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Region fühlt sich abgehängt

Björn Lakenmacher, Kreisvorsitzender der CDU, gratulierte Jana Schimke in Bestensee als Erster zu ihrer Wahl in den Bundestag. Seite 13
Björn Lakenmacher, Kreisvorsitzender der CDU, gratulierte Jana Schimke in Bestensee als Erster zu ihrer Wahl in den Bundestag. Seite 13 FOTO: Büro Schimke
Lübben. Wie ist in der Kreisstadt Lübben am Wochenende gewählt worden – das vorläufige Endergebnis zeigt, dass es für die AfD in einer Reihe von Wahllokalen über dem im Wahlkreis 62 (21 Prozent) liegt. So haben in der Feuerwache Neuendorf 36,3 Prozent der Wähler ihre Zweitstimme der AfD gegeben, die dort mehr Zustimmung erhielt als die CDU (33,8 Prozent). Ingrid Hoberg

Im Lübbener Norden in den beiden Wahllokalen in der Liuba-Grundschule und in der Sportstätte Völkerfreundschaft gab es 27,8 und 25,4 Prozent sowie 28 Prozent der Stimmen für die AfD.

Bürgermeister Lars Kolan (SPD) zeigt sich nicht überrascht von den Zahlen. "In Neuendorf ist dieses Abstimmungsergebnis eine Folge der Flüchtlingskrise, als der Landkreis neben dem Dorf ein Heim für 400 bis 500 Asylbewerber bauen wollte", sagt er. Auch wenn es nicht dazu gekommen sei, hätten die Neuendorfer das Vorhaben nicht vergessen und die AfD habe dafür gesorgt, dass das Thema immer wieder in aller Munde war. Und Lars Kolan verweist auf die Sozialstruktur im Lübbener Norden. "Dort wohnen bei den großen Wohnungsvermietern viele Menschen, die mit einer kleinen Rente oder als Alleinerziehende mit Kindern den Alltag meistern müssen", sagt er. Die Sorgen der Leute, wie sie finanziell über die Runden kommen können, seien von Politikern der etablierten Parteien nicht ernst genug genommen worden. Davon nehme er seine Partei nicht aus. Und die AfD habe eine Neiddebatte geführt. Auch, dass das Lohn- und Gehaltsgefüge im Osten nicht mit dem Westen verglichen werden kann, sei noch nicht bei Bundespolitikern angekommen, stellt er mit Blick auf eine Diskussionsrunde nach der Wahl fest. Da sei von armen Rentnern gesprochen worden, die mit 1000 Euro Rente auskommen müssten. Die Realität in der Region sei eine andere.

Diese spiegelt sich auch im ländlichen Raum wider. So wählten in Lieberose (Stadt) 31,3 Prozent AfD, in Jamlitz 31 Prozent und in Neu Zauche 28,6 Prozent, die dort jeweils auch die CDU hinter sich ließ. "Das südliche Brandenburg fühlt sich abgehängt", stellt Kerstin Chilla, stellvertretende Amtsdirektorin, fest. Doch auch Berlinnähe hat die Wähler nicht für die etablierten Parteien gewonnen. So wählten in Hohenbrück-Neu Schadow (Märkische Heide) 43,2 Prozent der Stimmberechtigten AfD.

Abgelaufen ist die Bundestagswahl in der Kreisstadt wie in den Ämter Lieberose/Oberspreewald und Unterspreewald sowie der Gemeinde Märkische Heide, die dem Wahlkreis 62 angehören, ohne Zwischenfälle, wie Daniela Pernack, Leiterin des Kreiswahlbüros im Landkreis Dahme-Spreewald bestätigt. Für einige kurzzeitige Irritationen hat in Lübben die Diskrepanz zwischen den nummerierten Namenslisten im Wahllokal und der Nummerierung auf der Benachrichtigungskarte gesorgt. "Wir haben die Wahlvorstände informiert, dass ausschließlich nach den Namen geschaut wird", sagt Daniela Pernack und verweist auf ein drucktechnisches Problem, das keinen Einfluss auf die Wahl hatte.

Zum Thema:
Das vorläufige Endergebnis der Bundestagswahl vom 24. September für den Wahlkreis 62 ist im Internet zu finden unter: www.dahme-spreewald.info/wahlen/bw2017-1.htmlsowie www.dahme-spreewald.info/wahlen/bw2017-2.html . Auf der Seite des Landkreises gibt es auch allgemeine Informationen beispielsweise zum Bundeswahlgesetz, zu Kommunal-, Landtags- und Europawahlen. Informationen und Berichte zur Bundestagswahl 2017 gibt es unter www.lr-online.de