Peter Fiolka tanzt ausgelassen mit den Mädels. "Allein würde es mir keinen Spaß machen." Doch, sich mit den Zwölftklässlerinnen zur Musik zu bewegen gefällt ihm. Der 58-Jährige ist einer von zahlreichen Menschen mit Behinderung, die seit Jahren zu gemeinsamen Veranstaltungen mit dem Lübbener Gymnasium eingeladen werden. "Wenn es meine Schicht zulässt, bin ich dabei", erzählt Peter Fiolka. Während des Faschings ist er in die Rolle eines Arztes geschlüpft.

Sechs bis acht Mal jährlich gibt es gemeinsame Aktivitäten, wie Ute Stoewe sagt. Die Lehrerin und ihre Kollegin Martina Zimmer leiten den Pädagogikunterricht. Dieser findet nicht nur im Klassenzimmer statt. Die Schüler helfen beispielsweise in der Waldschule in Lübben-Börnichen, in der Förderschule in Lubolz, auch in Kitas, schnuppern sozusagen Praxisluft. Und sie kooperieren mit dem Betreuungsverein Lebenshilfe Brandenburg in Lübben.

Die jeweiligen Elftklässler sichern von Ostern eines Jahres bis zum Fasching des folgenden Jahres - dann schon als Zwölftklässler - Aktivitäten mit Behinderten. Anne Boschan ist dankbar für diese Erfahrung. "Das ist Pädagogik zum Anfassen. Während der Begegnung mit behinderten Menschen lernt man mehr, als während des theoretischen Unterrichts."

Praxis vertieft quasi den Unterrichtsstoff, ergänzt Maxi Herzog. "Wir können das ausprobieren und anwenden, was wir theoretisch gelernt haben." Wie geht man mit Menschen um, die Einschränkungen haben, vielleicht langsamer sprechen, sich unsicher bewegen? Das Rüstzeug wird den Schülern im Pädagogikunterricht vermittelt.

Und doch gibt es anfangs Berührungsängste. "Durch die Begegnungen mit behinderten Menschen werden uns unsere Ängste genommen", sagt Jenny Biedron. "Ich bin sehr froh, dass ich entsprechende Erfahrungen sammeln darf." Die Zwölftklässlerin möchte später vielleicht Erzieherin werden. Auch Maxi Herzog könnte sich einen sozialen Beruf vorstellen. "Entscheidend ist, dass die Jugendlichen etwas fürs Leben lernen", sagt Ute Stoewe. "Der Kontakt zu Behinderten hilft dabei."

Ein Selbstläufer ist der nicht. "Anfangs ist es ziemlich verkrampft", erzählt Anne Boschan. "Wir übernehmen dann die Initiative, so wie wir es im Unterricht gelernt haben, dann wird es schnell besser."

Günter Jank hat die Gymnasiasten längst in sein Herz geschlossen. Der 56-Jährige hatte sich jetzt zum Fasching als Clown verkleidet, redet munter drauf los, auch wenn die Worte nicht so heraussprudeln. "Ich fühle mich hier wohl", sagt er. Die Feier der Zwölftklässler und der Behinderten ist gelebte Inklusion. Niemand wird ausgegrenzt. Auch die Annemarie-Polka tanzen alle gemeinsam.