ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:41 Uhr

Oberspreewald steht vor spannenden Wochen

Das Jahr 2015 war in Lieberose/Oberspreewald diesmal etwas weniger von Investitionen geprägt. Dafür aber wie immer von sehr viel gesellschaftlich-kulturellem Engagement. Ein Beispiel dafür ist die 700-Jahrfeier in Byhleguhre, hier der Lampionumzug im Herbst, "ein Erlebnis mit breitester Bürgerbeteiligung", sagt Amtsdirektor Boschan.
Das Jahr 2015 war in Lieberose/Oberspreewald diesmal etwas weniger von Investitionen geprägt. Dafür aber wie immer von sehr viel gesellschaftlich-kulturellem Engagement. Ein Beispiel dafür ist die 700-Jahrfeier in Byhleguhre, hier der Lampionumzug im Herbst, "ein Erlebnis mit breitester Bürgerbeteiligung", sagt Amtsdirektor Boschan. FOTO: Andreas Staindl
Straupitz/Lieberose. Für das Amt Lieberose/Oberspreewald werden sich in diesem Jahr wichtige Weichen stellen. Schon in den kommenden Wochen könnten sich Herzensprojekte wie beispielsweise die INA endgültig entscheiden. Begleitet wird die spannende Zeit von der Sorge, es könnte "das Amt der weißen Flecken" werden. Ingvil Schirling

Ganz unbegründet sind die Ängste nicht. Beispielsweise die Debatte um die INA (Internationale Naturausstellung) wirft aus Sicht von Amtsdirektor Bernd Boschan eine Kernfrage auf, die zugespitzt so lautet: Wie wird die Region rund um Straupitz, Lieberose und den Schwielochsee von der Landesregierung Brandenburgs gesehen? Als eine, in der millionenschwere Großprojekte gut angelegt sind? Oder als eine, die damit letztlich Folgekosten produziert? In der Wölfe heulen und Menschen wegziehen?

Ende Januar kann der Antwort auf diese Frage voraussichtlich ein weiteres Mosaiksteinchen hinzugefügt werden. Denn dann werde es die entscheidenden Gespräche geben, informiert Amtsdirektor Bernd Boschan. Nach wie vor hängt alles an der Frage, ob die Landesregierung das Großprojekt auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose befürwortet. Während eine Pressemitteilung im vergangenen Jahr unterschiedlich interpretiert wurde, fehlt Boschan zufolge nach wie vor das aussagekräftige Papier, in dem das Ja des zuständigen Ministeriums steht. Davon hängen 4,7 Millionen Euro Fördermittel vom Bundesamt für Naturschutz ab, die bereits in Aussicht gestellt wurden und das Projekt als Ganzes finanzieren würden.

Einzelprojekte ohne Erfolg

In Ermangelung des Papiers habe sich das Amt zwischenzeitlich um Einzelförderung der verschiedenen Projekte bemüht, ohne Erfolg, sagt Boschan. "Wir sind da nicht weitergekommen. Wenn es keine Grundsatzentscheidung des Landes gibt, ist die INA nicht zu realisieren." Bis Ende Januar sollen die abschließenden Gespräche geführt werden. Er vermutet, dass die Landesregierung "gedanklich, was die INA betrifft, immer noch auf falschem Wege ist. Es wird keine Ausstellung sein wie die Buga oder Laga, bei der etwas geschaffen wird, das später erhalten werden muss. Sondern wir stellen etwas aus, was schon da ist: die Natur." Langfristige Folge- und Unterhaltungskosten seien nicht vorgesehen und auch nicht zu befürchten, sagt er.

Kommt die INA nicht, wäre das eine Untermauerung einer Befürchtung, an der Lieberose/Oberspreewald schon lange knabbert. "Werden wir das Amt der weißen Flecken werden?", fragt Verwaltungschef Boschan. Die INA fungiert dabei als Ansatz, die einmalige Sukzessionslandschaft des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lieberoser Heide mit seinen Wüsten und seltenen Landschaften als Tourismusattraktion zu nutzen.

Ein weißer Fleck ganz anderer Art könnte die Breitbandversorgung werden. "Ich habe erste Meldungen aus Byhleguhre, dass junge Leute deshalb wegziehen", bringt es Boschan auf den Punkt. Dort könnten Daten teilweise nur mit einer Kapazität von 90 KB heruntergeladen werden. Der Spreewald ist bereits einmal beim Breitbandausbau durchs Raster gefallen. Das Land versprach, die Verkabelung nachzuholen. Nun erstellt der Landkreis eine Machbarkeitsstudie, um Fördermittel aus Bundestöpfen beantragen zu können. Doch Boschan befürchtet, dass bei der Finanzierung am Ende einer auf den anderen zeigen wird.

Die Bundesfördermittel sind mit einer Kofinanzierung von voraussichtlich zehn Prozent verbunden. Allein der Eigenanteil könnte in Millionenhöhe gehen. Weil im Spreewald nicht überall Leerkabeltrassen vorhanden sind, müsste voraussichtlich in Teilen neu gebaggert werden.

Wieder mehr Investitionen

Was eigene Investitionen betrifft, wollen Amtsausschuss und -verwaltung allerdings keine weißen Flecken auf der Karte lassen. War 2015 investiv ein eher zurückhaltendes Jahr, stehen für 2016 wieder viele kleine und mehrere große Projekte auf dem Plan. Der Umbau mit Sanierung des ehemaligen Landambulatoriums zum Generationenhaus des FiZ in Lieberose läuft und wird weiter vorangetrieben. Nun geht es mit Elektrik und Heizung an den Innenausbau. Die Friedrich-Ebert-Straße steht ebenfalls vor dem Ausbau.

Dorfgemeinschaftshäuser in Blasdorf, Ressen, Briesensee sind geplant beziehungsweise werden saniert, Doberburg bekommt eine neue Trauerhalle. Am Schwielochsee ist Straßenbau vorgesehen, unter anderem die Zuwegung zum Campingplatz in Zaue, wo weitere Ferienhäuser entstehen sollen.

Die Leichhardt-Schule soll eine Kleinfeldsportanlage bekommen, die Goyatzer Feuerwehr ein neues Fahrzeug. Am Goyatzer Dorfstrand soll ein Festplatz entstehen, der über die bisher geplante Veranstaltungsplattform hinaus geht. Der Status als staatlich anerkannter Erholungsort muss verteidigt werden, außerdem will die Verwaltung die informelle Leitplanung für den Kleinen Schwielochsee abschließen, um baurechtliche Voraussetzungen zu schaffen.

Auch in Byhleguhre soll ein Festplatz entstehen. In Straupitz steht - nach dem großen Erfolg des vergangenen Jahres - nun der Bundeswettbewerb im Wettkampf um das schönste Dorf an. In der Verwaltungsarbeit soll ein B-Plan für das Gelände des ehemaligen Bahnhofs erstellt werden, um dort für 2017 Baurecht zu schaffen, weil weitere touristische Investitionen geplant sind. Perspektivisch würde die Straupitzer Kulturmeile dann vom Schloss ausgehend bis zur Mühle erweitert.

In Briesensee wird weiter nach einem Pächter für die Campingplatz-Gaststätte gesucht und in Alt Zauche soll weiter an der Sanierung des Gurkenradwegs und der Radwege im inneren Spreewald gearbeitet werden.

Boschan blickt für 2015 auf ein Jahr zurück, das von gesellschaftlichem Engagement geprägt war. Kulturell will das Amt seine Verbindung mit der Aquamediale weiter pflegen, wenn im Sommer zur Einweihung des rekonstruierten Lieberoser Schlossparks ein eigenes Sommerkonzert aufgelegt wird.