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| 19:35 Uhr

Toiletten in Lübben am Wochenende dicht
Pinkeln in Unfrieden

Auf dem Friedhof in Lübben kommen die Bürger wegen geschlossener Toiletten oft in Not.
Auf dem Friedhof in Lübben kommen die Bürger wegen geschlossener Toiletten oft in Not. FOTO: LR / Steven Wiesner
Lübben. Bürger beklagen seit Jahren: Auf dem Lübbener Friedhof sind die öffentlichen Toiletten nur zeitweise geöffnet. Von Steven Wiesner und Ingvil Schirling

Mal müssen müssen, aber nicht müssen dürfen. So stellt sich schon seit Längerem die Situation auf dem Lübbener Friedhof dar. Denn Toiletten sind Mangelware auf der Ruhestätte. Das stößt nicht nur Bewohner Gerold Schwarz unangenehm auf. Zu viele Besuchergruppen habe er schon gesehen, die nach Beisetzungen keine Toiletten gefunden und sich an anderen Stellen erleichtert hätten. „Die Besucher machen ins Gebüsch oder in den Lübbener Hain“, meckert er. „Diese Situation ist unzumutbar.“

Auf die prekäre Lage hinsichtlich der Toiletten am Friedhof hatte in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung auch schon die CDU/Grünen-Abgeordnete Dr. Inis Schönfelder aufmerksam gemacht. Die Lübbener Kinderärztin, die ganz in der Nähe ihre Praxis hat, sagte: „Ab und zu wird sogar bei uns geklingelt, und die Leute fragen, ob sie unsere Toiletten benutzen dürfen, weil sie keine anderen finden. Grundsätzlich ist das natürlich kein Problem, aber eigentlich auch kein Zustand.“

Zwar machte Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) richtigerweise darauf aufmerksam, dass unter der Woche durchaus Zugang zu den Toiletten auf dem Gelände bestehe. Von Montag bis Freitag nämlich können Friedhofsbesucher problemlos die im Gebäude der Friedhofsverwaltung integrierten Gäste-WCs nutzen. In dem Moment jedoch, wo kein Verwaltungsmitglied vor Ort ist und aufschließt, gibt es praktisch auch keinen Zugang mehr zu einer Toilette. Gerade am Wochenende führt das dazu, dass sich die Leute eigene stille Örtchen suchen.

Frank Neumann ist das Thema als Fachbereichsleiter Bauwesen nicht fremd. Er gab in der Stadtverordnetenversammlung zu Protokoll: „Wir haben Geld dafür eingeplant, konzentrieren uns aber im Augenblick verstärkt auf die großen Baumaßnahmen.“ Als Beispiele führte Neumann den Bau der Kita Treppendorf oder den Anbau an der Liuba-Grundschule auf. Mit den Sommerferien sei nun der Zeitpunkt gekommen, in dem auch Maler- und Renovierungsarbeiten in den Objekten anstünden. „Da haben wir das Toiletten-Thema noch nicht als allerdringendstes angesehen“, wertete Neumann in Bezug auf die Friedhofsproblematik.

Marco Sell (CDU/Grüne) zeigte dafür einerseits Verständnis. „Dennoch brauchen wir auch eine Friedhofs-Konzeption. Die Stelen sind voll, ein Friedwald fehlt, im Eingangsbereich stehen die furchtbaren Container“, zählte er auf. Sven Richter (Die Linke) unterstrich: „Die Toilette wird seit Jahren gefordert, und wir waren uns einig, auch kleinere Baumaßnahmen zu machen und in diesem Jahr auch umzusetzen.“ Passiert ist aber noch nichts.

Wie aber läuft das Geschäft mit dem Geschäft eigentlich auf anderen Friedhöfen ab? Diana Ziesche, die Leiterin der Friedhofsverwaltung Cottbus, erklärt auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Das war auch bei uns schon mal Thema. Aufgrund von Problemen mit Vandalismus hatten wir die Toiletten am Wochenende geschlossen. Aber jeden Tag standen Leute vor unserer Tür und haben sich beschwert. Deshalb sind die Toiletten zumindest auf unseren drei großen Friedhöfen jetzt wieder rund um die Uhr zugänglich.“ Anders als in Lübben befinden sich die WCs hier aber nicht im Verwaltungsgebäude. Ziesche: „Es monieren zwar immer noch vereinzelt Gäste, dass der Weg von ihrem Grab zur Toilette sehr weit sein kann.“ Aber man kann natürlich nicht neben jede Grabstätte ein Klo bauen.

In Lübben würden sie sich derweil schon über eine einzige durchgängig geöffnete Toilettenanlage freuen. Gerold Schwarz hat auch schon einen Vorschlag. „Im ehemaligen Gebäude der Friedhofsmitarbeiter kann man meiner Meinung nach Toiletten installieren“, sagt er. „Wenn man behauptet, dass das nicht möglich sei, ist das eine nicht gewollte Ablehnung.“ Schließlich sollen die Menschen doch so bald wie möglich auch wieder müssen dürfen in Lübben.

WC-Zeichen
WC-Zeichen FOTO: neapol/fotolia