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Per Fahrrad die Heimat neu entdeckt

Lübben.. Gestern mischt sich eine Gruppe radelnder RUNDSCHAU-Leser unter die Touristen rund um Lübben. Die Heimatzeitung hat zur traditionellen Sommertour eingeladen. Fast 25 Interessierte, vornehmlich reifere Jahrgänge, wollen zum Auftakt dabei sein. Von Andreas Staindl

Die Schlossinsel ist Ausgangspunkt der Tour. Schon hier macht Konrad Heidenreich Lust auf eine Fahrt mit Abwechslung und Entdeckungen. Er führt die Truppe und verweist auf so manches Detail am Wege, das man allein wohl kaum wahrgenommen hätte.
„Ich kenne mich recht gut rund um Lübben aus, bin oft mit dem Fahrrad unterwegs. Doch erstens macht es in der Gruppe mehr Spaß. Und zweitens erklärt Konrad Heidenreich Dinge, an denen man sonst achtlos vorbeifährt, weil man nichts davon weiß“ , bestätigt Herbert Mularczyk. Besonders die historischen Zusammenhänge hätten ihn interessiert.
Für ganz knifflige Fragen war noch Paul Budich dabei. Der Rentner lebt in Steinkirchen und ist mit den nahen Wiesen- und Waldflächen bestens vertraut. „Ich weiß schon einiges zu erzählen, bin schließlich hier aufgewachsen“ , betont er. Dennoch oder gerade deshalb nutzte er gestern die Sommertour der RUNDSCHAU.
Die beginnt mit Treppensteigen am Bootsverleih. „Die Brücke am Strandcafé hat symbolischen Charakter. Sie stellt die Grenze zwischen Unter- und Oberspreewald dar“ , erklärt Heidenreich und verweist auf die frühere Bedeutung des Bauwerkes bei der Besiedlung Lübbens. Kurz erwähnt er, dass es zur Wasserregulierung 80 Wehre und Schleusen im Spreewald gibt.
Dann geht es los Richtung Burglehn. Einige Radler kennen sich gut aus, fahren am Campingplatz entlang und schenken sich so die Stufen am ehemaligen Freibad. Die anderen müssen vom Rad. Doch Heidenreich hat ohnehin einen Halt geplant. Er erzählt, dass er bei der Pflanzung am Campingplatz mitgemacht habe. Für Gäste der Stadt erinnert er an das „leider nicht mehr existierende Freibad“ .
Die zentrale Rolle Burglehns für die Slawen dürfte sogar für Einheimische interessant gewesen sein. Heidenreich zieht einen Vergleich zur Slawenburg bei Raddusch und schwingt sich wieder in den Sattel.
Burglehn bleibt rechts liegen. Die Gruppe fährt Richtung Steinkirchen. An der Kirche ist ein Stopp geplant. „Im 13. Jahrhundert erbaut, zählt die Kirche vermutlich zu den ältesten Stein-Kirchen der Niederlausitz“ , erklärt Heidenreich. Errichtet worden sei sie aber als Holzkirche. Hier ist das Grab Ernst von Houwalds. Bevor es weitergeht, entledigen sich etliche Teilnehmer ihrer Jacken. Die Sonne meint es gut, die Bewegung an frischer Luft heizt den Körper auf.
Über die Aue geht es in Richtung Polder weiter. Die Jugendherberge bleibt links liegen und wird erst auf dem Rückweg angesteuert. Der Radweg führt entlang von Wiesen, kleiner Gräben und Waldflächen. Am Himmel kreisen Vögel und machen neugierig. Einige Sommertourler haben Ferngläser dabei, halten und beobachten die Tierwelt. Die Truppe wieder einzuholen ist kein Problem; auch nicht für die neunjährige Julia Stauffenberg. Sie ist die Jüngste der Gruppe und mit den Großeltern unterwegs. „Radfahren macht Spaß. So anstrengend ist die Tour ja nicht“ , sagt Julia. Schließlich hatte Oma reichlich Verpflegung mit. Sie erzählt: „Wir sind oft mit den Enkeln per Fahrrad rund um Lübben unterwegs. Klar, dass wir das RUNDSCHAU-Angebot annahmen.“
Umgeben von Polderflächen und im Schatten eines Wäldchens legt die Gruppe den nächsten Stopp ein. Konrad Heidenreich erzählt, dass die Flächen in den 60er, 70er Jahren melioriert wurden und das Wasser nach der Wende große Probleme bereitete. Die Wiesen seien oft überschwemmt worden. Inzwischen habe der Naturschutz die Feuchtwiesen gekauft, was er für „eine gute Sache“ hält. So manche Diskussion habe es jedoch mit Steinkirchener Bauern gegeben. Auch Paul Budich hatte Flächen im Poldergebiet. „Da hängen eine Menge Herzblut und Erinnerungen dran“ , gesteht er. Regelmäßig ist der Rentner mit dem Rad unterwegs; häufig mit Abstecher zum einstigen Eigentum.
Zur Sommertour konnte er Interessantes beisteuern. So ist die Ragower Kahnfahrt ihm bestens vertraut. Hier verweist Heidenreich auf den unterschiedlichen Ausbau der Radwege. Die Strecke nach Lübbenau sei gut, der Weg über den Damm Richtung Lübben hingegen beschwerlich, wovon sich die Gruppe überzeugte.
„Es wäre schön, wenn dieser Abschnitt bis zur Jugendherberge etwas geglättet werden könnte“ , sagt Herbert Mularczyk und ergänzt: „Dort sind viele Radler unterwegs. Gut ausgebaut, wäre die Strecke noch attraktiver.“
Die führt am alten Pumpenhäuschen vorbei, das heute vom Naturschutz genutzt wird. An der Jugendherberge endet die Sommertour. Hier breitet Heidenreich Karten aus und erklärt Flächen und Zusammenhänge. „Der hat das gut gemacht“ , lobt Paul Budich. Dem abschließenden Beifall nach zu urteilen, hatten auch die übrigen Teilnehmer ein schönes Erlebnis.

Sommertour 2003 Nächste Termine
 Eine Führung durch das Neuhaus und Besuch der dortigen Ausstellung setzt die Sommertour der RUNDSCHAU am Donnerstag, 10. Juli, fort. Dafür sind noch Anmeldungen unter 03546/22 51 21 entgegen.