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| 16:17 Uhr

Schlepzig
Großes Interesse am Quappentag in Schlepzig

Eine Fischaufstiegsanlage wurde auch in das neue Wehr am Schiwanstrom bei Schlepzig integriert. Von Erfahrungen mit solchen Anlagen wurde während des Quappentags am Samstag in Schlepzig berichtet.
Eine Fischaufstiegsanlage wurde auch in das neue Wehr am Schiwanstrom bei Schlepzig integriert. Von Erfahrungen mit solchen Anlagen wurde während des Quappentags am Samstag in Schlepzig berichtet. FOTO: Andreas Staindl / LR
Schlepzig. Mehr Teilnehmer denn je tauschten sich über gefährdete Arten und Naturschutz im Spreewald aus. Von Andreas Staindl

Der Quappentag bleibt eine interessante Veranstaltung. Er wird sogar immer beliebter. „So viele Gäste wie diesmal konnten wir noch nie begrüßen“, sagte Anne Röver von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald.

Die 14. Auflage fand am Samstag in Schlepzig (Unterspreewald) statt. Fischer, Angler, Fachleute und interessierte Bürger haben sich über neue Erkenntnisse rund um die Fischfauna im Spreewald und der Umgebung ausgetauscht. Auch die Quappe – Namensgeber der Veranstaltung – spielte eine Rolle. Die Spreewaldfischer Steffen Goertz aus Lübben und Herbert Konzack aus Leipe informierten über die Situation der Quappe und Maßnahmen der Fischer zum Erhalt des Lebensraums im Oberspreewald. Etwa 60 bis 70 Kilogramm dieses Fisches werden ihnen zufolge jährlich aus dem Wasser geholt, und das von etwa zehn bis 15 Fischern. Lohnend ist das nicht.

Steffen Goertz spricht ohnehin über 2017 als das „schlechteste Fischereijahr seit 80 Jahren“. Schuld daran seien natürliche Feinde wie die Kormorane: „Wenn die Seen zufrieren, kommen sie in die Fließgewässer des Spreewalds. Auch der Wels ist ein starker Feind der Quappe. Ich bin den Fischern und Anglern dankbar, dass sie die großen Wels-Exemplare aus dem Wasser holen“, sagt Steffen Goertz.

Ihm zufolge ist zudem der Schlamm in den Gewässern schlecht für die Quappen: „Es ist fünf vor zwölf.“ Nötig ist es nach Ansicht der beiden Spreewaldfischer, Flussauen zu schaffen, Seitengräben anzuschließen, die so genannten Zirren zu pflegen sowie die Fließgewässer zu erhalten.

Michael Petschick, stellvertretender Leiter des Biosphärenreservats Spreewald, berichtete über Ideen und Maßnahmen, mit denen Laichhabitate im Oberspreewald erhalten werden sollen: „Das geht nur mit ehrenamtlichen Initiativen. Vieles wurde schon erreicht, muss aber auch noch gemacht werden.“

Das Reaktivieren von Altarmen ist ebenfalls eine Maßnahme, die für intakte Gewässerlebensräume sorgen soll. Der Fischereibiologe Frank Fredrich informierte über die Entwicklung eines solchen Altarms an der schiffbaren Spree bei Fürstenwalde: „Durch die beidseitige Öffnung des Altarms hat sich dessen Wasserqualität erheblich verbessert. Wir haben jetzt eine relativ hohe Fischdichte und mehr Arten dort als zuvor. Die Bestände haben schnell auf die veränderten Umweltbedingungen reagiert.“

Für Frank Fredrich ist das Reaktivieren dieses Altarms deshalb eine „Erfolgsstory“. Diese Vorhaben sind auch im Spreewald ein wichtiges Thema wie Anne Röver sagt: „Es ist deshalb schön zu sehen, wie die Reaktivierung woanders wirkt.“ Ihr zufolge gibt es im Landkreis Dahme-Spreewald aktuell zwei Altarm-Projekte, an denen gearbeitet werde.

Auch Fischaufstiegsanlagen sollen die Lebensräume für Fische verbessern. Sie werden während des Neubaus eines Wehrs integriert. Funktionskontrollen liefern Zahlen, die die Wirksamkeit der Aufstiegsanlagen belegen sollen.

Daniel Schmidt von der „team ferox“ GmbH in Dresden berichtete von seinen Erkenntnissen während der Kontrollen. Er hat den Fischbestand in der Fischaufstiegsanlage am Wehr im Krausnicker Strom (Unterspreewald) sowie im Fischpass am Mochowsee (Lieberose/Oberspreewald) kontrolliert. Fast 17 000 Fische und 17 verschiedene Arten in der Anlage im Krausnicker Strom sind für ihn „kein schlechtes Ergebnis“ – zumal auch Aale und Zander dabei gewesen seien. Noch mehr hat ihn das Ergebnis am Mochowsee überrascht. 36 000 Fische und 15 Arten wurden dort in 20 Tagen gezählt – darunter auch Zander und Hechte: „Ich hatte nicht mit so enormen Fischzahlen gerechnet.“

Um die Fische zu zählen, seien Reusen eingesetzt worden. Es gibt auch andere Möglichkeiten, die etwa in Österreich schon angewendet werden: Das Markieren der Fische mittels Transponder inklusive Kontrolle mit einem Lesegerät – für Daniel Schmidt „eine prima Alternative“. In der Nutztierhaltung werde das schon praktiziert.

Er warb für dieses Kontrollverfahren am Samstag in Schlepzig. „Bisher“, sagt der Experte, „werden Kontrollen mit Hilfe von Transpondern in Deutschland fast nur bei Pilotprojekten eingesetzt. Ich breche eine Lanze dafür, dass solche Funktionskontrollen Alltag werden.“