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| 12:36 Uhr

Umgehungsstraße
Land will Umgehung bauen – Bürgerinitiative bleibt kritisch

Lübben. Lübbener Umfahrung wird weiter geplant trotz Bedenken vor Ort. Von Ingvil Schirling

Am Dienstag war es wieder soweit. Aufgrund einer Autobahnsperrung herrschte in Lübben dichter Verkehr, zeitweise Stau. Stundenlang reihten sich vor allem Lkw, aber auch Pkw Stoßstange an Stoßstange.

Diese Situation ergibt sich in Lübben immer wieder, meist aufgrund einer Autobahnsperrung. Schon seit weit mehr als einem Jahrzehnt wird daher eine Umgehungsstraße gefordert. Im neuen Bundesverkehrswegeplan steht sie in der Kategorie „weitere Vorhaben mit Planungsrecht“ und damit nicht unter den als dringend angesehenen Projekten. Sie ist umstritten: Während sich die Brandenburger Landesregierung anlässlich einer „kleinen Anfrage“ des Abgeordneten Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen) eindeutig zur weiteren Planung für die Trasse bekennt und die Gruppe „Pro Umgehungsstraße“ um Jürgen Lüth dafür kämpft, sehen die Lübbener Bürgerinitiative gegen die Straße und der Nabu das Vorhaben unverändert kritisch und setzen zur Lösung des Verkehrsproblems stattdessen auf den innerörtlichen Ausbau.

Angesichts des Houwalddamm-Ausbaus mit zwei Verkehrsinseln und Wegfall der Fußgängerampel sagt Thomas Fischer (Nabu): „Wir freuen uns, dass es vorwärts geht, und der Stillstand vorüber ist.“ Dr. Wolfram Kinze ergänzt: „Die Inseln werden den Verkehrsfluss erleichtern.“ Mit der wahrscheinlichen Fällung der Zierkirschen hätte der Nabu kein Problem, „weil Großbäume gesetzt werden sollen. Beim innerörtlichen Ausbau sind wir uns völlig einig. Einziger Wunsch ist, dass die Ausgleichsmaßnahmen im Stadtgebiet umgesetzt werden“, sagt Kinze.

Im Grunde, sagt Thomas Liebsch von der Bürgerinitiative Treppendorf, „sehen wir uns darin bestätigt, dass der innerörtliche Ausbau alternativlos ist – ganz egal, wie man zur Umgehungsstraße steht“. Sein Argument: Kommt sie, werden die durch die Stadt führenden Bundesstraßen abgestuft, müssen zumindest teilweise künftig von der Kommune unterhalten werden. Da sei es gut, wenn die Straßen in gutem Zustand sind. Kommt sie nicht, müssen die Autos weiterhin durch die Stadt, und das wäre mit verbessertem Verkehrsfluss, Kreiseln statt Ampeln und der vom Nabu befürworteten Unterführung an den Gleisen nahe der Weinbergstraße leichter, weil Rückstaus und Kolonnenbildung vermieden würden. Ab 1. Juli soll die Lkw-Maut auf Bundesstraßen umgesetzt werden. „Es wird einen Effekt geben“, ist sich Thomas Liebsch sicher. „Wie stark der ist, weiß keiner.“

Aus seiner Sicht ist die Umgehungsstraße nach wie vor „rechtswidrig, unwirtschaftlich und naturschutzfachlich höchst bedenklich“, fasst er zusammen.

Der Kosten-Nutzen-Faktor hatte kürzlich den Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen) dazu bewogen, eine kleine Anfrage an die Landesregierung zu stellen. Darin bestätigt diese den Anstieg der geplanten Kosten um 1,4 Millionen Euro auf geschätzte 53,6 Millionen Euro – nach heutigem Stand der allgemeinen Baukostenentwicklung. „Das Verhältnis von Nutzen und Kosten stand bei der bisherigen Planung bereits auf dünnem Eis“, kommentiert Raschke. „Mit der jetzt bekannt gewordenen Kostensteigerung ist aus meiner Sicht eine Ortsumfahrung nicht mehr zu rechtfertigen.“ Das Land sei nun in der Pflicht, „alle möglichen Varianten für eine Verkehrsberuhigung in Betracht zu ziehen“.

In der Antwort auf Raschkes Fragen beziffert das Land den Anteil des Durchgangsverkehrs auf 28 (im Süden) bis 45 Prozent im Norden Lübbens. Der „Rest“ sei Binnenverkehr zwischen Start- und Zielorten innerhalb Lübbens. Auf die Frage nach der Rechtfertigung für einen fast 54-Millionen-Euro-Bau bei 6000 Kfz pro Werktag und einem hohen Anteil Binnenverkehr antwortet die Landesregierung: „Durch Ausweisung des Vorhabens im Bedarfsplan für Bundesfernstraßen wird der Bedarf einer Ortsumgehung für Lübben vom Bund festgestellt und der dafür notwendige Mitteleinsatz legitimiert.“