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Peter Schapp: Kahnsdorfer waren ein geselliges Volk

Am Samstag, dem 19. Mai, um 14 Uhr werden sich die ehemaligen Kahnsdorfer, ihre Kinder und deren Familien wieder treffen – diesmal am neuen Gedenkstein am Rande des entstehenden Bischdorfer Sees. Dort werden sie sich an ihre Heimat erinnern, die vor 20 Jahren dem Tagebau weichen musste. Einer, der sein Kahnsdorf nicht vergessen wird, ist Peter Schapp. Er wurde dort im Jahr 1951 geboren und ist in diesem Dorf aufgewachsen. Von Hannelore Kuschy

Als Jugendlicher hat er sich in Kahnsdorf wie viele andere auch sehr wohl gefühlt. In Kahnsdorf hat es die größte Disko weit und breit gegeben. Die Jugendlichen sind mit dem Zug von was weiß ich woher zum Tanzen gekommen , erzählt Peter Schapp, während ihm der Wind am Bischdorfer See um die Ohren weht. Kahnsdorf sei ein gesundes, wohlhabendes Dorf gewesen. Jedes Jahr hätten die Einwohner Fastnacht, Kirmes, Schützenfest und ihr Dorffest gefeiert. Was dem heutigen Radduscher damals besonders gefallen hat, war der Zusammenhalt unter den Familien in Kahnsdorf. Das war riesig , sagt er und glaubt, dass so etwas heute kaum noch denkbar ist. Das Dorf hatte seinen Konsum, eine Kneipe und bis zum Jahr 1966 sogar eine eigene kleine Schule. Die war im Jahre 1913 auf dem Grundstück einer ehemaligen Schäferei errichtet worden, bis 53 Jahre später die Einklassenschule aufgelöst und der Unterricht nach Raddusch verlegt wurde.
1976 trat Kahnsdorf dem Vetschauer Gemeindeverband bei. Acht Jahre später bereits wurde mit den Aufschlussarbeiten für den Tagebau Seese-Ost begonnen. Damit verbunden war die Zwangsumsiedlung. Kahnsdorf ist nicht wie einige Dörfer heutzutage an anderer Stelle neu aufgebaut worden. Die Familien sind nach DDR-Recht, also nur geringfügig entschädigt worden. Es hat Zuweisungen für Wohnungen und Grundstücke gegeben , erinnert sich Peter Schapp. Einige Familien sind in den nach dem Ort benannten Kahnsdorfer Block in der Vetschauer Neustadt gezogen, andere in die nähere Umgebung oder auch nach Lübben. Im September 1987 wurde das Gemeindebüro von Kahnsdorf geschlossen. Im selben Jahr wurden alle Gebäude mit dem Bagger abgetragen, massive Häuser wie die alte Dorfschule wurden gesprengt. Ein Jahr später hörte Kahnsdorf auf zu existieren. Restflächen gingen in den Radduscher Besitz, heute den Vetschauer, über.
Seit dieser Zeit treffen sich ehemalige Einwohner und ihre Familien, weil sie ihr Dorf, das am 26. Juli 1503 erstmals urkundlich erwähnt worden war, nicht vergessen können. In der Göritzer Bauernküche sind wir immer zusammengekommen, an die hundert bis 140 Leute waren es , zählt Peter Schapp auf. In diesem Jahr nun jährt sich die Überbaggerung zum 20. Mal. Ein Gedenkstein mit der Aufschrift Hier war unsere Heimat. Sie bleibt unvergessen auf ehemaligem Kahnsdorfer Gebiet soll an das einstige Dorf erinnern.
Mit einem Gedenkgottesdienst um 14 Uhr beginnt am 19. Mai das Treffen der Kahnsdorfer. Frauen werden Kuchen backen und würden sich freuen, wenn recht viele dorthin kämen.