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Abstellplätze gesucht
Parkplatzmangel erhitzt in Lübben Gemüter

Aus der Not heraus wird derzeit zum Parken eine Freifläche gegenüber dem Lübbener Bahnhof genutzt. Die Situation ist nicht nur für Autofahrer prekär, sondern auch für pendelnde Radler, die für ihre Fahrräder ebenfalls zu wenig Stellflächen in Bahnhofsnähe zur Verfügung haben. Foto: Ingvil Schirling
Aus der Not heraus wird derzeit zum Parken eine Freifläche gegenüber dem Lübbener Bahnhof genutzt. Die Situation ist nicht nur für Autofahrer prekär, sondern auch für pendelnde Radler, die für ihre Fahrräder ebenfalls zu wenig Stellflächen in Bahnhofsnähe zur Verfügung haben. Foto: Ingvil Schirling FOTO: Ingvil Schirling / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Lübben . Letzte Hoffnung Aldi-Parkplatz – Lübbener Pendler kennen das. Die Situation spitzt sich seit Jahren immer weiter zu. Aus der Not heraus werden seit Längerem letzte freie Flächen an der Kasernenstraße gegenüber dem Bahnhof belegt und zum Parkplatz umfunktioniert. Beides keine wirklich legalen Lösungen.

Mehr noch: Wer mit dem Rad zum Bahnhof fährt, um sich das morgendliche Parkplatzdrama zu ersparen, muss ebenfalls „kreativ“ werden. Auch für Radfahrer reichen die Abstellflächen längst nicht mehr aus.

Nicht neu, aber mehr als dringlich – vor diesem Hintergrund hatte die Fraktion CDU/Grüne einen Antrag gestellt (die LR berichtete), der in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung breite Unterstützung fand.

Einstimmig, ohne Enthaltung, ist die Verwaltung ab sofort beauftragt, „kurz-, mittel- und langfristige Lösungsmöglichkeiten zur Behebung des Parkplatzmangels sowie zur Erhöhung der Fahrradabstellmöglichkeiten zu erarbeiten“, heißt es im Text.

Die bisherige Idee, mittels Tunnel die Majoransheide mit dem Bahnhof zu verbinden und dort Parkplätze zu schaffen, ist damit nicht vom Tisch. „Wir brauchen den Tunnel“, sagte Jens Richter als Fraktionsvorsitzender von CDU/Grüne in der Begründung zum Antrag. Das sei aber doch eher eine längerfristige Maßnahme.

Gelöst werden muss der Parkplatzmangel aber schnell. Die Zahl der Pendler steigt. Das „Wildparken“ auf den Grünflächen gegenüber wird nicht mehr möglich sein, wenn diese zum Bau weiterer Häuser genutzt werden. Und Wohnungen werden in Lübben ebenso dringend gebraucht.

Von Seiten der Verwaltung sprach Bürgermeister Lars Kolan (SPD) Überlegungen an, eine Fläche an der Waisenstraße/Ecke Bergstraße zu nutzen. Die 1900.Quadratmeter werden derzeit ihm zufolge als Wald betrachtet, des Baumbestands wegen. „Mit den Fällgenehmigungen und der Planung sind wir da auch nicht so schnell“, sagte er und räumte ein: „Eine kurzfristige Lösung binnen zwei, drei Monaten werden wir nicht organisieren können.“

Andere Flächen, wie etwa gegenüber der Einmündung Logenstraße von der Bahnhofstraße aus, stünden zur Verfügung, seien aber weiter weg. Weitere Überlegungen führen in die Richtung, fürs Parken Flächen zu kaufen – was nichtöffentlich in der Stadtverordnetenversammlung tiefer diskutiert wurde.

Allerdings gaben sich die Abgeordneten mit diesen ernüchternden Aussagen keineswegs zufrieden. Im Gegenteil: Die Diskussion legte an Schärfe zu. „Das Thema Fahrradstellplätze wäre relativ einfach in den Griff zu kriegen“, sagte Andreas Rieger (CDU/Grüne). „Es gab auch schon einmal eine Beschlussvorlage dazu.“ Christoph Kindler und Peter Schneider (Die Stadtfraktion) sehen das ähnlich. „Mit wenig Aufwand könnte man im Bereich des Glaskastens rund 30.Fahrradständer aufstellen, das wäre sogar überdacht“, schlug Peter Schneider vor. Er werbe dafür, „aus dem Haus hier rauszugehen und sich das anzuschauen“, sagte er spitz. „Ich lasse mir nicht den Schwarzen Peter zuschieben, dass wir irgendwas nicht erkannt hätten“, erwiderte Lars Kolan. „Wir sind in der Diskussion irgendwo stecken geblieben und müssen die wieder aufnehmen.“

Doch das Wortgefecht zwischen den beiden erstreckte sich weiter bis zum Zustand des Gehweg-Provisoriums an dem Bahnhofstraßenabschnitt, der zurzeit gebaut wird. Mit Rollator oder Rollstuhl ist kaum ein Durchkommen. „Ich habe den Eindruck, dass da nichts umgesetzt worden ist. Das wird durchgezogen bis zum letzten Tag, dabei könnte man mit kleinen Mitteln beispielsweise Split auffüllen. Ich verstehe nicht, warum wir uns hier so schwer tun“, sagte Peter Schneider.

Die Unzufriedenheit der Stadtverordneten war deutlich, der Beschluss am Ende ebenfalls. Stadtverordnetenvorsitzender Peter Rogalla (Die Linke) aber sagte: „Es liegt auch an den Stadtverordneten, die Umsetzung der Beschlüsse einzufordern.“