“. Auf Kosten der Veranstalter genossen alle Beteiligten ein vielfältiges Menü mit deutlichen regionalen Schwerpunkten und hörten vier Fachvorträge mit spannenden Ansätzen zum Thema.

Gleich der erste brachte das Thema ganz grundsätzlich auf den Punkt. „Bei Regionalität kommt es sehr darauf an, wie man es macht“, sagte Ulrich Frohnmeyer vom Verein „Deutsche Geschmackstage“, der sich inhaltlich auf die Vermarktung regionaler Lebensmittel konzentrierte. „Regionalität ist kein Selbstläufer. Sie schreit nach Differenzierung, auch wenn sie voll im Trend liegt.“


Chefkoch Maik Renner bereitet im Restaurant "Feine Küche" des Schlepziger Resorts Seinerzeit den Hauptgang zu. Ganz aus regionalen Produktion gibt es Zweierlei vom Schwein mit Dürrenhofer Spargel und Kartoffeln.
Chefkoch Maik Renner bereitet im Restaurant "Feine Küche" des Schlepziger Resorts Seinerzeit den Hauptgang zu. Ganz aus regionalen Produktion gibt es Zweierlei vom Schwein mit Dürrenhofer Spargel und Kartoffeln. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Er stellte eine umfangreiche Studie vor, die sich mit den Erwartungen an regionale Produkte von Verbrauchern einerseits und Erzeugern andererseits beschäftigte. Ziemlich heterogen ist demnach schon, was bei der Frage der Qualität als wichtig und weniger wichtig beurteilt wird. Auch die Grenzen der Regionalität können ganz unterschiedlich ausfallen. Für den einen wäre das nur der Spreewald, für den anderen der Wirtschaftsraum, für den dritten die ganze Lausitz.

Ganz lebensnah verdeutlichte sich dieser Unterschied in den Gästereihen. Petra Kolkwitz und Rena Große beispielsweise kamen von der Schlemmerstube Kolkwitz in Goßmar und nutzen für ihre Spezialitäten die Schlachterei im Dorf nebenan. So kommen die Gäste zu beinahe lokalen, hausgemachten Produkten, ergänzt durch Marmeladen und vieles mehr.


Sauce Hollandaise und braune Butter standen wahlweise auf den Tischen, hier in der Küche fertig zum Anrichten.
Sauce Hollandaise und braune Butter standen wahlweise auf den Tischen, hier in der Küche fertig zum Anrichten. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Wie die bekannte Grützwurst veredelt werden kann, demonstrierte Chefkoch Maik Renner gleich zum Auftakt und untermauerte ebenfalls die These von Ulrich Frohnmeyer, dass Regionalität Originalität braucht. Die regionale Spezialität aus Vetschau kam als zart ummantelte und doch krosse Praline auf Blattsalat mit Senfgurkenmarinade daher.

Markus Reh von der Edeka-Handelsgesellschaft Hannover-Minden, dort zuständig für Regionalität im Einzelhandel, sagte: „Für uns ist sie kein Trend mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit wie Bio-Produkte.“ Im Supermarkt gelistet, also ins Sortiment aufgenommen zu werden, hängt aber auch davon ab, wie gut die Herkunft der Ware nachvollziehbar ist. „Der Produzent muss ordentlich arbeiten. Von der Adresse bis zur Zertifizierung muss alles stimmen“, so Reh grundsätzlich. Das wiederum, hatte Frohnmeyer von den Deutschen Geschmackstagen zu Beginn ausgeführt, ist mit viel Bürokratie verbunden und damit gerade für die kleineren Betriebe ebenso wie die Förderung eines der größeren Hemmnisse.

Markus Reh zeigte sich offen dafür, neue Produkte zu listen, auch in kleineren Mengen. „Das heißt: Er kommt auch zu Ihnen“, sagte Moderator Detlef Olle schmunzelnd mit Blick auf die produzierenden Unternehmen im Publikum. „Er kostet sehr gerne“, was Reh lachend bestätigte.

Die liebliche Apfel-Brotsuppe aus Großmutters Zeiten bot Chefkoch Maik Renner dazu an, ehe zum Hauptgang Dürrenhofer Spargel mit Kartoffeln aus der Region und einem Duett vom Schwein serviert wurde. Raimund Fränkel als Chef des Seinerzeit stellte zwischenzeitlich die vielen Facetten der regionalen Ausrichtung des Hotels mit Gastronomie vor.

Vor dem Dessert mit Plinsen, Blaubeeren und Vanilleeis aber zog Dörte Wollenberg alle Aufmerksamkeit auf sich. Sie stellte das neu aufgebaute, internetbasierte Netzwerk der Meck-Schweizer vor. In Gessin mitten in der Mecklenburgischen Schweiz gelang es ihr und einem Partner, einen regionalen Vertrieb mit kurzen Wegen aufzubauen. Händler stellen ihre Produkte ein, das Netzwerk bringt sie auf Bestellung zum Kunden und nutzt dabei Elektro-Fahrzeuge.

Fast atemlos, mindestens aber fasziniert hörten ihr die Gäste zu. Die Idee, dass dies auch etwas für den Spreewald sein könnte, war beinahe mit Händen zu greifen. Die Internetplattform könnte als Basis käuflich erworben werden, der Vertrieb wäre aufzubauen. 50 Kilometer in alle Richtungen mit zwei Fahrzeugen samt Kühlung sowie einer Vor- und einer Nachmittagsrunde schafft das Netzwerk, „das als Modellprojekt vom Bund gefördert wurde und in andere Regionen sehr gut zu übertragen ist“, zeigte Dörte Wollenberg die Möglichkeiten dieses Projektes auf.

Mit der Veranstaltung bot die Regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft eine breite Palette von Sichtweisen auf die Regionalität.

Einen herzlichen Applaus gab es am Ende für die Organisation durch Katharina Kassadjikov und für das Küchenteam um Maik Renner vom Spreewald-Resort Seinerzeit für das gelungene Menü.

Das nächste „Forum Mittelstand“ der Wirtschaftsförderungsgesellschaft findet am 27. September um 18 Uhr in der Wildauer Schmiede- und Kurbelwellentechnik GmbH zum Thema Fachkräftemangel statt.

Das Menü zeigte die große Bandbreite von Möglichkeiten, regionale Produkte auf gehobenem Niveau in die Speisekarte zu integrieren.
Das Menü zeigte die große Bandbreite von Möglichkeiten, regionale Produkte auf gehobenem Niveau in die Speisekarte zu integrieren. FOTO: LR / Ingvil Schirling