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| 19:08 Uhr

Ehrenamt
Kita-Rettung glückt in Pretschen

 Kinder klettern und toben auf dem Spielplatz der Kita „Kinderland“ in Pretschen. Ein Verein betreibt die Einrichtung seit 25 Jahren.
Kinder klettern und toben auf dem Spielplatz der Kita „Kinderland“ in Pretschen. Ein Verein betreibt die Einrichtung seit 25 Jahren. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Pretschen. 25 Jahre führt ein Verein die Kita „Kinderland“. Los ging es mit 14 Kindern heute sind es 44. Von Katrin Kunipatz

Die Kita „Kinderland“ in Pretschen ist sehr gut ausgelastet. „Seit Mai sind 44 unserer 45 Plätze belegt“, sagt Kathrin Schulze, die Leiterin. Dies sei nicht immer so gewesen, ergänzt Heike Kruspe. Sie ist die Vorsitzende des Vereins Pretschener Kinderland- und Freizeittreff, der die Kita seit 25 Jahren betreibt. Als der Verein die bis dahin kommunale Kita übernahm, gab es gerade mal 14 Kinder und zwei Erzieher. Die Zukunft der Einrichtung sei ungewiss gewesen, rundherum schlossen Kindergärten. „Wir wollten unsere Kita retten“, erinnert sich Viola Berg. Sie war die erste Vereinsvorsitzende.

Die Idee, die Kita durch einen Verein zu führen, war den Umständen geschuldet. „Die damalige Kita-Leiterin hatte sich als Ortsbürgermeisterin beworben und war gewählt worden“, berichtet Heike Kruspe. Mit diesem Ehrenamt konnte sie aber nicht Angestellte der Gemeinde sein. Eine Elterninitiative gründete den Verein, der noch heute Träger der Kita in Pretschen ist.

„Bestimmt waren wir ein bisschen blauäugig“, so Viola Berg. Das Internet gab es 1994 noch nicht, also bestellte sie sich als die Vereinsvorsitzende ein Buch zum Vereinsrecht. Nach und nach haben sich Vorstand und Vereinsmitglieder eingearbeitet. „Genaugenommen leiten drei ehrenamtliche Vorstände ein Unternehmen“, erklärt Heike Kruspe, die heutige Vereinsvorsitzende. Personalverantwortung für sieben Mitarbeiter, Finanzen und Bauvorhaben – alles Aufgaben, mit denen sich der Vorstand befassen müsse, so Kruspe. Hinzu kommt das Engagement der Vereinsmitglieder und Eltern, die bei den verschiedensten Arbeitseinsätzen mithelfen.

Doch Muskelkraft allein reicht nicht aus, um einen Kindergarten zu modernisieren. Schrittweise wurden die beiden Gruppenräume und der Bereich für die Tagespflege saniert. Besonders stolz sind Vereinsvorsitzende und Kita-Leiterin auf die Küche. „Hier kocht Susanne Ostwald für unsere Kinder jeden Tag frisch“, sagt Kathrin Schulze. Einige Zutaten kommen sogar aus dem Ort: die Backwaren von der Landbäckerei Schulze und die Milch vom Landgut Pretschen.

Das letzte und wahrscheinlich größte Bauprojekt war der Anbau eines weiteren Gruppenraums und der neue Sanitärbereich für die Kinder. Seit 2016 beschäftigte sich der Verein mit dem Projekt, so Heike Kruspe. Diesmal stellte der Pretschener Kita-Verein gemeinsam mit der Gemeinde, die Eigentümer von Haus und Grundstück ist, einen Antrag auf Leader-Förderung. Unterstützung gab es vom Spreewaldverein. Der Kita-Verein übernahm als Eigenanteil die Planungskosten. Aber bauen im Altbestand berge immer Überraschungen, so Kruspe: „Deshalb sind wir den Gemeindevertretern dankbar, die ungeplante Ausgaben mitfinanziert haben.“ Baustart war im Juni vergangenen Jahres. Seit Januar nutzt die Kita die Räume.

Zum Tag der offenen Tür werden Besucher zu ersten Mal die Möglichkeit haben, den neu entstandenen Garderobenbereich zu sehen. Allein die Innenausstattung dieses Raumes habe 8000 Euro gekostet, so die Vorsitzende. Andere Anschaffungen wie das Sonnendach, die zweite Nestschaukel oder der Rutschenturm in der Mitte des Spielplatzes – wurden durch die Unterstützung der Sparkassenstiftung, des Lions Clubs oder mit Preisgeld aus dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ möglich. Dabei müssen es nicht immer große Summen sein. „Auch 100 Euro helfen“, so Katrin Schulze. „Wir überlegen genau, was noch für die Kinder wichtig ist.“

Oft sind es die Kleinigkeiten, die hier im Dorf funktionieren. Wird Technik gebraucht, helfen Firmen aus dem Ort, so Schulze. Ein anderer bringt überzählige Äpfel vorbei, aus denen die Köchin  etwas zaubert. „Sehr beliebt bei den Kindern ist der Zucchinikuchen“, erzählt die Leiterin.