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Pro und Contra zu einer Graspiste

Interessierte Bürger nähern sich der Piper. Dieses und ein weiteres Kleinflugzeug sollen künftig in Groß Leuthen starten und landen dürfen. Vom Geräuschpegel konnte man sich gestern überzeugen.
Interessierte Bürger nähern sich der Piper. Dieses und ein weiteres Kleinflugzeug sollen künftig in Groß Leuthen starten und landen dürfen. Vom Geräuschpegel konnte man sich gestern überzeugen. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Groß Leuthen. Etwa 150 Leute sind gestern an den Ortsrand von Groß Leuten gekommen, um zu erfahren, wie laut Kleinflugzeuge sind. Auf einer Wiese dort wollen zwei Privatleute mit Kleinflugzeugen starten und landen. Andreas Staindl

Elmar Kleinert ist einer von ihnen. Der Betriebsleiter der Berliner Flughäfen hat sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Buckelpiste ein Haus gekauft. Sein Hobby Fliegerei teilt er mit Ralph Seefeld, der ebenfalls im Ort wohnt.

"Ich habe nichts dagegen, dass sie mit ihren Kleinflugzeugen hier starten und landen", sagt Hans-Joachim Mantey. "Die Panzer, die zu DDR-Zeiten hier durchgefahren sind, waren viel lauter. Da haben die Schränke in der Wohnung gewackelt."

Mantey wäre vom Fluglärm direkt betroffen. Er wohnt im Wohnblock nur wenige hundert Meter von der Buckelpiste entfernt. Doch wirklich zu hören ist das Kleinflugzeug zumindest am Sonntag nicht. Ralph Seefeld kam damit aus Saarmund (Potsdam-Mittelmark). Auf dem dortigen Flugplatz stehen die beiden Piper PA-18. Eine der Maschinen ist gestern in Groß Leuthen gelandet, und später auch wieder gestartet.

Elmar Kleinert erwartete seinen Flugfreund schon. Er hielt über Funk Kontakt zu ihm, erklärte den Zuschauern, was passiert. Das Kleinflugzeug tauchte plötzlich am Himmel auf. Wenig später setzte es auf der Buckelpiste auf. Von Lärm keine Spur. Die weiter entfernten Fahrzeuge auf der Straße dagegen waren deutlich zu hören. "Ich wundere mich, dass sich die Leute über die Kleinflugzeuge aufregen", sagt Lothar Ueber, "die machen doch gar keinen Krach. Wo waren die Gegner denn, als die Kampflugzeuge der Sowjets zu DDR-Zeiten hier rüber geflogen sind und es irre laut geknallt hat? Damals hat sich doch auch niemand aufgeregt", sagt er.

Annette Weber ist gegen das Vorhaben der beiden Privatflieger. Ihr Sohn betreibt den benachbarten Campingplatz. "Wenn die Start- und Landebahn genehmigt würde, wäre das ein starker Einschnitt für uns. Wir befürchten, dass Gäste wegbleiben, wenn das Flugfeld in Karten verzeichnet ist." Ihre weitere Sorge: "Was passiert später? Wird die Buckelpiste vielleicht sogar asphaltiert, das Areal erweitert?" Auch Michael Heinze aus Klein Leuthen ist skeptisch: "Der Campingplatz läuft doch gut. Das sollte nicht gefährdet werden."

Christian Petschick aus Bückchen dagegen hat kein Problem: "Es ist doch eine Bereicherung für unsere Gemeinde", sagt er. "Auch Rundflüge sind sicherlich möglich." Der junge Mann wäre direkt betroffen: "Die Kleinflugzeuge würden über unser Dorf fliegen, mich stört das nicht." Ronny Lehmann wohnt ebenfalls dort. Auch er ist für die Start- und Landebahn: "Wir haben ja sonst nichts, nicht mal eine Einkaufsmarkt."

Danny John findet das Vorhaben der beiden Privatflieger ebenfalls "super. In Groß Leuthen wäre endlich mal etwas los." Das war es auch schon gestern. Kinder kletterten in die Piper, Erwachsene steckten ihre Köpfe weit hinein. Das Kleinflugzeug war vor Menschen kaum noch zu sehen. Elmar Kleinert und Ralph Seefeld beantworteten bereitwillig Fragen. Viola Lüben muss nicht mehr überzeugt werden. Die Kita-Leiterin in Groß Leuthen freut sich auf das Projekt: "Dann könnten wir uns mit den Kindern die Flugzeuge anschauen. "Wir sollten doch froh sein, dass es Leute gibt, die alte Häuser im Dorf kaufen und sanieren und hier ihrem Hobby nachgehen. Die Kleinflugzeuge sind ja nun wirklich nicht laut. Ein Quad macht weit mehr Lärm."

Elfriede Lübbeke ist ganz anderer Meinung. Sie ist Jagdpächterin, hat 2014 ein Haus im Nachbarort Gröditsch gekauft, wie sie sagt: "Die Maschinen fliegen direkt über mein Revier, stören die dortige Tierwelt. Das ist eine bodenlose Frechheit. Was hat denn die Gemeinde von der Start- und Landebahn? Das Vorhaben ist doch nur von privatem Interesse." Benjamin Borch hat nichts dagegen: "Die Kleinflugzeuge sind ja leiser als ein Rasentraktor. Sie stören doch niemanden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass aus dem Projekt mal mehr wird. Was spricht also dagegen?"

Zum Thema:
Heute beschließt die Gemeindevertretung Märkische Heide über das Genehmigungsverfahren Flug- und Landebahn Groß Leuthen. Die Sondersitzung beginnt um 18 Uhr im Gasthaus "Beinio" in Groß Leuthen.