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| 18:53 Uhr

LR-Sommertour 2019
Ordnung im Wald ist brandgefährlich

 Die Balancierkünste der Wanderer waren gefordert, als der Weg eine feuchte Niederung durchquerte.
Die Balancierkünste der Wanderer waren gefordert, als der Weg eine feuchte Niederung durchquerte. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Goyatz. Mit zwei Revierförstern erkunden RUNDSCHAU-Leser die Natur im Leichardt-Land. Mit interessanten Erkenntnissen. Von Katrin Kunipatz

Mit der Aussicht auf eine kurze Wanderung über schattige Waldwege lockte die RUNDSCHAU am Dienstag ihre Leser nach Goyatz an den Schwielochsee. Gesprächsthema Nummer eins war der aktuelle Waldbrand in der Lieberoser Heide. Romeo Buder, in dessen Revier es brennt, berichtete, dass er noch in der Nacht gemeinsam mit Waldarbeitern eine Schneise an der ehemaligen Bahnstrecke geschlagen habe. So wolle man verhindern, dass das Feuer die Orte Klein und Groß Liebitz gefährdet. Die für die LR-Sommertour ausgewählten Natur- und Erlebnispfade im Leichhardt-Land waren weit entfernt vom Brandgeschehen.

Der Schwielochsee nördlich von Goyatz sowie der Große und der Kleine Mochowsee südlich des Ortes prägen die Landschaft. Entstanden sind sie nach der Weichsel-Eiszeit, berichtet Revierförster Romeo Buder. Denn Goyatz befindet sich im Abflussbereich der Lieberoser Endmoräne, deren 200 Meter hoher Eisschild bis zum Cottbuser Berg reichte. Geblieben sind vor allem Sandböden, die in einigen Bereichen von Lehmschichten durchzogen sind, aber auch feuchte Niederungen. Dementsprechend hat sich die Pflanzenwelt entwickelt.

  In diesen Baum hat ein Blitz eingeschlagen, erklärt Romeo Buder (l.).
In diesen Baum hat ein Blitz eingeschlagen, erklärt Romeo Buder (l.). FOTO: LR / Katrin Kunipatz

„Typisch für die Region sind Kiefern“, erklärt Revierförster Oliver Oswald, durch dessen Verantwortungsbereich die Wanderung führt. Er kennt im Wald nicht unbedingt jeden Baum, weiß aber, welcher Schlag welchem Waldbesitzer gehört und welche Pläne er oder sie mit dem Wald hat. Werden Kiefern als Nutzholz sehr dicht gepflanzt, sind die Bäume gezwungen, schnell in die Höhe zu wachsen. Entsprechend schlank bleiben die Stämme und klein die Kronen. Bleiben diese Kiefern dicht stehen, entwickelt sich kaum grünes Unterholz. Selbst wenn diese Wälder scheinbar ordentlicher aussehen, wie einige Teilnehmer feststellen, hat Feuer dort leichtes Spiel. Klar wird dies, als Romeo Buder auf eine Kiefer zugeht. Dürre Äste brechen laut unter seinen Schuhen. Trockenes Gras raschelt. Meter lange Risse sind am Stamm erkennbar. Harz quillt daraus hervor. Vor der Kiefer ist der Boden aufgewühlt. „In diesen Baum hat ein Blitz eingeschlagen“, sagt Buder. Zu einem Brand kam es nicht. Der Baum selbst werde überleben, wenn es ihm gelingt, mit genügend Harz die Wunde zu verschließen.

 Revierförster Oliver Oswald (l.) erläutert, wie der natürliche Waldumbau in diesem rund 100 Jahre alten Kiefernwald passieren soll.
Revierförster Oliver Oswald (l.) erläutert, wie der natürliche Waldumbau in diesem rund 100 Jahre alten Kiefernwald passieren soll. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

In einem anderen Waldstück liegen abgebrochene Kronen und Baumstämme herum. Dazwischen wachsen Farn, Brombeeren und kleine Buchen, Traubenkirschen oder Eichen. „Warum sieht es hier so unordentlich aus“, fragt der Goyatzer Klaus Ulrich. Er geht regelmäßig auf den Lehrpfaden spazieren und ärgert sich über das Durcheinander. Förster Oswald sieht es ganz anders. „Durch den Kontakt mit dem Waldboden verrotten Kronen und Baumstämme schnell“, sagt er. Die alten Baumkronen bieten den jungen Eichen Schutz, die sonst von den Rehen abgefressen werden. Das dichte tiefgrüne Buschwerk enthalte Wasser. Im Fall eines Brandes kann dieser Wald den Flammen etwas entgegensetzen.

 Flechten an Nadelbäumen sind ein Hinweis auf gute Luftqualität.
Flechten an Nadelbäumen sind ein Hinweis auf gute Luftqualität. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Viel zu viel Wasser gibt es auch. Grund dafür ist der Biber, so Romeo Buder. „Er fällt bevorzugt Eichen und baut Dämme“, sagt der Revierförster. Waldgebiete vernässen, oft sterben in Folge des hohen Wasserstandes die Bäume ab. „Auch die Erle ist betroffen, denn dieser Baum ist an wechselnde Wasserstände mit trockenen Zeiten angepasst“, erklärt Oliver Oswald. Statt Wald entstehe eine Buschlandschaft. Einige Tiere haben den Vorteil dieser feuchten Gebiete für sich erkannt. Hirsche seien gern dort, so Buder. Es ist kühl, und überall gibt es frisches Grün.

Für die Wanderer geht es über einen improvisierten Steg durch den Morast. Im Gänsemarsch balancieren Irmgard Lorentz und ihr Mann über die Holzbretter. Gemeinsam mit einem anderen Rentnerpaar machen sie in Goyatz Urlaub und sind beim Zeitunglesen auf die Tour aufmerksam geworden. Irmgard Lorentz lobt den hohen Erholungswert der Region. Die vielen Informationen über die Kulturlandschaft und die natürlichen Besonderheiten des Waldes nehmen die Vier dankbar auf. Begeistert ist auch die Lübbenauerin Susann Borrack über die Führung mit den beiden Experten. Sie hat ihren freien Tag genutzt, um Goyatz kennenzulernen.

Statt geplanter zwei Stunden war die Gruppe dreieinhalb unterwegs. Es gab viel zu erzählen über die Naturverjüngung des Waldes, die alte Heerstraße und Handelswege. Deshalb passte nicht alles in diesem Bericht.