ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:19 Uhr

Lübben
Obdachloser kämpft sich zurück ins Leben

Matthias Böttcher gießt Getränke nach. Elly Krachudel (r.) und Hildegard Richter schätzen den Pflegehelfer in der Tagespflege der Diakonie in Lübben.
Matthias Böttcher gießt Getränke nach. Elly Krachudel (r.) und Hildegard Richter schätzen den Pflegehelfer in der Tagespflege der Diakonie in Lübben. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Von der Straße in die Pflege. Nach vielen Rückschlägen erhält Matthias Böttcher bei der Diakonie in Lübben eine neue Chance.

Keine Wohnung, keine Arbeit. Drogen. Alkohol. Matthias Böttcher (24) war ganz unten. Doch aufgegeben hat er sich nicht. Der junge Lübbener kämpft sich zurück ins Leben. Er hat seit ein paar Monaten eine Arbeit, eine eigene Wohnung. Matthias Böttcher arbeitet als Pflegehelfer bei der Tagespflege der Diakonie in Lübben.

„Ich bin der Diakonie sehr dankbar, dass sie mir den Neuanfang ermöglicht hat. Meine Kollegen sind toll. Sie nehmen mich so wie ich bin. Meine Vergangenheit stört sie nicht. Ich fühle mich hier geborgen, gut aufgehoben“, sagt der junge Mann. Eine Erfahrung, die er noch nicht oft in seinem Leben gemacht hat.

Matthias Böttcher wächst in Lübben auf, besucht die Liuba-Grundschule. Die Familienverhältnisse sind nicht leicht. Mit zehn Jahren kommt er in das Kinderheim in Briesensee (Lieberose-Oberspreewald). Auch seine Brüder wachsen dort auf. Der heute 24-Jährige besucht die Oberschule in Goyatz (Lieberose-Oberspreewald). Er ist 18, als er zurück nach Lübben zieht - erst in betreutes Wohnen, dann in eine eigene Wohnung. Matthias Böttcher beginnt eine Ausbildung zum Sozialassistenten an der Beruflichen Schule für Sozialwesen der Arbeiterwohlfahrt in Lübbenau. „Die soziale Richtung war schon immer mein Ding“, erzählt er.

Doch er nutzt seine Chance nicht. Alkohol und Drogen bestimmen sein Leben. Er verliert seinen Ausbildungsplatz, fliegt aus der Wohnung. Die Mietschulden von damals zahlt er noch immer ab. Der damals 20-Jährige braucht dringend eine Bleibe, zieht bei seiner Mutter in Lübben-Nord ein. Es klappt nicht. Und das, obwohl sich der junge Mann, wie er sagt, um seine kranke Mutter kümmert und deshalb seine Freunde vernachlässigt. „Ich habe alles für sie getan. Sie aber hat mich rausgeworfen und auch noch mein Hartz IV einbehalten“, so erzählt es der junge Mann.

Matthias Böttcher hatte nichts mehr. Keine Arbeit, keine Wohnung, nur noch eine Tasche mit ein paar persönlichen Sachen. Er war offiziell als obdachlos gemeldet, hatte einen entsprechenden Schein der Stadt. Doch in eine Obdachlosenunterkunft wollte er nicht. „Die Zustände dort haben mich abgeschreckt.“ Kumpel haben ihn bei sich schlafen lassen. Mal hier, mal dort - zwei Jahre lang. „Couchsurfing quasi - keine schöne Zeit“, blickt er zurück.

Der junge Mann steckt in einem Teufelskreis: Ohne Wohnung keine Arbeit. „Welche Firma stellt denn einen Obdachlosen ein? Ich wollte aber dieses Leben nicht einfach so hinnehmen“, sagt er.

Er macht eine Alkohol- und Drogentherapie, trifft auf einen verständnisvollen Mitarbeiter der Arbeitsagentur. „Der Fallmanager dort war der Erste, der mir zugehört und gefragt hat, was ich eigentlich möchte.“ Matthias Böttcher will Altenpflegehelfer und Betreuungsassistent werden, belegt einen entsprechenden Kurs. Sein Praktikum absolviert er in der K & S Seniorenresidenz in Lübben. Doch es erwischt ihn wieder. „Ich bin rausgeflogen. Dabei war ich krank, hatte Lungenentzündung, und dafür sogar einen Krankenschein.“

Der 24-Jährige bekam eine neue Chance bei der Diakonie. Er konnte dort sein Praktikum absolvieren, den Kurs zum Pflegehelfer abschließen. Das soll längst noch nicht das Ende der Zusammenarbeit sein. „Ich möchte eine dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft machen.“ Marion Graßmann, die Leiterin der Tagespflege der Diakonie, unterstützt ihn bei seinem Wunsch. Sie möchte den 24-Jährigen gern behalten. „Er ist ein richtiger Glücksfang für uns. Ich bin stolz auf ihn.“

Matthias Böttcher hat vorerst einen befristeten Arbeitsvertrag bis zum Sommer dieses Jahres. Doch beide Seiten haben schon signalisiert, auch darüber hinaus zusammenarbeiten zu wollen. „Die Arbeit hier gefällt mir“, sagt der junge Lübbener. Er lebt inzwischen in einer eigenen Wohnung. „Ohne die Diakonie und ohne Arbeit wäre das nicht möglich gewesen“, sagt er.