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| 18:10 Uhr

Kunstwerke erhalten
Pinselstriche in Pretschener Kirche

 Anna-Christin Selle retuschiert die Fehlstellen am Epitaph für Reichsgraf Ludwig von Blumenthal in der Pretschener Kirche.
Anna-Christin Selle retuschiert die Fehlstellen am Epitaph für Reichsgraf Ludwig von Blumenthal in der Pretschener Kirche. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Restauratorin bringt ein Epitaph wieder in Ordnung. Bei Finanzierung half auch ein Sponsor. Von Katrin Kunipatz

Zwei helle Scheinwerfer beleuchten das Epitaph in der Pretschener Kirche. Trotzdem ist der direkte Blick auf das Grabdenkmal durch ein Gerüst versperrt. Grund dafür sind die Restaurierungsarbeiten, die seit einem Monat durchgeführt werden.

Anna-Christin Selle steht dicht vor dem kunstvoll verzierten Epitaph. Mit einem schmalen Pinsel trägt die junge Frau Farbe auf und überdeckt damit die vielen strahlend weißen Stellen. In unterschiedlicher Größe gibt es sie überall am Epitaph. Das Retuschieren ist der letzte Schritt der Restaurierung des 1704 für den Reichsgrafen Ludwig von Blumenthal angefertigten Grabdenkmals, erklärt die Restauratorin für Wandmalerei.

Bereits 2014 sei das Epitaph erstmals gereinigt und konserviert worden, berichtet Heidemarie Weber. Sie ist Mitglied im Gemeindekirchenrat und schaut fast jeden Tag in der Kirche vorbei. Noch einmal fünf Jahre hat es gedauert, um das Geld für die Restaurierung zusammenzutragen. Ein Sponsor aus dem Ort, die Sparkassenstiftung, der Kirchenkreis Niederlausitz und die Hoffnungskirchgemeinde hätten Mittel zur Verfügung gestellt, so Weber. Außerdem bemühen sich die Pretschener, bei Konzerten in ihrer Kirche Spenden für den Erhalt der Orgel und weiterer Kunstobjekte, wie dem Tafelbild für den 1683 verstorbenen Otto Friedrich von Blumenthal, zusammenzutragen.

 Die Pretschener Kirche ist 125 Jahre alt.
Die Pretschener Kirche ist 125 Jahre alt. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Für Restauratorin Anna-Christin Selle und ihren Chef Tom Zimmermann begannen die Arbeiten in der Pretschener Kirche Anfang April. Mit ruhiger Hand und einer dünnen Spritze begann das Restauratorenteam, zuerst die vielen losen Stücke wieder festzukleben. „Holz arbeitet, und mit der Zeit lockert sich der Kreidegrund“, erklärt Selle. Der Kreidegrund wird auf das Holz aufgetragen, bevor der Künstler mit Farbe oder Blattgold die Oberfläche gestaltet. „Unser Anspruch ist es, so viel wie möglich zu erhalten“, erklärt die Restauratorin. Im Fall des Pretschener Epitaphs kam Fischleim zum Einsatz, der eine besonders große Klebekraft habe. Restauratoren bevorzugen natürliche Klebstoffe, so Anna-Christin Selle, weil sie ohne moderne Zusatzstoffe oder Lösungsmittel auskommen und deshalb nicht die Gefahr besteht, dass Untergrund oder Farbschichten angegriffen werden.

Doch nicht immer lassen sich die losen Farbschichten befestigen. Die Fehlstellen werden mit Wasser und Gips ausgefüllt und erscheinen deshalb weiß. Anschließend müssen die Fehlstellen mit Farbe so retuschiert werden, dass sie nicht mehr erkennbar sind. „Verwendet werden dafür nur Farben auf Wasserbasis, damit die nachträglichen Veränderungen reversibel sind“, sagt die Restauratorin. Am schwierigsten sei es dabei, den Goldton nachzuarbeiten. Denn neues Blattgold komme schon aus Kostengründen nicht infrage.

Pinselstrich für Pinselstrich arbeitet sich Anna-Christin Selle an dem über drei Meter hohen und zwei Meter breiten Epitaph entlang. Noch etwa drei Wochen wird sie in der Pretschener Kirche zu tun haben, bevor das Epitaph wieder vorzeigbar ist.