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Perspektivwechsel im Gottesdienst

Zum Weltgebetstag hatten sich Christen in Lübben im versammelt. Ein Buffet offenbarte sich die kulinarische Vielfalt.
Zum Weltgebetstag hatten sich Christen in Lübben im versammelt. Ein Buffet offenbarte sich die kulinarische Vielfalt. FOTO: F. Dorn
Lübben. Philippinen sind atemberaubende Insellandschaft, Urlauber- und Taucherparadies. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. red/bt

Kürzlich richtete sich der Blick in Lübben und weltweit auf Armut, Hunger und Drogenkrieg - auf die Schattenseiten des Inselstaates. Etwa 60 Christen verschiedener Konfessionen trafen dafür beim Weltgebetstag im Richard-Raabe-Haus aufeinander.

"Was ist den fair?" fragen philippinischen Frauen in der Liturgie, die sie dafür erarbeitet haben. Auf der Suche nach einer Antwort hat man in Lübben eine Geschichte aus dem Matthäusevangelium inszeniert. Im Gleichnis vom Weinberg lassen Ute Lehmann, Christine Bartsch, Rosa-Maria Schultze und ihre Mitstreiterinnen als Tagelöhner über gerechte Entlohnungspraxis nachdenken.

Die Bibelszene und Berichte philippinischer Frauen schlagen den Bogen zur Lebenswirklichkeit in dem Inselstaat, wo die Menschen mit den Folgen einer misslungenen Agrarreform zu kämpfen haben, wie Ute Lehmann berichtet. Seit 25 Jahren engagiert sie sich für den Weltgebetstag in Lübben. Bei den Gästen wirbt sie um Hilfe für Kleinbauern auf den Pazifikinseln. Als Symbol dafür lässt sie Tütchen mit philippinischem Reis verteilen. Gespendet haben die Gottesdienstbesucher außerdem für Frauenprojekte.

Bereits im Januar hat das achtköpfige Team mit den Vorbereitungen begonnen, um den Besuchern die Probleme des Landes erlebbar zu machen, berichtet Kirchenkreissprecherin Franziska Dorn. Außerdem sollten mit Musik und Essen die Sinne der Gläubigen angesprochen werden. Kantor Johannes Leonardy und Bettina Ullmann begleiteten die philippinischen Gottesdienstlieder. Die kulinarische Vielfalt offenbarte sich am übervollen Buffet. Zu den Köchinnen gehörte auch Christine Bartsch. "Mich hat das Thema gefesselt. Das Wort ‚fair‘ ist ein Beziehungswort. Es beschreibt, wie Dinge und Menschen in Beziehung zueinanderstehen. Bei den Philippinen denke ich über den Widerspruch zwischen Urlauberparadies und Gewaltschauplatz nach. Mich bewegen die Schicksale der Frauen, die zum Arbeiten ihre Heimat verlassen müssen", sagt sie.

Der Weltgebetstag ist eine weltweite Bewegung christlicher Frauen. Er wird jährlich von Frauen aus einem anderen Land vorbereitet. Wie in Lübben wurde im Kirchenkreis Niederlausitz an 20 verschiedenen Orten mit mehr als 500 Gästen gefeiert.

"Dieser Erfolg ist vor allem Marlies Siegert zu verdanken. Sie hat als Frauenbeauftragte das Thema in den Kirchengemeinden etabliert", resümiert Sprecherin Franziska Dorn.