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| 02:57 Uhr

Popchor gibt furioses Abschiedskonzert

Der Popchor der Kreismusikschule Lübben löst sich auf. Die Musiker gaben in der Paul-Gerhardt-Kirche ihr Abschiedskonzert.
Der Popchor der Kreismusikschule Lübben löst sich auf. Die Musiker gaben in der Paul-Gerhardt-Kirche ihr Abschiedskonzert. FOTO: R. Hofmann
Lübben. 300 Zuhörer sind an diesem Mittwochabend in die Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben gekommen, um den Popchor ein letztes Mal zu hören. Der Chor löst sich auf, weil es an Nachwuchs fehlt. Rüdiger Hofmann

Fetzige Rhythmen, herzerfrischender Gesang und technisch anspruchsvoller Jazzkanon: Die Sänger liefern in dem anderthalbstündigen Konzert eine musikalische Reise durch 15 Jahre ihrer eigenen Popchorgeschichte. Und drücken den Stücken einen jugendlichen Stempel auf. Mehr als 20 Titel aus Pop, Rock und Musical werden am Abend präsentiert. Ein letztes Mal mit diesem Chor. "Uns verlassen zu viele junge Sängerinnen zum Studium oder für eine Ausbildung", bedauert Chorgründerin Sylvia Hoffmann. "Übrig bliebe wohl nur ein Doppelquartett". Aktuell stehen noch etwa 15 Musiker auf der Bühne, von Siebentklässlern bis zu 40-Jährigen.

1998 hatte die Leiterin mit dem Aufbau des Chors begonnen, mit 25 Kindern der fünften bis zwölften Klasse. Es gab eine Kooperation zwischen Paul-Gerhardt-Gymnasium und der Kreismusikschule Lübben. Da bald jugendlicher Nachwuchs fehlte, sollten auch Erwachsene gewonnen werden, Probenzeiten wurden in den Abend verlegt. "Aber es reicht nicht mehr", so die Leiterin.

Sylvia Hoffmann wirkt trotz des letzten Auftritts entspannt an diesem Abend. Energiegeladen, beschwingt und souverän führt sie ihre Mannschaft von Clapton zu Collins und Jackson zu Queen. Das Publikum wird animiert, mit den Fingern mitzuschnippen. Während des Konzerts hört man immer wieder erstaunte Stimmen von den Kirchenbänken, "die singen ja durchweg ohne Noten." Die Stücke handeln von Liebe und Träumen und dem beginnenden "Summer in the City", dem "Sommer in der Stadt".

Aber nicht nur. Auch spiritueller Geist durchzieht das heilige Gewölbe der Kirche. "You raise me up" (dt.: "Du ziehst mich hoch") zeigt Hymnencharakter. Beim fremdländisch anmutenden Jazzkanon mühen sich die Musiker mit Zungenbrechern. Generell gestaltet sich der Wechsel von Klassik zu Pop schwierig. "Gewöhnlich werden die Sänger zuerst im klassischen Bereich ausgebildet, wo die Stimme voll klingt", erklärt Sylvia Hoffmann. "Bei Rock-Pop wird relativ flach im Kehldeckel gesungen." Es folgen stark ausgearbeitete Solipassagen bei "Tears in Heaven" (dt.: "Tränen im Himmel"). "Solang man Träume noch leben kann" überzeugt durch ausgereifte Stimmen. Bei den Zuhörern hat sich längst Gänsehautatmosphäre breitgemacht. Der Chor harmoniert prächtig beim "Halleluja", das Publikum lässt sich spontan zu Extra-Beifall ermuntern.

Doch was wäre ein Popkonzert ohne Ohrwurmklassiker? "Barbara Ann" von den Beach Boys oder "Lollipop" wird manch Konzertbesucher später auf dem Heimweg pfeifen. "Ich habe selber mal Musik gemacht", sagt Zuhörer Uwe Scowczynski nach dem Auftritt. "Aber was hier auf die Beine gestellt wurde, ist echt klasse. Ich ziehe meinen Hut!"