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| 15:21 Uhr

Puten in Burglehn werden getötet

Im Putenmastbetrieb der Firma Kartzfehn am Standort Alt Zauche/Burglehn müssen 45 000 Puten getötet werden. Dort wurde die hochpathogene Form der Aviären Influenza, besser bekannt als Geflügelpest, nachgewiesen. Foto: Ingvil Schirling
Im Putenmastbetrieb der Firma Kartzfehn am Standort Alt Zauche/Burglehn müssen 45 000 Puten getötet werden. Dort wurde die hochpathogene Form der Aviären Influenza, besser bekannt als Geflügelpest, nachgewiesen. Foto: Ingvil Schirling FOTO: Ingvil Schirling (LR-MOB-RED-661)
Alt Zauche. Es wird weitergehen. Irgendwann im März werden in den Stallungen der Kartzfehn-Farm in Burglehn nahe Lübben wieder Putenküken aus ihren Eiern schlüpfen, informiert das Unternehmen. Seinem Sprecher ist am Tag nach dem Geflügelpest-Nachweis trotzdem anzumerken: Es ist ein Schock. red/dh

"Es ist der größte anzunehmende Unfall für uns", ordnet Thorsten Mahlstedt von der Moorgut Kartzfehn von Kameke GmbH ein. Knapp 45 000 Puten, exakt sind es 44 873 Tiere, müssen in diesen Tagen getötet, auf amtsdeutsch: gekeult werden, weil am Mittwoch die hochpathogene Form der Aviären Influenza, besser bekannt als Geflügelpest, in dem Bestand nachgewiesen wurde. Am Montag hatte es den ersten Verdacht gegeben. Am selben Tag wurden Proben entnommen. Erst testete das Landeslabor Berlin-Brandenburg in Frankfurt/Oder und erhärtete mit den Ergebnissen am Dienstag den Verdacht auf Geflügelpest. Das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems als Nationales Referenzlabor bestätigte die Situation am Mittwoch.

Donnerstagmorgen: Hell brennen die Lampen hinter den großen Fenstern der niedrigen Stallgebäude im verschneiten Wald. Auf dem Hof rangieren Lkw hinter dicht geschlossenen Zäunen an die Eingänge der Stallgebäude heran. Den Haupteingang bewacht ein Polizeiauto. Etwas weiter entfernt an der langen Straßenfront haben Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma das Geschehen im Auge. Davor stehen zahlreiche Autos mit verschiedenen Kennzeichen. Die Krisenstimmung im winterlichen Grau ist mit Händen zu greifen.

Der enorme wirtschaftliche Schaden ist das Eine. Selbst wenn die Tierseuchenkasse nach Auskunft von Sprecher Thorsten Mahlstedt den Wert der 45000 Puten und die Kosten der Räumungsaktion übernimmt, müssen die drei Farmen auf dem Gelände danach 30 Tage leer stehen. Die Sperrfrist ist Teil der Sicherheitsvorkehrungen, die bei dieser gefährlichen Erkrankung unerlässlich sind. Erst danach sollen die Stallungen - so sagt es der Sprecher - nach und nach wieder belegt werden. Am Standort will die Firma demnach festhalten. So ist der aktuelle Stand.

Das Andere ist die Sache an sich. 45 000 Tiere müssen sterben. "Für die Mitarbeiter vor Ort ist das eine sehr ernste Angelegenheit", sagt Thorsten Mahlstedt. "Wenn man sich ein halbes Jahr um die Tiere gekümmert hat, nimmt einen das schon mit."

In zwei bis drei Tagen werden die Ställe leer sein. Dann sind Nester aufzuräumen und Wiederherrichtungsarbeiten zu machen. Ein Teil der rund 50 Mitarbeiter am Standort wird dafür gebraucht. Andere müssen sich offenbar damit anfreunden, an anderen Standorten der Firma vorübergehend eingesetzt zu werden. Diese sind beispielsweise in Neuruppin.

Dabei hatte sich Kartzfehn mit der Puten-Elterntieranlage in der Region gut eingefügt. Im Jahr 2014 hatte das Unternehmen die ehemaligen, lange leerstehenden Rinderställe bezogen. Die befürchtete Geruchs- oder Verkehrsbelästigung blieb aus, Klagen gab es nicht. Hochmoderne Technik, beim Tag der offenen Tür gern gezeigt, funktionierte. Auch die zuständigen Behörden -das Amt Lieberose/Oberspreewald ebenso wie die Kreisverwaltung - sprechen einhellig von einer guten und verlässlichen Zusammenarbeit.

Die dort praktizierte Massentierhaltung an sich rückt mit den jüngsten Vorfällen aus Sicht der Grünen wieder in den Vordergrund. "Dieser bedauerliche Vorfall sollte uns dazu veranlassen, die Tierhaltungspraktiken mehr denn je in Frage zu stellen und einen Systemwechsel einzuleiten", meldet sich Benjamin Raschke als Landtagsabgeordneter zu Wort. "Es wird klar, dass die Risiken und negativen Auswirkungen für Umwelt, Mensch und Tier bei einer derartigen Massentierhaltung nicht abschätzbar und kontrollierbar sind", sagt der Schönwalder. "Nicht zuletzt büßen für die Seuchenvorfälle in diesen Größenordnungen die kleinen Tierhaltungsbetriebe, die Kleingeflügelzüchter und auch die Region mit ihrem touristisch, naturverbundenen Image."

Von den nun eingerichteten Sperr- und Beobachtungsbezirken sind auch Teile des Landkreises Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße betroffen. Das Beobachtungsgebiet umfasst die Stadt Lübbenau mit ihren Ortsteilen. Was genau in den Sperrbezirken erlaubt ist und was nicht, findet sich auf der Startseite des LDS im Internet ( www.dahme-spreewald.de ).

Insgesamt investierte die Kartzfehn Märkische Puten GmbH rund zehn Millionen Euro in den Ausbau der Anlage und erhöhte den Tierbestand von anfangs rund 17 000 auf 53 500 Plätze. Die Anlage gilt nach Angaben der Betreiber als die größte dieser Art in Deutschland.