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| 18:28 Uhr

Umgehungsstraße Lübben
„Fleischerhaken“ ist erstmal vom Tisch

„V1“ hieß die ursprünglich favorisierte Variante für die Umgehungsstraßentrasse. Diese soll statt des „Fleischerhakens“ weiter geplant werden.
„V1“ hieß die ursprünglich favorisierte Variante für die Umgehungsstraßentrasse. Diese soll statt des „Fleischerhakens“ weiter geplant werden. FOTO: Adi Wawro
Lübben. Die Planung für die Umgehung konzentriert sich wieder auf die ursprüngliche Vorzugsvariante. Bürgerinitiative wertet das als „Teilerfolg“. Von Ingvil Schirling

Überraschende Entwicklung in der Planung für die Lübbener Ortsumgehung: Das Infrastrukturministerium ist auf die ursprünglich bevorzugte, vor Neuendorf abzweigende Variante zurückgekommen. Diese soll als Alternative zur unbeliebten Fleischerhaken-Trasse weiter geplant werden. Alles hängt nun davon ab, wie es mit dem Landesentwicklungsplan für die Hauptstadtregion (LEP-HR) Berlin-Brandenburg weitergeht.

Die Nachricht, dass das Infrastrukturministerium unter Kathrin Schneider (SPD) von der Fleischerhaken-Variante abrückt, die der damalige Minister Jörg Vogelsänger (SPD) 2011 per Basta-Wort festgelegt hatte, dürfte in der Arbeitsgruppensitzung Ende vergangener Woche wie die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen haben.

„Das Treffen war überraschenderweise und sehr kurzfristig, ohne Tagesordnung, einberufen worden“, sagt Thomas Liebsch. Er ist der Sprecher der Bürgerinitiative aus Treppendorf, die sich gegen die Fleischerhaken-Variante auch deshalb vehement wehrte, weil sie sehr eng um den Lübbener Stadtteil herumführen würde. Die Initiative hatte Mitte September den Petitionsausschuss direkt vor Ort begrüßt, auf die Probleme mit der Trasse aufmerksam gemacht und vor allem eines gefordert: Dass ein hieb- und stichfester, planerisch und rechtlich korrekter Vergleich zwischen den verschiedenen Möglichkeiten durchgeführt wird, um Lübben vom vielen Verkehr zu entlasten – innerstädtische Lösungen inklusive.

Der aktuelle Umschwung zurück zur ursprünglich favorisierten Variante kam da nicht zur Sprache. Doch schon seit Anfang September liegt einer Pressemitteilung der Stadt Lübben zufolge eine Machbarkeitsstudie dazu vor.

Die „neue“ Entwicklung begrüßt Bürgermeister Lars Kolan (SPD). „Damit liegt die von der Stadt Lübben bevorzugte ortsferne Variante wieder auf dem Tisch“, sagt er. Die Verwaltung sei erleichtert, „dass wir nun hoffentlich eine Variante bekommen, für die es mehr Akzeptanz in der Bevölkerung gibt und die Treppendorf und vor allem Neuendorf entlastet“. Dafür nehme man den Planungsverzug um zwei Jahre in Kauf.

Thomas Liebsch sieht die jüngste Entwicklung als „Teilerfolg“ für die Bürgerinitiative. „Doch das entbindet erstens nicht davon, dass alte Verfahrensfehler aufzuarbeiten sind“, erinnert er an den ausstehenden Variantenvergleich, „um zu klären, welches Vorgehen wirklich am besten wäre. Daran haben wir in der Runde erinnert, doch es gab kein Zugeständnis.“ Zweitens entlaste die „ortsfernere“ Variante Treppendorf bisher nur bis zur Berstebrücke. „Ab da wären die Trassenführungen ja gleich.“ Das ändere sich erst, wenn die Trasse um 300 Meter nach (Nord-)Westen verschoben werden würde, was vor dem Basta-Wort 2011 vom Landesbetrieb als durchaus möglich eingeschätzt worden sei. Es werde sich zeigen, spielt er auf die Kommunalwahl 2019 an, wer sich dafür einsetze.

Drittens hänge diese Variante nun davon ab, ob die Änderung im LEP-HR, auf der ihre Wiederaufnahme basiert, am Ende auch beschlossen und rechtskräftig wird. Die Rede ist von dem landschaftlichen Freiraumverbund der Neuendorfer Wiesen, die nicht zerschnitten werden sollten und deshalb zur früheren Festlegung auf die Fleischerhaken-Variante führten. Diese wurden nun planerisch von Neuendorf weg etwas kleiner gefasst. So wurde die Rückkehr zur alten Vorzugsvariante wieder möglich.

Der Nabu-Kreisverband Spreewald sagt dazu: „Die naturschutzfachlichen Probleme sind mit dieser Veränderung nicht gelöst, sondern eher größer geworden“, so Thomas Fischer. Auch die Querung der Spreeaue mit Bedenken zum Hochwasserschutz sei weiterhin unklar.

Stefan Roth hatte Unterschriften gegen die Fleischerhakenvariante gesammelt.
Stefan Roth hatte Unterschriften gegen die Fleischerhakenvariante gesammelt. FOTO: Ingvil Schirling