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Mobilität auf dem Lande
Ohne Auto durch den Spreewald - wie geht das künftig besser?

Lübben/Luckau/Lübbenau. Zwischenbericht zu Mobilitätsstrategien für den Wirtschaftsraum Spreewald vorgestellt. Überlegungen gibt es auch zur Einführung einer Gästecard. Von Ingvil Schirling

Mit einem hoch spannenden und zukunftsweisenden Thema hat sich der Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Landwirtschaft des Landkreises Dahme-Spreewald kürzlich befasst. Die Effekte reichen weit über die kommunalen Grenzen hinaus und umfassen den gesamten Wirtschaftsraum Spreewald.
Über die Energieregion Lausitz-Spreewald war ein Modellvorhaben angeschoben worden, dass sich mit Mobilitätsstrategien befasste. Kurz: Wie kommen Gäste, Einwohner, Touristen und vor allem auch Azubis ohne Auto künftig besser durch die Region? Und wie könnten mit besseren Ansätzen mehr Fachkräfte gewonnen und der Wirtschaftszweig Tourismus weiter ausgebaut werden?
Systematisch hatte die Studie über zwei Jahre hinweg diese Ansätze genauer beleuchtet. Dabei waren einerseits bereits existierende Untersuchungen mit einbezogen worden, spannte Projektmanagerin Ariane Kölling den großen Rahmen auf. Andererseits waren gleich - wenn auch wenige - konkrete Vorhaben entwickelt worden, die umsetzbar sind.
Doch zunächst zu einem Zauberwort, dass im Spreewald derzeit die Runde macht und vor allem Annett Ernst als Chefin des Tourismusverbands Spreewald sehr am Herzen liegt: die Gästecard. Auch dieser Ansatz war Teil der Untersuchung gewesen, für die es zwei Jahre lang Fördermittel gab. In einer zweiten Runde wird nun, nebenbei bemerkt, die weitere Finanzierug beantragt, um die Untersuchung nochmals zwei Jahre lang konkretisieren zu können.
Die Gästecard soll dazu führen, dass Menschen, die aus Prinzip ohne Auto unterwegs sind, den Spreewald für sich entdecken können. Bisher ist das noch eher mühsam. Das Gästeticket – oder die Spreewaldcard, oder wie immer der Name am Ende lauten wird – hängt aber nicht nur an den entsprechenden Linien, sondern auch an der Frage der Finanzierung.
Eine Delegation von 16 regionalen Akteuren aus dem Spreewald, berichtete Ariane Kölling, hatte sich im Schwarzwald angeschaut, wie das Gästeticket dort umgesetzt wird. Andere Beispiele gibt es im Harz und im Saarland. Im Schwarzwald seien 140 Gemeinden und 10 000 Beherbergungsbetriebe dabei, berichtete die Projektmanagerin. Der Nahverkehr könne bis Basel genutzt werden auf Basis eines einfachen Tickets aus Papier.
Die Betriebe erheben den Kurbeitrag und leiten ihn an die Kommunen weiter – ähnlich wie im Spreewald. Von dort werden von dem einen Euro über einen Vertrag mit der Schwarzwald-Tourismus-GmbH als Organisatorin genau 42 Cent abgeführt. 1,5 Cent behält die Tourismus GmbH für Marketing und andere Kosten, 40,5 Cent gehen an den Verkehrsbetrieb, um die Kosten zu decken.
Die positiven Aspekte seien: Der Gast kann sein Auto stehen lassen und muss den Tarifdschungel nicht durchschauen. Das Aufkommen sei um 800 000 Autos verringert, sagte Ariane Kölling. Der Gastgeber habe einen Wettbewerbsvorteil und bereits neue Kundengruppen und damit auch mehr Gäste eingeworben. Aufgrund des Nutzens sei die Kurtaxenzahlung um 15 bis 20 Prozent gestiegen.
Doch so gut das klingt: Einer Eins-zu-Eins-Übernahme in den Spreewald stehen zwei dicke Probleme entgegen. Ariane Kölling bezog sich auf Paragraf elf des Kommunalabgabengesetzes. „Da steht nicht geschrieben, dass die Kurtaxe für den ÖPNV genutzt werden kann“, sagte sie. Zweitens kann die Abgabe nur in anerkannten Erholungsorten erhoben werden – was der Spreewald als Ganzes nicht ist, sondern nur in einzelnen Städten und Gemeinden. Ziel sei es nun, das Kommunalabgabengesetz zu modifizieren, sagte Ariane Kölling. „Wir haben das schon in die Koalition getragen und erste Gespräche mit dem Ministerium geführt“, sagte sie und deutete an: „Es gibt positive Signale.“
Im Zuge des gesamten Projektes sind ihr zufolge außerdem zwei umsetzbare Projekte entstanden. Demnach soll die Linie 506 modifiziert werden und über Schlepzig, Krausnick, Tropical Islands zum Bahnhof Brand fahren, damit dieser an den Unterspreewald angebunden werden kann. Die Taktung soll am Wochenende von vier auf sieben Fahrten erhöht werden. „Dazu laufen Gespräche mit Tropical und der RVS“, sagte Ariane Kölling mit Bezug auf die regionale Verkehrsgesellschaft.
In einem zweiten Schritt soll die Linie 500 als Plus-Bus-Linie weiterentwickelt werden und dann Lübben, Straupitz und Burg besser anbinden. „Gerade Burg ist sehr vom motorisierten Individualverkehr belastet“, schätzte die Projektmanagerin ein. Vorgesehen ist, dass sie montags bis freitags stündlich verkehrt und Anschlüsse im 15-Minuten-Rahmen an den Zugverkehr bietet. „Eine Ausweitung auf das Wochenende wird ebenfalls in Betracht gezogen“, so Kölling weiter.
Die Anregung von Lothar Treder-Schmidt, bei der weiteren Betrachtung des Nahverkehrs auch Anbindungen an die Dresdner Bahn zu bedenken, nahm sie mit – ohne allerdings große Hoffnungen zu machen.

Nun hoffen die Akteure auf eine zweite Förderphase für die kommenden beiden Jahre, um das Gästeticket und die Nahverkehrsverbindungen weiter verfolgen zu können.