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| 16:24 Uhr

Oldtimer
Camper-Leben im historischen Wohnwagen

Historische Wohnwagen besitzen besonderen Charme. Etwa 60 waren am Wochenende auf dem Campingplatz in Groß Leuthen zu sehen.
Historische Wohnwagen besitzen besonderen Charme. Etwa 60 waren am Wochenende auf dem Campingplatz in Groß Leuthen zu sehen. FOTO: Andreas Staindl
Groß Leuthen. Oldie-Treffen mit „Puck L“ und Co. in Groß Leuthen. Von Andreas Staindl

Camping ist eine Lebenseinstellung. Wer sich dafür entscheidet, liebt die Natur, die Ungebundenheit, die Möglichkeit, überall dort, wo es schön ist, einfach zu verweilen – auch über Nacht. Die Hersteller von Wohnwagen und Wohnmobilen haben sich darauf eingestellt. Ausstattungen werden immer raffinierter. Denn Campern soll es schließlich an nichts fehlen.

Doch es geht auch ohne viel Technik, Luxus und Schnickschnack. Wer am Wochenende über das Eurocamp „Spreewaldtor“ in Groß Leuthen (Märkische Heide) streifte, fühlte sich um Jahrzehnte zurückversetzt. Etwa 60 historische Wohnwagen von Besitzern aus ganz Deutschland waren dort zu sehen. Der Camping-Oldie-Club hatte zu seinem Sommertreffen eingeladen.

„Das Treffen ist einer unserer jährlichen Höhepunkte“, sagt Jürgen Stender. „Ich bin mit der Resonanz zufrieden.“ Der Forster war gemeinsam mit Andrea Stender für die Organisation zuständig. „Der Campingplatz hier in Groß Leuthen ist ideal für unser Treffen“, sagt er. „Wir fühlen uns willkommen und gut aufgehoben.“

Die Teilnehmer lieben ihr Hobby, das sie mit rund 400 Mitgliedern deutschlandweit teilen. „Unser Wohnwagen hat Charme“, sagt Elvi Scherb, die mit ihrem Mann Jürgen aus dem Raum Stuttgart angereist war. „Er ist zweckmäßig, hat alles, was wir brauchen. Wir können drin sitzen, schlafen, und Schubfächer für das Nötigste gibt es auch. Den modernen Wohnwagen fehlt einfach das Flair.“

Ihr Herz hängt an ihrem „Fawoboo“. Die Abkürzung steht für Fahren, Wohnen und Boot. Das Dach des Wagens kann auch als Boot genutzt werden. Die ausgeklügelte Konstruktion stammt von Josef Hartmann. Scherbs Exemplar ist Baujahr 1962 und seit rund zehn Jahren in ihrem Besitz. Etwa 200 Stück wurden gebaut. „Unser  Wohnwagen ist schon eine Rarität“, sagt Elvi Scherb. „Und das verarbeitete Holz darin – einfach toll.“

Auch Holger Libuda aus dem Weserbergland hat sein Herz an einen nostalgischen Wohnwagen verloren: „Ich liebe die einfache Ausstattung und das Ambiente.“ Viel Platz ist nicht, Luxus gibt es schon gar nicht, dafür aber ein Gefühl wie im Zelt. „Ich mag das, bin ja quasi im Zelt auf Campingplätzen groß geworden“, sagt Holger Libuda. Sein Wohnwagen Typ „Puck L“ ist Baujahr 1960 und für ihn „klein aber fein“.

Der Wohnwagen von Jürgen Stender ist noch drei Jahre älter. Sein „Tourist“ der Marke „Dethleffs“ wurde 1957 gebaut. Es war das älteste Modell des diesjährigen Sommertreffens – und hat schon viel von der Welt gesehen. Der Forster mag das Schlichte, das gute Gefühl, ohne viel Technik zufrieden zu sein.

Die Vereinsmitglieder erhalten ihre Wohnwagen möglichst im Original, hegen und pflegen ihre Lieblinge. Wer einmal infiziert ist, kommt nicht mehr los. „Der Trend geht zum nostalgischen Zweit- und Drittwohnwagen“, erzählt Hajo Giesecke aus Bremen. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende weist auf einen optischen Unterschied zum Camping mit modernen Wohnwagen hin: „Bei uns sind die Vorzelte offen, wir verstecken uns nicht.“

Ohnehin verbindet das Hobby. Auf dem Campingplatz in Groß Leuthen wurde gemeinsam an einer großen Tafel gefrühstückt. Zudem gab es verschiedene Ausflüge und Aktivitäten der Teilnehmer. „Das Miteinander und die Pflege des Brauchtums liegen uns am Herzen“, sagt Jürgen Stender.

Hajo Giesecke ergänzt: „Immer mehr Familien entscheiden sich für das Camping. Die Zulassungszahlen für Wohnwagen steigen jährlich. Wir wollen, dass die Exemplare früherer Jahrzehnte nicht vergessen werden.“ Das ist dem Camping-Oldie-Club mit dem Sommertreffen am Wochenende in Groß Leuthen gelungen. Der Verein war vor 20 Jahren schon einmal auf dem Platz in der Märkischen Heide zu Gast, wie der Vize-Vorsitzende sagt: „Es ist schön hier.“