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| 02:44 Uhr

Pflege in LDS unter der Lupe

ASB-Geschäftsführerin Helga Meier (r.) führt die Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (2.v.l.) und weitere Gäste durch das "Betreute Wohnen".
ASB-Geschäftsführerin Helga Meier (r.) führt die Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (2.v.l.) und weitere Gäste durch das "Betreute Wohnen". FOTO: asd1
Lübben/Luckau. Gefragt sind stimmige Handlungskonzepte und gute Praxisbeispiele: Zum Abschluss ihrer pflegepolitischen Tour durch das Land hat Brandenburgs Sozialstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (Linke) gestern in Lübben und Luckau Halt gemacht. Beim Besuch des ASB-Mehrgenerationenhaus in Lübben zeigte sie sich vom Konzept des Pflegeträgers überzeugt. Andreas Staindlund Daniel Friedrich

Dort, im Haus der Gartenstraße 14, befinden sich betreutes Wohnen, behindertengerechte Wohnanlage, Sozialstation und Tagespflege unter einem Dach.

Dennoch gibt es Sorgen. Die neuen Pflegegrade würden sich finanziell kaum noch unterscheiden, wie Sven Meier, Verwaltungs- und Finanzleiter beim ASB, sagt: "Wir müssten Leute mit hohem Pflegebedarf in unserer Tagespflege eigentlich ablehnen." Er befürchtet, "dass Patienten auf der Strecke bleiben. Ambulant vor stationär wäre nicht mehr möglich." Die Staatssekretärin will die Problematik im Auge behalten: "Wir müssen beobachten, wie die neuen Pflegegrade in der Praxis wirken. Wenn nötig, werden wir beim Bund auf Veränderungen drängen." Grundsätzlich sehe sie die Pflege im Süden des Dahme-Spreewald-Kreises sehr gut aufgestellt. Pflegedienstleiter René Brockmann gibt jedoch zu bedenken: "Wir bekommen nicht alle notwendigen Leistungen bezahlt. Außerdem rechnen sich für den Pflegedienst auf dem Land die Fahrten zu den Patienten oft nicht."

Diese Probleme kennt der DRK Kreisverband Fläming-Spreewald in Luckau nur zu gut. Täglich legen die Pflegekräfte weite Wege zurück, um Patienten zu Hause zu versorgen oder zur Tagespflege nach Luckau zu bringen. "Für unseren ländlichen Raum muss es andere Vergütungsansätze der Fahrtwege geben", meint Einrichtungsleiterin Marina Breszgott, "zumal wir unsere Fachkräfte auch während der Fahrzeit bezahlen müssen, in der sie gar nicht pflegerisch tätig sind." Bereits jetzt sei die Nachfrage nach häuslicher und Tagespflege deutlich höher, als es der Personaldecke hergäbe. Dabei spielt auch der Fachkräftemangel eine Rolle. Marina Breszgott wünscht sich von der Staatssekretärin eine "bessere Lobby für die Pflege". Es müsse ein Umdenken bei der Bevölkerung stattfinden: "Altenpflege darf nicht als Problem, sondern sollte als gesellschaftliches Thema verstanden werden." Bislang würden sich viele Menschen erst für Pflege interessieren, wenn sie selbst davon betroffen sind. Auch über eine Finanzierung der Pflegeaufwände durch Steuermittel müsse nachgedacht werden, um die Pflegebeiträge nicht erhöhen zu müssen.

Almuth Hartwig-Tiedt will alle Hinweise, die sie auf ihrer Brandenburg-Tour erhalten hat, in die Regierungsarbeit aufnehmen. Bis dahin bleibt der Lübbener ASB-Geschäftsführerin Helga Meier nur ihr Optimismus: "Wir machen das Beste aus der Situation."

Den Senioren über die Schulter geschaut: Almuth Hartwig-Tiedt informiert sich beim DRK in Luckau über die Tagespflege.
Den Senioren über die Schulter geschaut: Almuth Hartwig-Tiedt informiert sich beim DRK in Luckau über die Tagespflege. FOTO: D. Friedrich