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| 17:25 Uhr

Übergang zur KDSD
Krankenhaus-Physio steht vor Übergang in Tochterunternehmen

  Die Spreewaldklinik will die Physiotherapie in eine hauseigene Dienstleistungsgesellschaft überführen. Das sorgt für Verunsicherung und Unmut.
Die Spreewaldklinik will die Physiotherapie in eine hauseigene Dienstleistungsgesellschaft überführen. Das sorgt für Verunsicherung und Unmut. FOTO: Foto: Prof. Dr. Sven Michel
Lübben. Das Klinikum Dahme-Spreewald will seine Physiotherapien in die hauseigene Dienstleistungsgesellschaft überführen. Geschäftsführer Michael Kabiersch schließt betriebsbedingte Kündigungen aber aus. Von Ingvil Schirling

Die Zukunft der Krankenhaus-Physiotherapien in Lübben und Königs Wusterhausen hat für Unruhe gesorgt. Seit Ende vergangener Woche ist klar: Die Mitarbeiter werden aller Voraussicht nach in die Tochtergesellschaft des Klinikums Dahme-Spreewald überführt. So hat es die Gesellschafterversammlung am Donnerstag beschlossen. Den Sorgen des Betriebsrats setzt Geschäftsführer Michael Kabiersch den Ausbau und die Verstärkung des Angebots entgegen. Er sieht zudem Verbesserungen für die Patienten.

Heiße Debatte beim Kreistag

Die Ausgangslage wurde während der jüngsten Kreistagssitzung in Lübben heiß diskutiert. Der Landkreis ist nach wie vor Mehrheitseigentümer des Klinikums Dahme-Spreewald mit 51 Prozent – wirtschaftlich verantwortlich ist aber dieses selbst. Und die Probleme liegen einerseits in einer Deckungslücke begründet. Andererseits brachte die bisherige Lage suboptimale Bedingungen für die Patienten mit sich.

Landrat Stephan Loge (SPD) versuchte zu Beginn der Sitzung, beides sowohl den Kreistagsabgeordneten als auch den Vertreterinnen der Betroffenen um die Betriebsratsvorsitzende Heike Laukamp zu erklären.

Kernproblem Kassenerstattung

19 Physiotherapeuten arbeiten an den beiden Standorten des Klinikums, dem Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen und der Spreewaldklinik in Lübben. Das Kernproblem liegt laut Landrat Loge in der Erstattung der Kassen. Während Physiotherapeuten am Krankenhaus ihm zufolge bis zu einem Drittel mehr verdienen als in freien Praxen, erstattet die Kasse weniger als für deren Mitarbeiter. Die Ungleichbehandlung basiert auf gesetzlichen Voraussetzungen. Die entstehende Lücke gleicht bisher das Klinikums aus. Das müsste sie weiterhin, aber durch die Überführung in die Dienstleistungsgesellschaft des Klinikums (KDSD) würde der Anteil der Kassen steigen.

Aus Patientensicht gibt es bisher noch eine ganz andere Lücke – nämlich die der Versorgung. Wer im Krankenhaus operiert wurde und anschließend durch die hauseigene Physiotherapie betreut wird, muss nach der Entlassung in einer freien Praxis einen Termin anfragen. Denn die stationäre Physiotherapie ist an das Haus gebunden. Der Wechsel der Praxis bringt für den Betroffenen aber oft lange Wartezeiten mit sich, in denen Heilung und Bewegung durch externe Hilfe nicht weiter gefördert werden können. Mit dem Übergang in die Dienstleistungsgesellschaft dürften die Physiotherapeuten ihre Patienten hingegen weiter behandeln.

Betriebsrat sieht Qualität in Gefahr

Aus Sicht des Betriebsrats wiederum ist es besorgniserregend, „einen medizinischen Fachbereich in einen nichtmedizinischen zu überführen“, warnt dieser (die LR berichtete). Die perspektivische Qualitätssicherung wird als „hochkritisch“ eingeschätzt, und Ziel des Arbeitgebers sei es, „zukünftig Lohnkosten einzusparen“.

Dem widersprach Landrat Stephan Loge deutlich. Allein schon durch den Übergang nach Paragraf 613 BGB muss der künftige Arbeitgeber in die Rechte und Pflichten des bisherigen eintreten. „An Kürzung braucht man nicht zu denken“, sagte er auf LR-Nachfrage. Geschäftsführer Michael Kabiersch: „Im Zuge dieser internen Neuanbindung wird es keine organisatorischen und inhaltlichen Verflechtungen zwischen den Bereichen geben, und demzufolge selbstverständlich auch keine betriebsbedingten Kündigungen.“

Die Idee geht demnach in eine andere Richtung. Das ambulante physiotherapeutische Angebot soll eher ausgebaut und die Teams verstärkt werden. „Die Maßnahme bietet gleichsam die Möglichkeit, die poststationäre Betreuung der Patienten zu optimieren, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen und eine bestehende Versorgungslücke im ambulanten Bereich zu schließen“, argumentiert Kabiersch.

Ob die Veränderung – wie dem Betriebsrat zufolge angestrebt – schon zum 1. Juli wirksam wird, ist offen. Landrat Stephan Loge zufolge muss erst noch die Kassenärztliche Vereinigung zustimmen.

  Die Spreewaldklinik will die Physiotherapie in eine hauseigene Dienstleistungsgesellschaft überführen. Das sorgt für Verunsichrung und Unmut.
Die Spreewaldklinik will die Physiotherapie in eine hauseigene Dienstleistungsgesellschaft überführen. Das sorgt für Verunsichrung und Unmut. FOTO: Foto: Prof. Dr. Sven Michel