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| 01:09 Uhr

„Ostalgie“ im Zauer Lesecafe

Zaue.. Die DDR ist Geschichte, doch nicht vergessen. Am Samstag war im Lesecafé auf dem Bauernhof Rademacher in Zaue Gelegenheit zum Rückblick. Hans-Joachim Winter aus Frankfurt/Oder stellte sein Buch „Und der Zukunft zugewandt“ vor. Andreas Staindl

Acht meist ältere Gäste lauschten bei Kaffee und Kuchen und diskutierten anschließend über das fast 400 Seiten starke Werk.
Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnisse im Dienst der CDU in der DDR hat der Autor aufgeschrieben. Er wehrt sich gegen das Vorurteil, die DDR sei ein einziger Unterdrückungsapparat gewesen, wo man einzig in Nischen ausweichen konnte.
Für ihn war die DDR vier Jahrzehnte lang Lebensraum für 17 Millionen Deutsche, mit all ihren Freuden und Ängsten. Mittendrin hatte sich Winter eingerichtet. Er war hauptamtlich bei der CDU beschäftigt, Instrukteur im Frankfurter Bezirkssekretariat und bei der CDU-Presse. Die Christdemokraten gehörten neben der LDPD, dem DBD und der NDPD zu den so genannten Blockparteien in der DDR.
"Wir haben doch nicht nur in dumpfer Trauer gelebt", wehrt sich der Autor gegen ein Vorurteil. Im Buch erzählt er, "wie die DDR praktisch funktionierte".
Den ersten Abschnitt widmet er der Wohnungsfrage, „mitte der 60er Jahre ein Thema vieler junger Leute“ . Winter erinnert an das aufgelegte Wohnungsbauprogramm zur Lösung des Problems: "Und doch war Vitamin B nötig." Er erzählt von seiner ersten Wohnung, die er 1967 bezog und „Sperlingsnest“ nannte. Später genoss er die "Privilegien von DDR-Systemträgern" und bezog eine Drei-Raum-Wohnung vom Typ P 2 mit Durchreiche.
Winter ließ sich in den 70er Jahren als Vorsitzender eines Wohnbezirksausschusses wählen. "Es hatte sich niemand anderes gefunden", sagt er fast entschuldigend.
Er gerät ins Schwärmen, wenn er von der Bildung der Hausgemeinschaften berichtet, von der Gestaltung des Wohnumfeldes. Fast scheint es, als trauere er der Vergangenheit nach. Am Samstag traf er damit den Nerv der Anwesenden.